Kommentar

Hamed Abdel-Samad: "Dann müssen wir Muslime eben beleidigen!"

Hamed Abdel-Samad
Hamed Abdel-Samad

Der Politologe und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad beklagt eine mangelnde Streitkultur, wenn es um den Islam geht. Dadurch bestehe die Gefahr, dass man eine Opferhaltung bestätigt und Diskursunfähigkeit zementiert. Ein Kommentar.

Wenn ein normaler gläubiger Muslim, der den Islam nie wirklich studiert hat, mir sagt, dass meine Islamkritik seine religiösen Gefühle verletzten würde, kann ich das schon verstehen. Verletzt wird man von Argumenten oft wenn man selber sprachlos oder diskursunfähig ist. Irgendwann war ich auch ein gläubiger Muslim und ich fühlte mich ständig beleidigt und verletzt, wenn jemand meine Religion kritisiert hatte. 

Was ich aber nicht akzeptiere ist, wenn Islam-Experten oder solche, die es gerne werden wollen, die auf meine Argumente ruhig mit Argumenten hätten antworten können, das Thema Beleidigung und religiöse Gefühle ins Spiel bringen, um meine Argumente zu diskreditieren. Auch das ist schwach und Zeichen der Diskursunfähigkeit. Manchmal steckt dahinter Opportunismus oder sogar ein Agenda, oft ist es nur pure Naivität. Solche Menschen erwarten von Muslimen nicht das gleiche was sie von Angehörigen anderer Religionen erwarten. Das ist der sanfte Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung von dem ich öfter sprach. Todenhöfer ist das beste Beispiel dafür.  

So nimmt man Muslime nicht in Schutz, sondern bestätigt sie in ihrer Opferhaltung und zementiert ihre Diskursunfähigkeit. Denn wer Kritik wegen seiner eigenen Gefühle ablehnt, verpasst eine Chance für Veränderung und lässt zu, dass diese Gefühle alles bestimmen und Debatten im Keime ersticken (Erdogan lässt grüßen). Und genau daran erkrankt der Diskurs in der islamischen Welt seit Jahrzehnten. 

Studien belegen, dass viele psychisch kranke Muslime es schwerer haben, sich dem Therapeuten zu öffnen und ehrlich über ihre Probleme zu reden. In einer Kultur der Ehre fällt einem schwer, seine eigenen Schwächen zuzugeben und offenzulegen. Dazu kommt das Stammesbewusstsein, das eine Kritik an einem Aspekt des Stammes als Angriff auf die Existenzberechtigung des gesamten Stammes deutet. Deshalb habe ich keine große Achtung vor der Kategorie der Beleidigung und der verletzten Gefühle und lasse mich von niemandem im Namen irgendwelcher Gefühle moralisch erpressen. Ich bin allen im Nachhinein dankbar, die mich damals provoziert und sogar meine religiösen Gefühle beleidigt haben, denn sie haben mich animiert, meine veralteten Weltbilder infrage zustellen. 

Ich respektiere Muslime als Menschen und trete für ihr Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit ein, aber ich muss nicht alles respektieren, woran sie glauben. Denn Religionen sind nur eine Sammlung von Ideen. Keine Idee steht unter Artenschutz. Jede Idee kann kritisiert und geschmäht werden. Wer keine kritischen Distanz zwischen sich und Ideen, Religion, Nation oder Fußballclub hat, fühlt sich immer persönlich beleidigt, wenn diese kritisiert werden. Dieses kindische Verhalten muss nicht von uns im Namen des Respekts honoriert werden. 

Solange ich niemand persönlich beleidige, darf ich sagen der Islam habe einen Geburtsfehler und dass Mohamed ein kranker Tyrann gewesen sei. Man kann ruhig widersprechen und behaupten der Islam sei perfekt geboren und Mohamed sei ein Friedensengel gewesen. Aber wer das Thema Gefühle und Beleidigung ins Spiel bringt, wird von mir nicht mehr ernst genommen! Und wenn Islamkritik immer als Beleidigung der Muslime interpretiert wird, dann müssen wir Muslime eben beleidigen. Ich werde auch täglich von Muslimen nicht nur beleidigt, sondern auch bedroht. Ich lebe damit und schalte die Justiz ein, wenn Grenzen überschritten werden. Ihr könnt auch dasselbe mit mir tun!

Kommentare (38)

Hans Trutnau (nicht überprüft)

So. 30 Apr 2017 - 19:53

Wo ist da - von der Sache her - >>Rassismus<< zu verorten?

Wenn man an Menschen anderer Kulturen bzw Ethnien nicht die gleichen Massstäbe ansetzt, wie an die der eigenen, sondern wohlmeinend geringere, dann spricht man für gewöhnlich von positivem Rassismus. Ich denke, dies dürfte bei Abdel mit "sanfter Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung" gemeint sein.

Indem ggb. Muslimen eine andere Erwartungshaltung gezeigt wird und sie somit niedrigere Standards zu erfüllen haben.

Katholik (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 19:58

Antwort auf von Hussein K. (nicht überprüft)

hallo hussein, darf ich fragen, ob du moslem bist bzw. welcher glaubensrichtung du angehörst?

Der Rassismus besteht hier darin, so habe ich es verstanden, dass man mit einem Muslim deshalb nicht diskutiert, weil er ein Muslim ist.

Es ist Rassismus, wenn Muslime weniger und vorsichtiger kritisiert werden als Nichtmuslime, weil man ihnen nicht zutraut, mit Kritik umgehen zu lernen. Das ist der von Abdel-Samad immer wieder kritisierte "sanfte Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung" vieler Europäer, wenn sie aus Überheblichkeit oder Angst vor einer echten Streitkultur Muslime mit Kritik verschonen.
In Todenhöfer sieht Hamad ein exemplarisches Beispiel dafür.

Andererseits weiß Hamed (und aus eigener Erfahrung in der Praxis muss ich ihm Recht geben), dass muslimische Patienten es schwerer haben, sich dem Therapeuten gegenüber vertrauensvoll mit ihren Problemen zu öffnen. Das wird sich aber nur positiv verändern, wenn alle Beteiligten durch eine angemessene Streitkultur zunehmend lernen, Selbstkritik zu üben und damit umzugehen.

Was Herr Abdel-Samad unter "sanftem Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung" versteht, ist ja einigermaßen klar, aber die um sich greifende Gewohnheit, auch Aussagen und Sachverhalte als "rassistisch" zu bezeichnen, die gar nichts mit dem Rasse(!)begriff und seinen Bezugsobjekten zu tun haben, nervt auch mich schon ziemlich lange.

Die Verwendung des Begriffs 'Rassismus' (und seines Adjektivs 'rassistisch') impliziert m.E. überdeutlich eine Einstellung, dass es beim Menschen so etwas wie 'Rassen' gäbe, was der derzeitige Erkenntnisstand der Biologie eindeutig verneint. Außer des letzten Kommentators (Thomas) scheint das hier niemand auf dem Schirm zu haben.
Das gilt m.M.n. ebenso für einen irgendwie gearteten 'sanften' Rassismus. 'Rassismus' ist unzweideutig mit 'Rasse' konnotiert. Die Benutzung solcher Begriffe sollte in heutiger (!) Zeit für aufgeklärte Menschen eigentlich obsolet und allenfalls gewissen rechten AfD-Kreisen vorbehalten sein.
Und selbst dort nur zur Identifizierung entsprechenden Gedankenguts.

Der Rassebegriff scheint in der Biologie ganz allgemein kaum noch Gebrauch zu finden, aber trotz seines irreführenden Charakters halte ich es für legitim, die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund bestimmter biologischer (wenn auch ethisch vollkommen irrelevanter) Gruppenmerkmale als Rassismus zu bezeichnen - jedenfalls so lange, bis ein geeigneterer Begriff geprägt ist. Ich wehre mich also hauptsächlich gegen seine inflationäre Anwendung auf jede beliebige Form willkürlicher Ungleichbehandlung von Menschen.

Warum sollte ein irreführender Begriff wie "Rasse" bei Menschen (zumal, wenn irrelevant) legitim sein, wenn ihn die dafür zuständige Wissenschaft Biologie ablehnt?
Irgendjemand meinte kürzlich irgendwo (war wohl auf Facebook), dass Rassen durch *gezielte* Züchtung als Unterarten von Spezies hervorgehen, was bei Menschen nicht der Fall ist.
Beim homo sapiens gibt es m.W.n. allenfalls ethnische Kulturen, deren genetische Unterschiede meist geringer sind als zwischen einzelnen Individuen derselben Etnie.
Für die Diskriminierung einzelner Ethnien habe ich nur einen Begriff (so schillernd auch dieser sein mag): Faschismus.
Das trifft m.E. "jede beliebige Form willkürlicher Ungleichbehandlung von Menschen" recht gut - gerade weil solche Willkür kennzeichnend war (und ist) für alle bisherigen Faschismen.

Thomas (nicht überprüft)

Mi. 10 Mai 2017 - 08:31

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

"Warum sollte ein irreführender Begriff wie "Rasse" bei Menschen (zumal, wenn irrelevant) legitim sein, wenn ihn die dafür zuständige Wissenschaft Biologie ablehnt?"
-
Weil es einen Unterschied zwischen semantischen und wissenschaftlichen Fragen gibt. Insofern, als sich der Rassebegriff (besonders in seiner biologisch laienhaften Bedeutung) normalerweise auf bestimmte phänotypische Merkmale bestimmter Lebewesen bezieht, ist der Rassismusbegriff "korrekt" angewandt, wenn er die willkürliche Ungleichbehandlung aufgrund solcher (und nicht etwa religiöser oder anderweitig kultureller) Merkmale bezeichnen soll. Daß und warum der Rassebegriff in der Biologie zunehmend gemieden wird, ist ein ganz anderes Themenfeld (sehr aufschlußreich: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/menschenrassen/42123).
-
"Für die Diskriminierung einzelner Ethnien habe ich nur einen Begriff (so schillernd auch dieser sein mag): Faschismus.
Das trifft m.E. "jede beliebige Form willkürlicher Ungleichbehandlung von Menschen" recht gut - gerade weil solche Willkür kennzeichnend war (und ist) für alle bisherigen Faschismen."
-
"Mein" Faschismusbegriff ist dem Ihren nicht unähnlich, denn ich nutze ihn als Sammelbezeichnung für alle Denk- und Verhaltensweisen, die das ethische Prinzip der gleichen Berücksichtigung gleicher Interessen vorsätzlich und zwanglos mißachten. Nach meiner Systematisierung sind Rassismus, Klassismus, Nationalismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Speziesismus etc. nichts anderes als Subkategorien des Faschismus.

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Do. 11 Mai 2017 - 01:56

Antwort auf von Thomas (nicht überprüft)

Dass es diesbzgl. "einen Unterschied zwischen semantischen und wissenschaftlichen Fragen gibt", sehe ich überhaupt nicht (da hilft auch der verlinkte spektrum-Artikel in keiner Weise weiter).
Wenn jemand bzgl. homo sapiens von Rassen und Rassismus spricht, wirft das eher ein Schlaglicht auf den 'jemand'.
Faschismus ist da m.E. allemal passender.

Thomas (nicht überprüft)

Fr. 12 Mai 2017 - 06:06

Antwort auf von Hans Trutnau (nicht überprüft)

"Dass es diesbzgl. "einen Unterschied zwischen semantischen und wissenschaftlichen Fragen gibt", sehe ich überhaupt nicht"
-
Das ist sehr schade, denn ich hatte gehofft, meine Aufzählung unterschiedlicher (!) FaschisMEN würde klären, worum es mir geht. Willkürliche Ungleichbehandlungen aufgrund der Hautfarbe sind nun mal nicht dasselbe wie willkürliche Ungleichbehandlungen aufgrund des Geschlechts, der Nationalität oder der Spezieszugehörigkeit - auch wenn sie alle eine entscheidende Gemeinsamkeit haben, nämlich die willkürlich vorgenommene partielle oder totale Aberkennung ethischer Objekthaftigkeit. Im Übrigen trägt jeder Begriff nur die Bedeutung, die ihm per Definition verliehen worden ist. Wenn Menschen Diskriminierung wegen der Hautfarbe als Rassismus bezeichnen, dann ist das in semantischer Hinsicht weder falsch, noch richtig, sondern einfach eine Tatsache, die Ihnen oder mir aus welchen Gründen auch immer gefallen mag oder nicht. Ersetzt man den Rassismusbegriff durch den Faschismusbegriff, entsteht allerdings das logische Problem, daß letzterer nicht gleichzeitig NUR die Diskriminierung wegen der Hautfarbe UND andere spezifische Diskriminierungen (z.B. auch den ihm klassischerweise zugeordneten Antisemitismus) meinen kann. Dieses Vorgehen klärt also nichts und stiftet nur Verwirrung. Da Sie nach wie vor keine brauchbare Alternative zum Rassismusbegriff anzubieten haben, werde ich ihn auch weiterhin (äußerst sparsam und ggf. kritisch kommentiert) verwenden (müssen).

Ich weiß. Trotzdem hoffe ich natürlich, daß Sie meine begriffslogischen Einwände ernstnehmen. Ich fände übrigens den Begriff Ethnizismus recht passend, aber leider ist auch er mit anderen Bedeutungen "vorbelastet", so daß seine Verwendung ebenfalls mit Komplikationen verbunden wäre.

Hussein K. (nicht überprüft)

So. 30 Apr 2017 - 21:00

Genau, Todenhöfer ist ein Opportunist und ich verstehe nicht, weshalb er so ein hohes Ansehen bei vielen in liberalen Kreisen genießt. Ja nicht die Gefühle seiner zum Teil totalitären Anhänger verletzen und einmal deren Religion oder wenigstens die Situation in der Türkei kritisieren (und wenn mal eine kleine Kritik an den Geschehnissen dort, dann nur mit der Betonung gekoppelt, dass der Westen noch schlimmer ist oder zumindest der Verursacher).

Katholik (nicht überprüft)

Mo. 1 Mai 2017 - 11:08

lieber hamed,

danke für deinen guten kommentar, dem ich voll zustimmen kann, weil es meine freie entscheidung ist, was ich glaube.

meiner meinung nach kann kein mensch einen anderen emotional verletzen. kein wort kann mich verletzen. ich entscheide (es ist eine entscheidung in einer hundertsel sekunde) wer, was und wie mich "jemand verletzt" - sprich, wie ich auf etwas äußeres (die wörter einer anderen person) reagiere.

wenn jemand sagt jesus war schwul, jesus habe nicht existiert. ja und? wieso sollte mich das verletzten?!

es gibt auch meiner ansicht nach keine "religiösen gefühle". es gibt gefühle, die hat jeder mensch. mehr gibt es nicht - und mehr muss es auch nicht geben.

der größte blödsinn ist natürlich wenn man sagt: du hast meinen gott usw verletzt, beleidigt!

das ist so lächerlich. wie sollte ich jesus oder meinen gott verletzen können oder jemand anderes?!?! wenn es jesus gab oder gibt, wenn es meinen christlichen gott gab oder gibt, dann ist er wohl doch so erwachsen, dass er sich nicht von einem "kleinen menschen" verletzen lassen wird. ich denke, das ist garnicht möglich.

wenn ich mich schon nicht von den worten anderer menschen verletzen lasse, dann wird es gott doch wohl noch vielweniger tun, oder? :-)

argumentum a minore ad majus.

alles liebe,

sebastian

litttleLouis (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 13:52

Antwort auf von Katholik (nicht überprüft)

..Zu "Katholik" und seiner Meinung, es gäbe keine religiösen Gefühle(bzw es dürfe oder solle keine geben):

Der katholische "Rebellentheologe" und ehemalige Pfarrer Thomas Frings beklagt in einem Interview des Hessischen Rundfunks bezüglich seines Buches

(HR Kultur :camino" vom 9.4.17 Gibts noch als podcast), -

- die FEHLENDE religiöse Emotionalisierung von Kindern und Jugendlichen zum Zwecke der frühen Einbindung in den Glauben. Das sei früher besser gewesen.

Er möchte Kirche wieder mehr auf eine Art fundamentalistischen Kern konzentrieren und die Folklorekatholiken mehr an den Rand drängen. Er will sich zunutze machen, dass die meisten Katholiken einerseits an fast nichts Katholisches glauben, aber andererseits (angeblich?) auch nicht auf katholischen Formalismus vezichten oder gar austreten möchten. Eventuell indem man ihnen bei erwiesenem (theologischem) Desinteresse manche "Sakramente" verweigert könnte (Oder so ähnlich).
Alledings hat er noch weit mehr Provokationen (vor allem fürAtheisten/Agnostiker) auf Lager. Zumindest in dem angesprochen Interview mit zwei Kirchenfunklern. Im Buch wird das aber kaum anders sein.

Thomas (nicht überprüft)

Mi. 3 Mai 2017 - 04:23

Antwort auf von Katholik (nicht überprüft)

"wenn ich mich schon nicht von den worten anderer menschen verletzen lasse, dann wird es gott doch wohl noch vielweniger tun, oder? :-)"
-
Das könnte man nur wissen, wenn "Gott" existierte und erkannt wäre. Letzteres ist nicht der Fall, weil Ersteres logisch unmöglich und/oder empirisch unprüfbar ist. Folglich steht es keinem Theisten zu, Kritik an den religiösen Überzeugungen anderer Theisten zu üben oder auch nur zu implizieren. Und nein, es ist niemandes "freie Entscheidung", falsche oder unprüfbare Aussagen für wahr zu halten, sondern Folge irrationalistischer Indoktrination und bestimmter Bildungsdefizite (wie ich als Ex-Christ und "geistiger Spätzünder" nur zu genau weiß).

Daniel M. Porcedda (nicht überprüft)

Mo. 1 Mai 2017 - 11:44

Eine Grundsatzdebatte, die man auf religiöse Ideologien im Allgemeinen ausweiten kann. Dieser Artikel glänzt mit einer hervorragenden Wortwahl und praktisch anwendbarer Argumentation.

Marc Eder (nicht überprüft)

Mo. 1 Mai 2017 - 18:32

Gunkl bringt es ähnlich auf den Punkt:
https://youtu.be/NdqdYz8dNNA

Roland Schütze (nicht überprüft)

Mo. 1 Mai 2017 - 21:31

Ja, Ideenkritik tut weh. Kritik an religiösen Ideen wird von vielen Gläubigen als besonders schmerzhaft empfunden. Denn an ihren Vorstellungen haftet der Glanz des Göttlichen. Wer in diesen heiligen Bezirk mit rationalen Argumenten eindringt, lebt gefährlich. Früher errichteten die Beleidigten Scheiterhaufen, heute greifen sie zu Schnellfeuergewehren. Dennoch, ja gerade deshalb, müssen wir alles daransetzen, um Ideologien sterben zu lassen, die darauf abzielen, das Töten von Menschen zu legitimieren oder sie in ein von religiösen Autoritäten reglementiertes Leben zu zwingen. Auf ein paar beleidigte Leberwürste können wir dabei keine Rücksicht nehmen.

Enes (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 21:47

Antwort auf von Roland Schütze (nicht überprüft)

Naja, das Kritikverbot hat seine Basis doch vielleicht auch darin, dass Religion kategorial mit kultureller Praxis bzw. Kultur gleichgesetzt wird.
Und Multikulturalisten kritisieren "fremde" Kultur halt niemals.

Zudem: Warum denn auch? Nach deren Verständnis bedeutet die Gleichrangigkeit in der pluralistischen Vielfalt der Lebensentwürfe eben auch, dass "Menschenrechte" nicht qualitativ überlegen, sondern vielmehr kulturell bedingt oder kontingent sind, und auch in der nördlichen Hemisphäre als ihrem ideengeschichtlichen Ursprungsort nicht durchgesetzt werden müßten .... Religiös begründete geschlechtsspezifische Diskriminierung ist dann eben auch als Ausdruck kultureller Vielfalt zu akzeptieren

Außerdem sind die Kritikverbote auch schön gelabelt worden: "Islamophobie", das gelungenste Unternehmen, um Religionskritik mundtot zu machen. Ebenso das Sprachmuster "Religiöse Gefühle" ....

Wenn die originären "westlichen" Freiheiten Bestand haben sollen, muß entschiedener gegen den "politischen Islam", die diversen neokonservativen oder fundamentalistischen Projekte vorgegangen werden ....

angelika richter (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 11:57

"Ich respektiere Muslime als Menschen und trete für ihr Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit ein, aber ich muss nicht alles respektieren, woran sie glauben."

Das ist ein ganz wichtiger Grundsatz: Respekt gilt Menschen, nicht Ideen oder Ideologien usw.
Allerdings sind viele, wenn nicht gar die meisten Menschen real damit überfordert, zwischen sich selbst und gerade ihren religiösen Überzeugungen zu unterscheiden.
Und das sollte man klugerweise in der öffentlichen und persönlichen Auseinandersetzung schon berücksichtigen.
Es kommt eben auch aufs "wie" an, womit ich nicht sagen will, dass es dazu bei Herrn Abdel-Samad (alles, was ich bisher von ihm gelesen oder gehört habe, übertritt auch nur ansatzweise die Grenzen des persönlichen Respekts) irgendetwas zu beanstanden gäbe.

Wolfgang (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 12:22

Nun mal ehrlich: Wer hat schon eine ernsthaft freie Meinung? Ist eine freie Meinung noch überhaupt erlaubt? Kritik fordert immer Gegenkritik, meist mit harten Bandagen. Und wer verträgt noch eine freie Meinung, wenn sie umschlägt und als Beleidigung neu geboren wird? Schon in einer Ehe lernt man, was darf man laut Denken und worüber soll man lieber schweigen. Kritik an der Religion trifft jedoch immer ins Schwarze. Denn gegen Dummheit muss ein Atheist stets angehen, damit nicht ein Flächenbrand entsteht.
Ehm, entsteht der nicht gerade???

Norbert Schnitzler (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 13:07

Nekla Kelek berichtet, dass auch organisch kranke Muslime und insbesondere Musliminnen es schwer haben, sich behandeln zu lassen. Einerseits gilt Krankheit ihnen als von Gott auferlegte Prüfung, andererseits unterliegen sie familiären Erwartungen z.B. wenn sie Gewaltopfer sind.

Iĺknur (nicht überprüft)

Fr. 5 Mai 2017 - 10:14

Antwort auf von Norbert Schnitzler (nicht überprüft)

Wenn dieser Herr wirklich Ahnung hätte würde er wissen das viele Muslime sich beim sich behandeln lassen egal welche Krankheiten aber nach Forschungen der Krankenkassen am meisten seelische bestand beim Ärzten suchen ob mann sich leicht öffnen kann das liegt an Menschen nicht an Religion.Er will Islam nicht kritisieren sondern mit lügen beschmutzen.Viele Leute werden denken Islamische Namen der muss es wissen wenn er kein Islam hasser wäre und objektiv erzählen würde würde ihn kein beschimpfen.Richtig ist er verwechselt Islam mit den Sitten der Araber was gefährlich ist damit meine ich das ihr wegen seinen Arabische Name (es sind Namen von Allah ich sage immer wieder mit mann solle diesen Namen vorsichtig sein oder wenn mann es vergibt unsere Religion richtig erklären)Er tut so als Islam so schlimm ist wenn mann Alte Testament,Thora und Kuran vergleichen tut sind vieles ein und das selber ein proffesor sagte über allen!!! Religions Bücher mann muss die dazugehörigen Bücher lesen sonst ist es so als ob mann einen beipackzettel von Medikamenten liest Inhalt kann ich lesen aber weiss ich warum dieser eine bestimmte Zutat rein muss was passiert wenn es fehlt? dazu muss mann medizin studieren.Islam gibt Frauen viele rechte aber die haben neben Islam ihre Sitten und gebräuche und der Unterdrückung der Frauen passiert nur deshalb entweder weil sie ihre Religion nicht kennen oder gegen ihren Arabischen Sitten oder Gebräuche nichts tun können.In Islam sind Frauen so wertvoll da heißt es der Himmel liegt unter der füßen der Frauen also wenn ein Mann seine Frau Kinder Schwester schlecht behandelt kommt erst gar nicht in den Himmel. Jetzt soll mir der saubere Herr widersprechen das das alles nicht stimmt

Thomas Göring (nicht überprüft)

Fr. 5 Mai 2017 - 21:58

Antwort auf von Iĺknur (nicht überprüft)

Wie bitte? Was wollen Sie uns eigentlich genau sagen, außer dass Hamed Abdel-Samads Islamkritik Sie wütend gemacht hat? Und warum beschimpfen Sie den Autor als ahnungslos & unsauber? Dass Sie dieses tun, ist für mich ein klares Indiz dafür, dass Sie (außer eilig zusammengeschriebenen schönfärberischen Behauptungen) kein einziges Argument vorzuweisen haben. Denn hätten Sie stichhaltige Argumente gehabt, dann wären Ihr empörungsgesteuerter Wortschwall unnötig und Ihre Autorenbeschimpfung überflüssig gewesen.
Es gibt eine glasklare Regel: Der Ton macht die Musik. Und diese Regel bricht man nicht ungestraft. Der Volksmund sagt: "Wer schreit, hat Unrecht."

Naja, Necla Kelek ist eine Frau.

Und der Versuch, den reinen, unangreifbaren schriftbasierten Ursprung der Religion, in diesem Fall des Islams, von den "kulturell bedingten Pervertierungen" zu trennen, die in diesem Fall durch die (bösen bösen) arabischen Un-Sitten bzw. Gebräuche hervorgerufen sein sollen, erinnert sehr an Versuche, die Engels-Marxsche Sozialutopie vor ihren menschenverachtenden Realisierungen in Stalinismus et al. in Schutz zu nehmen ....

Diese "Einlassung" eines (beleidigten) Gläubigen ist natürlich auch deshalb aufschlußreich, weil es eine einseitige und wohl eher apologetisch orientierte Kenntnis der eigenen "Religion" vermittelt, die kaum mit unterschiedlichen Interpretationen vertraut ist.
Das "Offenbarungszeugnis" des Islam ist genauso wenig evident und selbsterschließend wie die "Offenbarungszeugnisse" anderer monotheistischer Bekenntnisse, und die Vertreter der divergierenden Auslegungstraditionen oder Rechtsschulen im Islam diskutieren kontrovers über Vielerlei (nicht nur über das Maß des weiblichen Verhüllungszwanges) ....
Die geschlechtsspezifischen Zuschreibungen an "die (unreine) Frau", ihr ontologisch sekundärer Charakter, die rechtlichen Benachteiligungen (z.B. bei der Realisierung eines Scheidungsbegehrens) sind aber gerade im Herzstück islamischer Traditionsgenese begründet.

In der Thora steht ebenso wie im Qu'ran allerhand Unsinn, der heutzutage schlecht umzusetzen wäre ... Eine gegenwartsbezogene Auslegung von "Offenbarungszeugnissen" kann nicht hinter die anthropologischen Prinzipien zurück, die mit den "Menschenrechten" als einem ultimativen Bewertungskriterium in das "westliche" Denken Einzug halten .... Und genau das lehnen Neokonservative/Ultra-Orthodoxe/Fundamentalisten/ ..... ja gerade ab.

Insofern entsprechen das liberale Judentum oder manche protestantische Auslegungsformen des Evangeliums dem Anspruch eben wesentlich besser, dass "Gott die Liebe" ist ......

Kay Krause (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 14:36

Ich habe vor einigen Jahren einen sehr sympathischen Ayrer kennegelernt. Er hat mir ganz offen zugegeben, dass es für einen Muslim eine Ehre ist, wenn es ihm gelingt, einen Menschen aus dem sogenannten Westen hereinzulegen.
Davon abgesehen halte ich es nicht für eine Beleidigung, wenn man einen Muslim, der nur allzugerne die Christen und Andersgläubige als "Ungläubige" bezeichnet, mit der Tatsache konfrontiert, dass sein Allah letztlich nur einer von hunderten von menschlich erdachten Göttern darstellt.
Nein, ich bin selbst nicht religiös indoktriniert, respektiere aber gläubige Mitbürger.
In was für einer friedlichen Welt könnten wir leben, wenn Christen und Muslime dazu auch bereit wären!

Julius Hauck (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 14:52

Sehr schön geschrieben. Ich als Asatru (also Anhänger der vorchristlichen, germanischen Religion sofern man das Sammelsurium so nennen möchte) komme natürlich auch des öfteren zu Debatten über meinen Glauben, was ich aber auch ganz gut so finde. Jetzt habe ich im Vergleich zu Muslimen aber auch den Vorteil, dass mein religiöses Weltbild nur wenig mit meinem kulturellen Verhalten zu tun hat. Während es für mich ganz klar ist das Dinge die man im frühen Mittelalter getan hat heutzutage nicht mehr laufen, scheint es verpöhnt anzumerken das Mohammed eben auch nur ein Kind seiner Zeit war.

Dementsprechend glaube ich auch, das sich viele angegriffen fühlen weil sie dort nicht differenzieren und jede religiöse Kritik zeitgleich als Angriff auf ihre kulturelle Identität erleben. Für mich als Mitteleuropäer ist aber auch das notwendig, da ich ehrlich gesagt so manchen Ansatz aus dem kulturellen Hintergrund so mancher Muslime hier nicht dulden möchte.

Wegen mir darf jeder Glauben was er möchte, aber es gibt eben kein Recht, sich daraus eine Legitimation für inakzeptables Verhalten (was für mich jedes Verhalten ist das andere in ihren Rechten beschneidet) abzuleiten. Auch das recht auf freie Religionsausübung bedeutet für mich nur das keine Benachteiligung aufgrund der Religion erfolgt, nicht aber das Gesetze übertreten werden dürfen.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 2 Mai 2017 - 17:38

Das totalitäre, grausame und verfolgungswütige Staatschristentum ist nur humaner und toleranter geworden, weil es mutige Männer gab, die es unter Lebensgefahr gewagt haben zu kritisieren. Nur durch Kritik ist alles besser geworden. Genau das wird auch dem Islam helfen, sein Terrorimage abzulegen. Dafür gebührt Hamed Abdel - Samad Anerkennung, Ehre und ganz herzlichen Dank!
P.S.
Ich hatte gestern einen Traum. Gott persönlich ist mir erschienen und hat allen Erdenbürgern befohlen, mir 10Euro zu überweisen. Sollte das jemand bezweifeln, sehe ich mich in meinem Glauben schwer verletzt und beleidigt.

Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Mi. 3 Mai 2017 - 10:46

Sehr gut - mangelnde Streitkultur auch in der ganzen BRD. Kritik an den Großkirchen ist öffentlich fast unmöglich. Das ist Zensur ähnlich. Auch moderate, heimliche Zensur ist Zensur. Und die ist in höchstem Maße demokratiefeindlich. Hier ist die BRD der Türkei schon allzu nahe gerückt. Wehret den Anfängen und schon großen Fortschritten. Danke Hamad Abdel-Samad. Karin Resnikschek

Enes (nicht überprüft)

Mi. 10 Mai 2017 - 14:20

Antwort auf von Resnikschek Karin (nicht überprüft)

Ach ja, aber wenn eine Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen sich öffentlich freut, dass "Deutschland religiöser" würde, was darf manIfrau dann noch erwarten?

Karl Gernholz (nicht überprüft)

Mi. 28 Jun 2017 - 19:35

Ein Kämpfer für die Aufklärung

Hamed Abdel Samad ist einer der wichtigsten und ehrlichsten Aufklärer unseres Jahrhunderts.

Er demaskiert den Islam und befördert für uns die Abgründe des Islam ans Tageslicht. Er kennt den Islam und die islamische Gesellschaft besser als jeder von uns.

Seine Bücher, seine Aufklärungsarbeit sind unbezahlbar. Seine Arbeit ist geprägt von hohen moralischen Ansprüchen und unendlicher Liebe zu einem allumfassenden Frieden.

Wir brauchen ihn und er braucht uns, gerade jetzt. Über sein Leben wurde die Fatwa ausgesprochen. Er und seine Familie steht unter ständiger Bewachung. Er trägt eine enorme Last für uns. Er trägt das Kreuz, wie einst Jesus, für uns.

Hamed Abdel Samad hat nicht nur den Nobelpreis verdient hat, sondern unsere tiefe Dankbarkeit, unser aller Anerkennung und unsere Liebe.

Hamed Abdel-Samad

Der Autor ist einer der profiliertesten Islamexperten im deutschsprachigen Raum. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete Hamed Abdel-Samad als Wissenschaftler in Erfurt und Braunschweig sowie in Japan, wo er sich mit fernöstlicher Spiritualität befasste. Bis Ende 2009 lehrte und forschte er am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München. Danach entschloss er sich, vollberuflich Autor zu werden.

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