Der Antisemitismus-Beauftragte und die Anthroposophie

Michael Blume
Michael Blume 2017 während einer Sitzung des Europarates in Straßburg

Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter Baden-Württembergs, hatte bereits im Herbst 2020 die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland1 besucht, nun gab er der anthroposophischen Zeitschrift info3 ein Interview. Schon die Überschrift des Interviews macht deutlich, wie wertvoll Blume die Anthroposophie ist: "Eine Anthroposophie in der Defensive wäre ein Verlust"2.

Gleich zu Beginn des Interviews versucht Michael Blume, originell zu sein und schafft doch nur Verwirrung; Zitat Blume: "Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts galt eine induktive Methode: Wissen wurde geschöpft, indem – meistens – Männer religiöses und philosophisches Wissen verkündet haben. Jetzt gilt für alles Wissen nur noch das Prinzip der Falsifikation und es soll nur noch das als Wissen gelten, was empirisch überprüft und gegebenenfalls auch widerlegt werden kann."

Mit "Männern, die religiöses und philosophisches Wissen verkündet haben", hat die "induktive Methode" nun rein gar nichts zu tun: Die "Induktion" ist "der abstrahierende Schluss aus beobachteten Phänomenen auf eine allgemeinere Erkenntnis", ein Verfahren, das seit sehr langer Zeit in der Wissenschaft angewandt wird. Wie auch das "Prinzip der Falsifikation", das nicht erst "jetzt" – ab "Mitte des 20. Jahrhunderts" – gilt, sondern in den Naturwissenschaften als Kriterium der Falsifizierbarkeit mindestens schon etwa 300 Jahre länger.3

Auffällig ist, dass Blume den Begriff "Wissen" unscharf gebraucht, bei ihm scheint damit im weiteren Sinne nur philosophisches und religiöses Wissen gemeint zu sein, weiter Blume: "Dieser zunehmend scharfe Blick fällt auf alle heiligen Texte und auch viele philosophische Werke. Das trifft Kant mit seinen teilweise rassistischen Äußerungen, das trifft Karl Marx mit seinem Antisemitismus, das trifft auch Rudolf Steiner."

Versucht Blume die Esoterik Rudolf Steiners aufzuwerten, indem er sie im Zusammenhang von "Wissen" und "philosophischen Werken" nennt? Für diejenigen, die Steiner noch nie im Original gelesen haben, hier ein Beispiel für seine "Erkenntnisse", Zitat Rudolf Steiner:

"Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. (…) Und so ist wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. (…) Und so werden in der Zukunft gerade aus den Rasseeigentümlichkeiten solche Dinge hervorgehen, die man kennen muss, damit man sich richtig hineinstellt ins Leben."4

Kennt Blume dieses weitverbreitete, zum "Klassiker" gewordene Zitat Rudolf Steiners gar nicht, oder blendet er es bewusst aus? Wie kommt er dazu, im info3-Interview zu sagen: "Im Kontext seiner [Steiners, Anm. d. Red.] Zeit gab es also weit Schlimmeres!"

Apologetik-Nachhilfe vom Antisemitismus-Beauftragten

Statt als Antisemitismus-Beauftragter öffentliche Sanktionen gegen anthroposophische Einrichtungen zu fordern – gar eine Einschränkung der Finanzierung von Waldorfschulen? –, empfiehlt Blume im info3-Interview der Anthroposophie eine eigene, kritische Auseinandersetzung mit Rudolf Steiner. Welche Wunder mit Steiners Texten geschehen, wenn Anthroposophen sie mit "Historisierung", "Kontextualisierung", und "Steiners Vorträge wurden nur mitstenografiert!", "bearbeiten", ist mittlerweile Legende – das Ergebnis ist dann beispielsweise so etwas: "In seiner Gesamtheit ist Steiners Lebenswerk aber zutiefst humanistisch und das exakte Gegenteil eines systematischen Rassismus", wie der Vorstand und Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen Henning Kullak-Ublick im Januar in einem Interview erklärte.

Da müsste der Antisemitismus-Beauftragte wirklich keine Apologetik-Nachhilfe geben, tut er aber, Zitat Blume: "Bei Steiner kommt noch hinzu, dass ein Großteil seines Werkes eigentlich gesprochenes Wort ist – Vorträge, die stenografiert wurden." Man muss Steiners Aussagen also gar nicht allzu ernst nehmen – wie sollte Blume auch sonst der Anthroposophie "zur Verfügung stehen", für einen "Weg nach vorne", Zitat Blume: "Es wäre ein Verlust auch für das ganze Land, wenn die Anthroposophie in eine Defensive geriete und zum Gespött und Angriffs-Objekt für die Epoche der Falsifikation würde. Ich bin aber guter Hoffnung, dass sich da genügend Menschen finden werden, die sagen, wir finden gemeinsam einen Weg nach vorne. Dafür stehe ich gerne zur Verfügung." Warum für Blume eine "Anthroposophie in der Defensive" ein "Verlust für das ganze Land" wäre, bleibt unklar.

Als Arbeitshypothesen biete ich an:

  • Die Anthroposophie ist eine Erfolgsgeschichte "Made in Baden-Württemberg"! Anthroposophische Produkte – wie Waldorfschulen, Demeter, Weleda, etc. – sind äußerst beliebt und müssen unbedingt weiter staatlich gefördert werden. Produktwarnungen würden massiven Protest hervorrufen, nicht nur bei den bestens vernetzten Anthroposophen.5
  • Blume befürchtet einen Domino-Effekt, wenn es der Anthroposophie nicht gelänge, sich gegen Kritik zu behaupten, Zitat Blume: "Mein Eindruck ist, dass sich die Anthroposophie in dieser Debatte mit einer reinen Verteidigungshaltung selber schaden würde. Sie würde aber darüber hinaus, wenn sie es versäumt, in den angedeuteten weiteren Diskurs einzusteigen, dafür sorgen, dass auch andere ihre Freiheit mit verlieren." Als "evangelisch-lutherischer" Christ möchte Blume vermeiden, dass die Auseinandersetzung um Martin Luther noch einmal an Schärfe gewänne: In einem Podcast vergleicht Blume Luther mit den "Schlümpfen" und verharmlost damit Luthers Antisemitismus.

  • Als dem Libertarismus Nahestehender lehnt Blume jeglichen staatlichen Eingriff ab, also auch gegen die Anthroposophie. Blume veröffentlichte jahrelang bei der der "Neuen Rechten" zugeordneten Monatsschrift eigentümlich frei, Zitat Wikipedia: "Die Politikwissenschaftlerin Karin Priester schrieb Ende 2010 in 'APuZ', dass der minimalstaatliche Libertarismus in Deutschland ein Forum in der Zeitschrift 'eigentümlich frei' finde. Die ideologischen Leitfiguren seien die politischen Philosophen Murray Rothbard und Ayn Rand, welche Eigennutz und Egoismus moralphilosophisch als Tugenden legitimierten." Für Blume ist Ayn Rand – die Ikone der rechten Libertären – eine "große Liberale" (sic!).

Genießt die Anthroposophie gegenüber anderen Weltanschauungen Privilegien? Beispielsweise gilt für anthroposophische Arzneimittel in Deutschland ein "besonderes Zulassungsverfahren", bei dem der sonst übliche Wirksamkeitsnachweis nicht erforderlich ist. Sollten auch für Rudolf Steiners Antisemitismus besondere Maßstäbe gelten?

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1Im hpd-Artikel "Anthroposophie und Antisemitismus" über Blumes Besuch bei der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland erklärt der Religionsphilosoph Ansgar Martins ausführlich Rudolf Steiners Antisemitismus.

2Die Überschrift des Interviews ist ein zusammengefasstes Zitat Blumes, Originalwortlaut: "Es wäre ein Verlust auch für das ganze Land, wenn die Anthroposophie in eine Defensive geriete und zum Gespött und Angriffs-Objekt für die Epoche der Falsifikation würde."

3Sir Isaac Newton: "Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica", "Rules of Reasoning in Philosophy", 1726 edition: "In experimental philosophy we are to look upon propositions inferred by general induction from phenomena as accurately or very nearly true, not withstanding any contrary hypothesis that may be imagined, till such time as other phenomena occur, by which they may either be made more accurate, or liable to exceptions."

4Rudolf Steiner: "Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums", GA 349

5Wenn Caren Miosga nach Rudolf Steiners Anweisungen tanzt …: "Werbeunterbrechung für Waldorfschulen in den Tagesthemen"

Kommentare (31)

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 11:12

Solang Menschen wie dieser Herr Blume noch derartigen Unsinn verbreiten dürfen, sind wir
noch weit entfernt von einer offenen und freien Gesellschaft und dem Versuch, uns aus
Mittelalterlichen Strukturen zu befreien.
Leute wie Herr Blume sowie die beiden Kirchen tun alles um diese Strukturen zu erhalten und zu fördern. Dem kann man nur mit humanistischen, uneigennützigen Argumenten
Paroli bieten.

Rudi Knoth (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 20:04

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

Zitat:"Solang Menschen wie dieser Herr Blume noch derartigen Unsinn verbreiten dürfen, sind wir
noch weit entfernt von einer offenen und freien Gesellschaft und dem Versuch, uns aus
Mittelalterlichen Strukturen zu befreien."

Nach meinem Verständnis darf in einer "offenen Gesellschaft" auch zweifelhaftes Zeug geschrieben oder gesagt werden. Ich kenne den Blog von Herrn Blume seit mehreren Jahren. Er scheint wohl von der Vorstellung "beseelt" zu sein, das Judentum oder den Semitismus als zentral für die Zivilisation darstellen zu müssen.

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 10:38

Antwort auf von Rudi Knoth (nicht überprüft)

Natürlich darf in einer offenen Gesellschaft auch Unsinn verbreitet werden, nur viele Menschen glauben diesen Unsinn.
Auf den 2. Satz meines Kommentars sind Sie leider nicht weiter eingegangen, sondern haben sich nur die Rosine aus dem ersten herausgepickt.

Rudi Knoth (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 11:15

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

Nun gut dann die Antwort zum zweiten Satz. Sie können ihm ja in seinem Blog scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens gerne Paroli geben. Dort schreibt er öfters einen Artikel, zu dem Sie Stellung nehmen können. Allerdings muß Ihr Kommentar von ihm freigeschaltet werden. Momentan hat er einen Artikel über den Begriff Liberalismus geschrieben.

Rudi Knoth (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 12:00

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

Noch ein Nachtrag:
Welche mittelalterliche Strukturen will denn Herr Blume erhalten? Er selber hat eine Muslimin geheiratet, was im europäischen Mittelalter überhaupt nicht möglich war. Oder geht es Ihnen um die Abschaffung der Kirchen? Die freie Religionsausübung steht sogar in unserem Grundgesetz.

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Fr. 12 Mär 2021 - 12:26

Antwort auf von Rudi Knoth (nicht überprüft)

Ja, stimmt, in unserem GG steht auch seit 71 Jahren, dass Kirche und Staat getrennt sein sollen, scheint aber auch niemand zu interessieren.

Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 16:49

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

In einer offenen und freien Gesellschaft darf dieser Unsinn sowohl verbreitet (Art. 5 GG) als auch geglaubt werden (Art. 4 GG). Dieselben Rechte nehme ich für mich in Anspruch, wenn ich mit meiner humanistischen Weltanschauung diesem Unsinn entschieden entgegen trete.

Giordano Bruno (nicht überprüft)

Fr. 12 Mär 2021 - 12:29

Antwort auf von Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Ganz genau so ist's, nur stehen die Rechte von Atheisten nur auf dem Papier, aber unsere Steuergelder nimmt die Kirche gerne an.

Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Mo. 15 Mär 2021 - 21:32

Antwort auf von Giordano Bruno (nicht überprüft)

Ich kann Ihnen nur schwerlich folgen. Die Anthroposophische Gesellschaft ist keine Kirche sondern ein eingetragener Verein. Die staatliche Finanzierung der Walddorfschulen ist ein anderes Thema. Es geht hier um Antisemitismus und die von Ihnen aufgeworfene Frage der Grundrechte.

Dass die genannten Rechte nicht nur auf dem Papier bestehen, zeigt sich daran, dass wir beide unsere Meinungen austauschen können, ohne dass staatliche oder religiöse Gewalt uns daran hindert oder wir Sanktionen befürchten müssten.

Und obwohl ich nicht glaube, Michael Blume von seinem Obskurantismus und (für mich) fragwürdigen politischen Methoden zu überzeugen, würde er unser aller verfassungsmäßige Rechte nicht in Frage stellen.

A.S. (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 12:32

Hier haben wir es offensichtlich mit einem weiteren Schulterschluß der Irrationalisten zu tun.

Was ist die Auifgabe eines "Antisemitismus-Beauftragten"?

Ist es die Verteidigung der jüdischen Religion, die ebenso irrational ist wie alle anderen Religionen, gegen die Aufklärung?
Oder:
Ist es die Verteidigung des Rechts von Menschen jüdischer Abstammung auf Leben und körperliche Unversehrtheit?

Letzteres ist absolut unterstützungswürdig, ersteres aus meiner Sicht (=die Priester, Imame, Rabbiner haben keine Ahnung von Gott, sie tun nur so als ob) nicht.

Ulrich Körner (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 10:32

Antwort auf von A.S. (nicht überprüft)

Das sehe ich genauso. Der Antisemitismus und das damit verbundene Leid ist doch nichts anderes als ein Ausfluss von religiösem Wahn und Sektenbewusstsein.

Carsten Ramsel (nicht überprüft)

Mo. 15 Mär 2021 - 15:10

Antwort auf von A.S. (nicht überprüft)

Was ist die Aufgabe eines Antisemitismusbeauftragten?
https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/themen/beauftragter-gegen-antisemitismus/

Hans Trutnau (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 12:34

Die Kritik an M. Blume (bes. an seiner erkenntnistheoretischen Unterbelichtung) besteht m.E. zu recht, widmet ihm aber schon fast zu viel Aufmerksamkeit; so wichtig ist der nun auch wieder nicht.

@ Hans Trutnau Dr. Michael Blume ist ein eklatantes Beispiel dafür, wie die Anthroposophie von bürgerlichen Unterstützern am Leben gehalten wird:

„In Deutschland werden Rudolf Steiners Waldorfschulen (zum größten Teil) staatlich finanziert und nach Kräften gefördert – heute mehr denn je, mehr als 1984, als Fritz Beckmannshagen schrieb: »Heute sind die Kultusministerien einiger Länder bezüglich der Waldorfschulen total unkritisch und unangemessem großzügig geworden. Ich kann mir dieses irrationale Verhalten nur erklären, indem ich vermute, daß an wichtigen Stellen der Ministerien stille Förderer der Bewegung sitzen und lenken, so daß man bald zutreffend von Okkultusministerien spricht.«

Das klingt dann doch gewagt. Nach »Verschwörungstheorie«. Vielleicht sitzen in den Kultusministerien auch einfach nur Menschen, die »Töne wie aus einer undichten Gummizelle« mögen?“, zitiert aus: "Töne wie aus einer undichten Gummizelle!“, https://hpd.de/artikel/10216

Roland Fakler (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 13:47

Es ist ein großes Problem, wenn Organisationen sich so fest an ihre „Helden“ binden, dass sie mit ihnen stehen und fallen. Jesus = Christentum; Luther = Protestanten; Steiner = Anthroposophie… Also werden diese Organisationen, bzw. Ihre Vertreter, alles tun, um Kritik zu verhindern oder abzuschwächen. Dabei gibt es fast keinen Denker, der nicht mal Blödsinn geschrieben hat, weil alle Kinder ihrer Zeit waren. Fortschritt kann aber nur durch Kritik erreicht werden. Deswegen: Danke für den Beitrag!

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 10:09

Antwort auf von Roland Fakler (nicht überprüft)

@ Roland Fakler, Zitat: "Dabei gibt es fast keinen Denker, der nicht mal Blödsinn geschrieben hat, weil alle Kinder ihrer Zeit waren." Haben Sie ein Beispiel für eine "intelligente", "zukunftsweisende" Äusserung Rudolf Steiners?

Danach habe ich einmal Henning Kullak-Ublick, Vorstand und Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen, gefragt ... was hat er geantwortet? Quiz!

Roland Fakler (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 12:44

Antwort auf von Andreas Lichte (nicht überprüft)

Lieber Herr Lichte, es gibt Autoren, die ich zu lesen und zu verstehen versucht habe, wenn sie bei mir nur zu Schwindel und Bauchschmerzen, aber zu keinerlei Erkenntnisgewinn geführt haben, waren sie für mich erledigt. Das trifft mit Sicherheit auf Steiner zu. Ich weiß also, dass er sehr viel Humbug geschrieben hat, ob er auch mal was Vernünftiges gesagt hat, kann ich leider nicht beurteilen, umso mehr vertraue ich da auf ihr Urteil. Machen sie so weiter!

BB (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 15:48

Ja, Herr Blume pflegt schon länger ein etwas eigentümliches Verständnis wissenschaftlicher Begriffe. Habe auch mal auf YouTube einen sehr verwirrenden Vortrag von ihm gesehen, in dem er scheinbar gegensätzliche Epochen der Deduktion, Induktion und Falsifikation skizzierte.

@ BB Dass wir nicht in der, Zitat Michael Blume, „Epoche der Falsifikation“ leben, erkennt man schon daran, dass Blume seine wilden, unwissenschaftlichen Thesen erfolgreich verkaufen kann ...

Dr. David Horn… (nicht überprüft)

Di. 9 Mär 2021 - 20:39

Sehr geehrter Herr Lichte,

vielen Dank für Ihre Besprechung des Interviews mit Herrn Blume in der Zeitschrift Info3.
Kennen Sie auch die aktuellen Bemühungen seitens der Anthroposophischen Gesellschaft um eine differenzierte Beurteilung einzelner Textstellen im Werk Rudolf Steiners, die heute als rassistisch beurteilt werden oder diskussionswürdig sind (sie führen eine solche Stelle in Ihrem Beitrag an)?

https://www.anthroposophie-gegen-rassismus.de/

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie auch von diesen progressiven Bemühungen Kenntnis nehmen und diese besprechen könnten. Dazu zählt auch das in 2020 erschienene Buch von Peter Selg: Rudolf Steiner, die Anthroposophie und der Rassismus-Vorwurf: Gesellschaft und Medizin im totalitären Zeitalter, Arlesheim 2020. Ich habe es mit großem Gewinn gelesen, weil es problematische Stellen nicht nur anführt, sondern differenziert betrachtet, kontextualisiert und bewertet.

Mit freundlichen Grüßen,
David Hornemann v. Laer

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 10:30

Antwort auf von Dr. David Horn… (nicht überprüft)

@ Dr. David Hornemann von Laer "(...) Unabhängige Anthroposophie-Experten wie Prof. Helmut Zander, Prof. Peter Staudenmaier und andere haben schon vor Jahren nachgewiesen, dass Rudolf Steiners Rassismus durch seine anthroposophische "Evolutionslehre" – Steiners "Menschheitsentwickelung" – verursacht ist. Steiners "Menschheitsentwickelung" ist zentraler Bestandteil der Anthroposophie, ihr Beweggrund und Ziel. Steiners Rassismus ist also wesenhafter Bestandteil der Anthroposophie (...)", zitiert aus meinem offenen Brief an Henning Kullak-Ublick, Sprecher und Vorstand des "Bundes der Freien Waldorfschulen", https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-rassismus-18249

Es geht nicht – Zitat Dr. David Hornemann von Laer – „um eine differenzierte Beurteilung EINZELNER TEXTSTELLEN im Werk Rudolf Steiners": "einzelne Textstellen" ist eine weitere anthroposophische "Bearbeitung" Steiners, Zitat Artikel, oben:

"Welche Wunder mit Steiners Texten geschehen, wenn Anthroposophen sie mit "Historisierung", "Kontextualisierung", und "Steiners Vorträge wurden nur mitstenografiert!", "bearbeiten", ist mittlerweile Legende ..."

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 10:57

Antwort auf von Dr. David Horn… (nicht überprüft)

@ David Hornemann v. Laer Ist die Apologetik-Website "anthroposophie-gegen-rassismus" der "Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland" ein Ergebnis der "Apologetik-Nachhilfe" Dr. Michael Blumes? Blumes „Nachhilfe" begann ja schon 2020 …: https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-antisemitismus-18761

Die Website der "Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland“ ist mir natürlich lange bekannt. Dass ich Sie „bespreche“, wollen Sie nicht wirklich – anthroposophische "Propaganda" bekommt von mir das Urteil "..."

Thomas R. (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 05:49

Blume ist halt Irrationalist und bedient sich auf dem Markt der Beliebigkeiten, wie es ihm gefällt. Während er sich weigert, evidenzwidrigen Glauben einschließlich die ihn bedingende geistige Disposition als Problem zu begreifen, maßt er sich wissenschaftliche Autorität an und wird so über seine publizistische Arbeit zu einem hochgefährlichen Verblöder. Daß er nun auch die Anthroposophie verteidigt, ist keine Überraschung.

Michael Fischer (nicht überprüft)

Mi. 10 Mär 2021 - 11:33

Der Artikel ließ ja das Schlimmste befürchten, aber nachdem ich das Interview gelesen hatte, war ich doch eher positiv überrascht.

Blume drückt sich sehr diplomatisch aus, aber die Botschaft gegenüber den Anthroposophen ist m.E. geradezu ein Wink mit dem Zaunpfahl:

Anthroposophen können in unserer wissenschaftlich geprägten Welt, die auf dem Falsifikationsprinzip Poppers beruht, mit ihrer Esoterik nicht so weiter machen wie bisher, sonst werden sie aufs Abstellgleis geraten:

"Diese Debatte betrifft die Anthroposophie sehr direkt und man kann ihr auch nicht mehr ausweichen."

Außerdem müssen sie sich endlich mit Steiners problematische Äußerungen auseinandersetzen und diese aufarbeiten und nicht länger unter den Teppich kehren:

"Dieser zunehmend scharfe Blick fällt auf alle heiligen Texte und auch viele philosophische Werke. Das trifft Kant mit seinen teilweise rassistischen Äußerungen, das trifft Karl Marx mit seinem Antisemitismus, das trifft auch Rudolf Steiner."

Blume lässt auch keinen Zweifel daran, was passiert, wenn man sich all dem verweigert:

"Eine Infragestellung von Freiheiten und Finanzierungen führt aber immer zu tiefen Verwerfungen, deshalb hoffe ich auf reformerische Stimmen, auch in der Anthroposophie."

Wieder sehr diplomatisch formuliert, aber trotzdem m.E. eindeutig: Reformiert euch oder...

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 10:53

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

@ Michael Fischer „Blume macht seinen Job nicht (verharmlost Antisemitismus, lässt sich von Interessengruppen vereinnahmen)“, aber „vielleicht habe ich auch einfach die falschen Vorstellungen von der Jobbeschreibung ‚Antisemitismus-Beauftragter’?“, schrieb mir ein Korrekturleser meines Artikels.

Bitte geben Sie den hpd-Lesern doch einmal Ihre persönliche "Jobbeschreibung ‚Antisemitismus-Beauftragter’" … Danke!

Michael Fischer (nicht überprüft)

Fr. 12 Mär 2021 - 13:25

Antwort auf von Andreas Lichte (nicht überprüft)

Wieso?
Da ich die Stelle nicht ausgeschrieben habe, weiß ich auch nicht, was zu deren Anforderungsprofil gehört. Ich teile die Meinung ihres Korrekturlesers nicht, jedenfalls nicht auf Grundlage des Interviews.

Wäre ich ein Anhänger der Anthroposophie, würden mir Blumes Äußerungen vermutlich gar nicht gefallen, sofern ich in der Lage wäre, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen.

Ich finde es bezeichnend, dass die Schlagzeile “Eine Anthroposophie in der Defensive wäre ein Verlust” noch das Positivste war, das Herr Heisterkamp in einem nicht gerade kurzen Interview herauspressen konnte.

Blume muss als Ministeriumsmitarbeiter ja auch einer gewissen Integrität und Unvoreingenommenheit genügen.

Ich habe das Interview mehrfach gelesen und würde es nicht so interpretieren wie Sie .

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Mo. 15 Mär 2021 - 10:53

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

@ Michael Fischer, Zitat: "Wäre ich ein Anhänger der Anthroposophie ..." Sie sind ein Anthroposoph, oder Unterstützer der Anthroposophie ...

Michael Fischer, Zitat: "Wäre ich ein Anhänger der Anthroposophie, würden mir Blumes Äußerungen vermutlich gar nicht gefallen, sofern ich in der Lage wäre, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen." Claudius Weise, im „Redaktionsteam" der anthroposophische Zeitschrift „die drei“, sagt zu Blumes Interview in „info3“: „(…) Ein konstruktiver Dialog mit Vertretern der Anthroposophie“, Quelle: https://twitter.com/monatsschrift/status/1370040450111913984

Michael Fischer (nicht überprüft)

Mo. 15 Mär 2021 - 13:25

Antwort auf von Andreas Lichte (nicht überprüft)

Nein, Herr Lichte, ich bin GWUP-Mitglied, und als solches bin ich mit Sicherheit kein
Unterstützer der Anthroposophie.

Ich habe lediglich versucht, mich ein wenig in die Position von Herrn Blume hineinzuversetzen und mir vorzustellen, was ich machen würde, wenn ich als Antisemitismusbeauftragter einer Landesregierung von einer anthrosphischen Zeitschrift um ein Interview gebeten würde.

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Di. 16 Mär 2021 - 10:28

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

@ Michael Fischer Falls Sie wirklich "GWUP-Mitglied" sind, sind Sie wohl ein Unterstützer Michael Blumes, siehe: https://blog.gwup.net/?s=Blume

Andreas Lichte (nicht überprüft)

Di. 16 Mär 2021 - 10:30

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

@ Michael Fischer Lichte "ist offensichtlich unzufrieden, dass Blume die Anthroposophie nicht verurteilt, sondern stattdessen sogar konstruktive Vorschläge macht (…)“, Laura Krautkrämer im anthroposophischen newsletter "Info3-Bewegungsmelder“ vom 11. März 2021, http://r.mailings.info3.de/mk/mr/rddBrG6EObefx8uUMX1Zr6rhWtk_ZmVY6dZWIW9hubrNiQJfOuu6a0diVkp1V08PQT3t_0WdtlP62naOIHqLH0qOFfGRlMuI1VA

Martin (nicht überprüft)

Do. 11 Mär 2021 - 22:25

Rudolf Steiner und Ayn Rand - das paßt fast zusammen.
Zwar sehr unterschiedliche Ideologien, aber beide unglaublich absurd und ohne jegliche Binnenlogik.

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