Bayerns "Bundeswehrförderungsgesetz"

"Kriegstaugliches Mindset" per Gesetz

Bayern beschließt ein bundesweit erstes "Bundeswehrförderungsgesetz" und verpflichtet Schulen und Hochschulen zu engerer Kooperation mit der Bundeswehr. Kritiker befürchten eine fortschreitende Militarisierung im Bildungsbereich.

Die Deutschen mögen Boris Pistorius. Seit Wochen verteidigt der Verteidigungsminister im Spiegel-"Regierungsmonitor" seinen Spitzenplatz als beliebtester Politiker der Republik. Keine Frage, der Mann hat einen Lauf. Er packt an, spricht Klartext. Kein Leisetreter und Zauderer. Keiner, der sich abduckt und vertröstet. Das kommt an im Land. In einer Umfrage im Januar 2024 wollten sogar fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland einen Kanzlerwechsel von Olaf Scholz zu Boris Pistorius. Nach Ansicht von 64 Prozent der Befragten einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA solle Pistorius noch in der bis 2025 laufenden Legislaturperiode Scholz an der Spitze der Regierung ablösen.

Keine Bange. Der Mann bleibt erst einmal bei der Truppe. Hier fühlt er sich am rechten Ort – und die Truppe schätzt ihren Minister. Das war nicht immer so. Pistorius Vorgängerinnen – von der Leyen, Kramp-Karrenbauer, Lambrecht – galten für viele Militärs – freundlich formuliert – als eklatante Fehlbesetzung. Nun endlich ein Minister, der seinen Grundwehrdienst geleistet hat beim Flugabwehrregiment in der Steuben-Kaserne im niedersächsischen Achim, letzter Dienstgrad Obergefreiter. Ein Mann, der aus eigener Erfahrung weiß, wie es um die Stimmung in den Kasernen bestellt ist – einer, der sich in der soldatischen Wirklichkeit auskennt. Der in einer Welt voller Kriege, Krisen und Konflikte mehr Verantwortung und "Führung" fordert, denn "unsere Bundeswehr steht vor einer gewaltigen Herausforderung". Notwendig sei eine "handlungsfähige und reaktionsschnelle Bundeswehr". Sein Tagesbefehl, gültig über den Tag hinaus: "Deutschland muss kriegstüchtig werden". Es ist eine jener klaren Ansagen, für die Boris Pistorius bekannt ist. "Ohne Reserve keine Kriegstüchtigkeit" steht über dem Artikel des Verteidigungsministers in der Zeitschrift Loyal des Reservistenverbands, erschienen im Juli. Darin schreibt er: "Wir brauchen viele kluge, motivierte Frauen und Männer, die sich in den Dienst der Bundeswehr und unseres Landes stellen wollen."

Begriffs-Verschiebung von der Verteidigungs- zur "Kriegstüchtigkeit"

Der Bundeswehr fehlt der Nachwuchs. Stand Ende Februar 2024 meldet sie 181.811 Rekrutinnen und Rekruten. Der Trend: Es geht immer weiter abwärts, seitdem 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Dabei sollten es nach dem Willen des Verteidigungsministers bis 2031 mindestens 203.000 Soldaten sein. Er lässt offenbar weiterhin Modelle einer Wehrpflicht prüfen und hat dabei die Praxis in skandinavischen Ländern in den Blick genommen. So werden in Schweden ganze Jahrgänge registriert und angeschrieben. Nun geht es hierzulande darum, die Bundeswehrreform voranzutreiben, inklusive einer Verschiebung der Rhetorik – von der Verteidigungs- zur Kriegstüchtigkeit.

Wohin diese auf Kriegstüchtigkeit ausgerichtete Reise der Bundeswehr gehen soll, lässt sich in der Zeitschrift für innere Führung (IF 2/24) der Bundeswehr erkunden, wo es im Editorial heißt: "Kriegstüchtig werde ich nur innerhalb einer Gesellschaft, die mir das notwendige Rüstzeug und die Unterstützung gibt, um in der von Tod und Gewalt geprägten Auseinandersetzung zu gewinnen." Ein Generalleutnant geht wenige Seiten später noch einen Schritt weiter und schreibt: "Mit Kriegstüchtigkeit geht explizit auch die Fähigkeit einher, in einem möglichen Krieg den Sieg erringen zu können." Dafür sei ein "kriegstaugliches Mindset" notwendig, ergänzt ein schreibender Oberstleutnant. Fazit: Es brauche eine "wehrhafte Bevölkerung", eine Gesellschaft, "die offen für Wehrdienst" sei und eine "persönliche Verteidigungsbereitschaft" bejahe. Alles ganz nach den Plänen Pistorius'.

Kritiker haben verfassungsrechtliche Bedenken

In Bayern geht man damit voran. Offensichtlich ganz im Sinne der bundesregierungsamtlich ausgerufenen militärischen "Zeitenwende" und des staatlichen Bemühens, die Bundeswehr umfassend "gesellschaftsfähig" und "kriegstüchtig" zu machen, wurde nun – bundesweites Novum – ein Bundeswehrförderungsgesetz beschlossen, das Hochschulen und Schulen zu einer engeren Kooperation mit der Bundeswehr verpflichtet. Es sieht vor, dass von Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen eine "reibungslose Zusammenarbeit" und ein "ungehinderter Zugang der Bundeswehr zu Forschung und Entwicklung an Hochschulen sichergestellt" werden. Wörtlich heißt es im Gesetzestext: "Erzielte Forschungsergebnisse dürfen auch für militärische Zwecke der Bundesrepublik Deutschland oder der NATO-Bündnispartner genutzt werden". Und: "Eine Beschränkung der Forschung auf zivile Nutzungen (Zivilklausel) ist unzulässig". Denn Zivilklauseln seien "angesichts der bestehenden sicherheitspolitischen Herausforderungen nicht hinnehmbar"; schließlich gehe es darum "das Forschungs- und Wissenschaftspotential der bayerischen Hochschulen auch zugunsten militärischer Forschung und Entwicklung" zu sichern. Kritiker sind alarmiert und melden sich zu Wort. Sie verweisen darauf, das Gesetz sei möglicherweise verfassungswidrig, es solle Universitäten und Hochschulen davon abhalten, eine militärische Nutzung ihrer Forschung zu verbieten – auch wenn es derartige sogenannte "Zivilklauseln" noch nirgendwo im Freistaat gibt. Stattdessen wird ein Kooperationsgebot von Hochschulen und Bundeswehr vorgeschrieben, in Fragen der nationalen Sicherheit sogar eine Kooperationspflicht.

GEW Bayern sieht Gewissensfreiheit beeinträchtigt

Nicht nur die Hochschulen, auch Schulen sind nach dem bayerischen Gesetz betroffen. Sie sollen "im Rahmen der politischen Bildung" und zu "Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik" enger mit "Jugendoffizieren" und "Karriereberatern der Bundeswehr" zusammenarbeiten, auch zur "beruflichen Orientierung über Berufs- und Einsatzmöglichkeiten" bei der Bundeswehr. Bisher konnten Schulen und Lehrkräfte selbst entscheiden, ob sie die Bundeswehr in den Sozialkundeunterricht einbinden, jetzt wird es praktisch zum Zwang. Dies beeinträchtigt die Gewissensfreiheit der Schüler und Schülerinnen, die auf diese Weise einseitig beeinflusst werden, kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern in einer Petition. Sie verweist auf einen bedenklichen Trend: Die Bundeswehr hat in den letzten fünf Jahren bundesweit fast 8.000 Minderjährige rekrutiert und an Waffen ausgebildet (mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten) – mit zuletzt steigender Tendenz. Und dies, obwohl der UN-Kinderrechtsauschuss ein Rekrutierungsalter von über 18 Jahren, also Volljährigkeit, fordert, um die weltweite Rekrutierung von Kindersoldaten auszuschließen.

In der Gesetzesbegründung heißt es, "Aufgabe des Staates" sei es, "unsere Gesellschaft auf die grundlegend veränderte sicherheitspolitische Lage vorzubereiten", die Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche habe. Auch der Freistaat müsse "im Rahmen seiner (Regelungs-) Kompetenzen dazu beitragen, die Bundeswehr zu stärken, die Rahmenbedingungen für die Erfüllung der Aufgaben der Bundeswehr wie auch der Stationierungsstreitkräfte bestmöglich auszugestalten sowie den Rückhalt in der Bevölkerung für unsere Soldatinnen und Soldaten zu festigen". Und tatsächlich gibt es bereits Pläne des Bundesbildungsministeriums, das Militär in Schulen noch intensiver werben zu lassen und Hochschulen für Militär- und Rüstungsforschung stärker zu öffnen.

Für den Gesetzentwurf stimmten CSU und Freie Wähler. Sie verteidigten die Neuerungen als "unbedingt notwendig", auch um die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit des Landes zu stärken. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) warf Kritikern "ideologische Verblendung" vor. Die SPD beklagte zwar, dass die Koalition viele Änderungswünsche nicht berücksichtigt habe und deshalb bei einer möglichen Klage die alleinige Verantwortung für juristische Versäumnisse oder Ungenauigkeiten trage – doch auch sie stimmte für das Gesetz. Anders die Grünen, die ebenfalls gravierende verfassungsrechtliche Bedenken anmeldeten – und deshalb gegen das Gesetz stimmten, die AfD enthielt sich.

Außerhalb des Landtags regt sich spürbarer Protest. Mehr als 1.500 Personen – darunter der Liedermacher Konstantin Wecker, die Theologin Dr. Margot Käßmann, der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Wolfgang Däubler, der ehemalige IG Metall-Chef Jürgen Peters und der Bürgerrechtler, Jurist und Publizist Dr. Rolf Gössner – unterzeichneten eine Petition gegen das Gesetz. Sie befürchten unter anderem, mit der Umsetzung gehe eine "Militarisierung des Bildungs- und Forschungsbereichs" einher. Das neue Bundeswehrförderungsgesetz greife "unverhältnismäßig in die Autonomie der Hochschulen und damit in die Forschungs- und Wissenschaftsfreiheit ein" und verstoße "gegen die Gewissensfreiheit an Schulen." Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält das Gesetz dagegen für "unbedingt notwendig". Wie Verteidigungsminister Pistorius sieht er darin einen ebenso sinnvollen wie notwendigen Beitrag zur geforderten "Kriegstüchtigkeit". Die Militarisierung schreitet voran – nicht nur in Bayern.

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Kommentare (31)

Jens (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2024 - 12:41

Das gab es schon einmal in Deutschland. In der DDR. Vom Wehrkundeunterricht bis zur vormilitärischen Ausbildung in der GST. Aber das war ja böse; war ja in einer Diktatur. </Zynismus off> Mich entsetzt, mit welch Vehemenz derzeit die Kriegstrommeln gerührt werden.

HuGo (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2024 - 13:02

Der Michel wieder auf Heldenklau, " aus gehabtem Schaden nichts gelernt". Uncle Sam Vasallenarmeen müssen sich auf was gefasst machen denn, es sollen die Probleme des 21. Jhds wieder mit den Methoden des 20. Jhds gelöst werden, diesmal mit der Option auf den wirklich " totalen" und finalen Krieg!
Im Hintergrund stehen die Interessen der USA an erster Stelle, "what ever it takes" Es braucht ein "totales" Umdenken, der Menschen willen und nicht der Interessen!!

Der HP ist normalerweise eine Plattform, wo man über Kalendersprüche hinausgekommen ist - Sie werden es nicht glauben! Durch eigenes Denken!

G.B. (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2024 - 15:05

Der erste Schritt zur Mobilmachung, anstatt sich für einen Weg der Vernunft und Deeskalation zu entscheiden, spielt man das Spiel der Kriegstreiber mit.
So schaukelt man sich selbst auf in Richtung Krieg, anstatt alles zu unternehmen was einen Krieg vermeiden könnte. Anstatt die Diplomatie verstärkt einzusetzen wird aufgerüstet, solange bis der Krieg unvermeidbar wird.
Hat man nichts aus der Geschichte gelernt und wiederholt immer die selben Fehler.
Einen Krieg KANN niemand gewinnen, es gibt immer NUR Verlierer.

Adam Sedgwick (nicht überprüft)

Di. 6 Aug 2024 - 13:22

Antwort auf von G.B. (nicht überprüft)

Stimme mit G,,B, überein. Immerhin leben bei uns in Deutschland ca. 300 000 ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter. Lieber ein lebender Deserteur als ein toter Held. Krieg ist nun mal ein für die Bevölkerung sinnlos. Für die Rüstugsindustrie aber sehr lukrativ. Die Eliten, die von den Bürgern eine Kriegsbegeisterung verlangen, gehen nie selbst in die Kampfhandlungen. Z.B. Keiner der Söhne von US-Senatoren und Gouverneure gingen damals aktiv in den Irak-Krieg, das sagt doch alles. Für den Ukraine Krieg gilt bestimmt dasselbe.

WOLF STEINBERGER (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2024 - 15:50

Wer kriegstüchtig schreibt, meint damit unsere Kinder. Kanonenfutter ist ein alter Begriff, überholt ist er noch nicht!

Danke für diesen guten und ausführlichen Artikel

Helmut Lambert (nicht überprüft)

Mi. 31 Jul 2024 - 17:41

Wir sollten nicht vergessen, dass die genannten Kritiker - Liedermacher Konstantin Wecker, die Theologin Dr. Margot Käßmann,.... - in ihrer unverantwortlichen Naivität uns Putin ausliefern und dann natürlich jammern würden.
Wer bei mehr Rüstung gleich an das Kaiserreich und die Nazizeit denkt, hat die westliche Gesellschaft nicht verstanden.

@ Lambert, Helmut: "er bei mehr Rüstung gleich an das Kaiserreich und die Nazizeit denkt, hat die westliche Gesellschaft nicht verstanden." Erklär sie mir mal, die "westliche Gesellschaft". Vor allem den Unterschied, den es für die Opfer macht, für wen sie sterben.

Helmut Lambert (nicht überprüft)

Fr. 2 Aug 2024 - 12:45

Antwort auf von Joseph Klein (nicht überprüft)

Herr Klein, wenn Ihnen der Unterschied zwischen unserer westlichen, freien Gesellschaft und verbrecherischen Diktaturen wie die von Putin, Nordkorea und den Mullahs noch immer nicht klar ist...?

Joseph Klein (nicht überprüft)

Mo. 5 Aug 2024 - 15:59

Antwort auf von Helmut Lambert (nicht überprüft)

@ Lambert, Helmut Ich bin so "frei", Sie etwas zu fragen, und Sie haben keine andere Antwort als "frei" – "unserer westlichen, freien Gesellschaft"? Wie wäre mit etwas, das "INHALT" ähnelt?

Ja, in grenzenloser Verantwortungslosigkeit ??? haben Willy Brandt und Egon Bahr sowie weitere viele verantwortungsvolle Persönlichkeiten im Hintergrund an der Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland, der DDR und Sowjetunion hart gearbeitet. Auch damals gab es einen kriegslüsternen Franz-Josef-Strauss, der gegen ihre Ostpolitik wetterte, obwohl, wie sich später heraustellte, FJS zweigleisig fuhr, und mit der DDR lukrative wirtschaftliche Deals einfädelte.
Kann man in Sachen Frieden mit Diplomatie nichts machen? Doch, man kann! Ich denke da an die mit der heutigen Zeit vergleichbare Kuba-Krise. Damals stand die Welt ganz dicht am Rande eines Atomkrieges, aber durch geschickte Verhandlungen gab es eine friedliche Lösung! Eindrucksvoll verfilmt mit Kevin Coster in "Thirteen days". Vor allem gab es auch damals schon kriegslüsterne Militärs, die Kennedy dann erfolgreich in die Schranken weisen musste und auch konnte!
Ich bin mir sicher, Putin kann man auch durch Verhandlungen zu einem Frieden bringen. Noch wird aber im Westen ganz gut am Ukraine Krieg verdient, man denke nur an die Rheinmetall-Aktien und die späteren Wiederaufbaupläne.
Also, in Schulen sollte man unbedingt Themen zur Friedenssicherung behandeln und nicht immer die primitivste Form menschlichen Zusammenlebens, nämlich die Kriege, auch Krimis, verstärkt als Normalfall verharmlosen und Bestrebungen, die sich gegen Krieg wenden, als naiv bezeichnen!

Klaus Weidenbach (nicht überprüft)

Fr. 2 Aug 2024 - 20:13

Antwort auf von Adam Sedgwick (nicht überprüft)

Wie "fried- und menschenliebend" die Kremlclique ist, verdeutlicht die Aussage des Genossen Medwedew. "Die von Moskau ausgelieferten Kremlkritiker (z.B. Kara-Mursa) täten gut daran, sich neue Namen und Identitäten zuzulegen." Der Tiergartenmörder Krassikow braucht nach seiner Rückkehr doch ein neues Arbeitsgebiet, sonst verlernt er noch den Umgang mit Waffen.

Michael Fischer (nicht überprüft)

Sa. 3 Aug 2024 - 19:50

Antwort auf von Adam Sedgwick (nicht überprüft)

"Ich bin mir sicher, Putin kann man auch durch Verhandlungen zu einem Frieden bringen."

Wer's glaubt, wird selig. Ausgerechnet Putin...

Sascha Larch (nicht überprüft)

So. 4 Aug 2024 - 16:23

Antwort auf von Adam Sedgwick (nicht überprüft)

@ Adam Sedgwick
"Ich bin mir sicher, Putin kann man auch durch Verhandlungen zu einem Frieden bringen"
Ach wirklich?
Wie viel % des Ukrainischen Staatsgebiets würden Sie Putin denn behalten lassen?
Wie viel % der entführten Ukrainischen Kinder dürfte er Ihrer Meinung nach behalten dürfen?

Adam Sedgwick (nicht überprüft)

Mo. 5 Aug 2024 - 17:23

Antwort auf von Sascha Larch (nicht überprüft)

Sehr geehrte Herren Larch, Fischer und Weidenbach,

da Sie drei den gleichen Einwurf zu meinem Kommentar verfasst haben, bekommen Sie Drei zusammen von mir eine gemeinsame Antwort: Irgendwie haben Sie den Kern meines Kommentars nicht verstanden. Ich weiß nicht wie alt Sie sind, aber über Nikita Chruschtschow, Stalin selbstredend, und später Breschnjew wurde ähnliches berichtet und geurteilt wie heute über Putin. Putin ist ein KGB Mann, der durch eine Erziehung unter den letzten drei vier Kremlführern geprägt und massgeblich beeinflusst wurde. Damals hieß es auch, man könne mit den Kremlführern nicht reden und verhandeln. Aber man hat es versucht, und wie bereits erwähnt, in der gefährlichen Kuba-Krise erfolgreich verhandeln können. (Haben Sie denn die damalige Zeit überhaupt miterleben können? Glauben Sie denn im Ernst Putin residiert und entscheidet ganz alleine im Kreml? Wer alles dort hinter den Mauern des Kreml das Sagen hat, müsste ja der BND längst wissen, und natürlich auch die Außenministerin. Worin die Ansatzpunkte erfolgreicher Verhandlungen bestehen könnten, sind nicht öffentlich bekannt. Heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Wir hören immer nur Putin, Putin, und nochmals Putin, das ist mir zu wenig, um eine schwierige, komplexe Lage beurteilen zu können. Dazu haben die Bundesregierung, als auch befreundete Nationen, etliche Vollprofis mit einem großen Experten-Apparat. Man kann ja nun nicht von mir als kleinen Privatmann erwarten, dass ich die Geschicke der internationalen Politik vollständig verstehe und die perfekten Vorschläge liefere. Ich bin nur verärgert, dass nichts Konstruktives von unserer politschen Elite kommt. Natürlich ist es für die freigekommenen deutschen Gefangenen ein erfreuliches Ereignis-immerhin ein kleiner Anfang. Aber der Gefangenen Deal ist natuürlich umstritten, gab es keine besseren Möglichkeiten, wie es damals die Kennedy-Brüder hinbekommen haben?

Michael Fischer (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2024 - 14:41

Antwort auf von Adam Sedgwick (nicht überprüft)

Na, wie alt sind Sie denn? Vielleicht sind Sie ja nicht alt genug und vergleichen zumindest teilweise Putin mit den falschen Leuten.
Wobei ich den Vergleich mit Stalin ganz passend finde; da fällt mir spontan der Hitler-Stalin-Pakt ein, der zu einem für beide Seiten exzellenten Verhandlungsergebnis führte.
Chruschtschow hatte immerhin doch so etwas wie Skrupel und Verantwortungsbewußtsein für das eigene Volk; als Castro während der Kuba-Krise einen Atomkrieg beginnen wollte, zeigte er sich fassungslos.

Könnte es sein, Chruschtschow und Breschnew bzgl. der europäischen Machtstrukturen saturiert waren? Und dass Putin das offenbar in keinster Weise ist (genau wie Xi Jinping bzgl. Taiwan), weshalb der Angriff auf die Ukraine nur eine Frage der Zeit war?

Gegenfrage: Was glauben Sie: Hat Hitler in der Reichskanzlei ganz alleine residiert und entschieden?

Evil Ernie (nicht überprüft)

Di. 6 Aug 2024 - 11:30

Antwort auf von Adam Sedgwick (nicht überprüft)

"Ich bin mir sicher, Putin kann man auch durch Verhandlungen zu einem Frieden bringen."
Wie kommen Sie auf diesen Holzweg.
Denken Sie ernsthaft, man hätte z.B. den zweiten Weltkrieg durch Verhandlungen mit Nazideutschland beenden können?

Joseph Klein (nicht überprüft)

Di. 6 Aug 2024 - 17:00

Antwort auf von Evil Ernie (nicht überprüft)

@ Evil Ernie Habe ich nur geträumt, dass die Sowjetunion (auch "Russland", "der Russe" genannt) auf Seiten der Alliierten gegen "Nazi-Deutschland" gekämpft hat? Ihr Hitler-Vergleich: was soll ich damit machen? Noch ein paar Blümchen dazu kleben und das ganze rahmen?

Evil Ernie (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2024 - 16:38

Antwort auf von Joseph Klein (nicht überprüft)

Joseph Klein, "Ich bin mir sicher, Putin kann man auch durch Verhandlungen zu einem Frieden bringen." kam doch gar nicht von Ihnen?
Dass "der Russe" damals gegen Nazideutschland gekämpft hat, hält ihn offenbar nicht davon ab heute selbst so zu agieren.
Btw: wo hatte war nochmal mein Hitler-Vergleich, ich finde ihn gerade nicht?
Insofern dürfen Sie gerne ein paar Blümchen in den Rahmen kleben, allerdings bleibt meine Frage weiterhin unbeantworet.

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Do. 1 Aug 2024 - 13:12

Die Aufgabe der Bundeswehr ist es, den Feind so lange aufzuhalten, bis richtiges Militär anrückt.

Thomas Amm (nicht überprüft)

Fr. 2 Aug 2024 - 03:33

Das Kasperltheater, das dabei herauskommt wenn Dilettanten "Reaktion" spielen - anders kann man diese groteske Selbstparodie der CSU und ihres Appendix, der Bierdimpfelpartei "Freie Wähler" nicht betrachten. Von Berlin aus betrachtet wirkt diese grottenschlechte bayerische Imitation des preussischen Militarismus aus dem vorletzten Jahrhundert doppelt peinlich.

A.S. (nicht überprüft)

Fr. 2 Aug 2024 - 23:25

Es war schon immer so, dass Soldaten auch mental für den Krieg gerüstet wurden.

Schließlich braucht es eine Begründung, warum man andere Menschen töten soll, warum man sein eigenes Leben riskieren soll. Warum die Aufregung? Wir wissen doch, welche Rolle der angebliche "Wille Gottes" bei Kriegsaufrufen in der Vergangenheit gespielt hat.

Wir tun immer noch so, als wären Waffen für Kriege verantwortlich. Nein, Ideologie und Religion in den Köpfen der Menschen führen zu Kriegen, die mittels Waffen dann geführt werden.
Abrüstung im Kopf ist der Schlüssel zu Frieden. Haben die Menschen in den Köpfen abgerüstet, vergammeln die Waffen in irgend einer Ecke.

Bei der mentalen Aufrüstung von Kämpfern und Volk spielen die Religionen eine ganz entscheidende Rolle, siehe Nahost-Konflikt.

@ A.S. In allen Kriegen weltweit haben die dortigen "Geistlichen" ihre Hand im Spiel und
schüren eifrig mit am entstehen und aufrechterhalten kriegerischer Konflikte, da diese immer dabei ihren Vorteil sehen, die Menschen ständig in Angst und Schrecken zu halten und dadurch an ihren imaginären "Gott" zu binden, was stets den Verkündern des selben nützt.

Michael Fischer (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2024 - 14:54

Das zeigt natürlich alles, wie die Luft spürbar dünner wird. Militarismus ist keine schöne Sache, andererseits waren die Erfahrungen mit dem Dritten Reich offenbar schon dem Schlaf des Vergessens anheimgefallen und man hat sich der Illusion hingegeben, Krieg in Europa könne es ja wohl nie wieder geben.
Wir werden eben gerade äußerst unangenehm auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das kommt davon, wenn man die Augen davor verschließt, was in der Welt passiert.

Das kommt davon, wenn man die Augen davor verschließt, was in der Welt passiert?

B.z.W. wenn man nicht erkennt, wer die wirklichen Drahtzieher für Kriege sind, es sind meiner Erfahrung nach und aus der Geschichte der Menschheit IMMER die Kirchen und
Glaubensvertreter welche ihre Macht über die Menschen mit ihren Märchen vom Paradies und dem Himmel versprechen und mit diesen Lügen Kriege erst möglich machen.

Diese Lügen werden in ALLEN Religionen verbreitet und hindern die Menschheit daran die Realität des einmaligen Lebens jedes Menschen, sowie jedes Lebewesens zu erkennen.
Erst wenn die Menschheit religionsfrei ist wird ein weltweiter Friede eintreten, ich fürchte nur, dass die Menschheit dies NIE schafft, da eine Jahrtausende lange Indoktrination dies verhindern wird.

"Erst wenn die Menschheit religionsfrei ist wird ein weltweiter Friede eintreten" - na, das scheint mir aber dann doch etwas arg unrealistisch zu sein.

Da bekanntlich auch Schimpansen regelrechte Kriege führen, muß man da vermutlich schon etwas tiefer graben.

G.B. (nicht überprüft)

Fr. 16 Aug 2024 - 10:58

Antwort auf von Michael Fischer (nicht überprüft)

Sie stellen also Schimpansen intellektuell auf eine Stufe mit Menschen, na ja dann kann sich da nie was ändern in Richtung Vernunft, Empathie und Erkenntnis.

Die intellektuelle Leistung gegenüber Schimpansen bestand offenbar eher darin die Religion zu erfinden als den Krieg abzuschaffen.
Vielleicht ja, um bessere Ausreden für Kriegführung zu haben.

Helmut Ortner

Der Autor (1950) ist Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die in über 14 Sprachen erschienen sind. Zuletzt: "EXIT. Warum wir weniger Religion brauchen – Eine Abrechnung", mit Beiträgen von namhaften Köpfen der säkularen Szene. Nomen Verlag, Frankfurt 2019.

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