Freikirchen haben einen verräterischen Leitfaden für den Umgang mit Homosexuellen herausgegeben
Für viele Kirchen ist die Homosexualität immer noch des Teufels
Foto: pixabay.com CC0 Creative Commons
Gott hat bekanntlich Adam und Eva erschaffen. So macht es uns die Bibel weis. Um sich vermehren zu können, ergänzten sie sich körperlich. So weit, so klar. Doch im Lauf der Fortpflanzung gab es Männer, die keine Lust hatten, eine Frau zu bezirzen und zu begatten. Sie trieben es lieber mit Männern. Und es gab Frauen, die sich beim Anblick eines nackten Mannes unwohl fühlten.
Da diese Spielform sexueller Begierden in der Schöpfung nicht angelegt war, bekamen die Hüter der göttlichen Moral ein Problem. Deshalb schrieben sie in die Bibel: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen."
Seither sind 2000 Jahre vergangen, und wir haben dank sozialen und wissenschaftlichen Erkenntnissen eine andere Sicht auf die Welt. Und die Homosexualität. Kein gebildeter oder weltoffener Mensch kann heute noch die Homosexualität als abartig oder als Neigung wider die göttliche Ordnung betrachten.
Doch Geistliche und Gläubige mit einem fundamentalistischen Glaubensverständnis tun dies immer noch. Islamisten sehen die "Sünder" weiterhin gern gesteinigt. Doch auch christlichen Fundis steigt das Blut in den Kopf, wenn sie den lockeren (menschlichen) Umgang aufgeklärter Gesellschaften mit dem Thema Homosexualität beobachten. (Von Transgender-Fragen ganz zu schweigen.)
In diesen Tagen gab der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) einen Leitfaden zum Thema Homosexualität (pdf) heraus. Es handelt sich um den Dachverband evangelikaler Freikirchen. Schon der Titel macht alles klar: "Mit Spannungen umgehen". Immerhin bekennt der Bund, dass Homosexuelle in der Vergangenheit in seinen Gemeinden diskriminiert wurden.
Trotzdem bleibt der Befreiungsschlag aus. Denn für das Verständnis und die Gestaltung der Sexualität sei die Bibel wegweisend. Und schon folgt der neuerliche Sündenfall.
Wörtlich: "Für homosexuell geprägte Menschen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte und Selbstwahrnehmung zu dem Ergebnis gekommen sind, dass sie ihre homosexuelle Prägung als unveränderbar annehmen müssen und/oder wollen, besteht die Herausforderung darin, aufgrund des biblischen Leitbildes auf die Praktizierung dieser Prägung zu verzichten und sexuell enthaltsam zu leben. (…) In vielen Lebensgeschichten stellt für kürzere oder längere Zeit sexuelle Enthaltsamkeit die einzige ethisch verantwortbare Möglichkeit dar. Der These, dass sexuelle Enthaltsamkeit unmöglich sei oder zu Persönlichkeitsdeformationen führe, ist zu widersprechen."
Weiter: "Homosexuell geprägte Menschen, die den Versuch einer Veränderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben, sollten sich einem professionell begleiteten therapeutischen Prozess stellen."
Diese Aussage ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass früher viele Freikirchen "Umerziehungskurse" für Homosexuelle anboten. Und es manchmal auch heute noch tun. Doch nicht nur Freikirchen verstricken sich in verbale Schwulitäten, auch die katholische Kirche schlägt bei diesem Thema geistige Saltos. Obwohl ein beträchtlicher Anteil ihrer Geistlichen homosexuell veranlagt ist und homosexuelle Handlungen im Schoss der Kirche daily business sind, werden diese als "moralische Unordnung" betrachtet. Also als Sünde.
Wahrheit macht frei, sagte Jesus
Die katholische Volksbewegung Pro Ecclesia setzt noch einen drauf. Sie lancierte eine Petition mit dem Titel "Die Katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien!"
Unterstützt wurde die Petition von den Kardinälen Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller. Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, sagte, die grosse Mehrheit der Missbrauchsfälle bei Priestern sei homosexueller Natur. Und Brandmüller schrieb, schon Jesus selbst habe uns gesagt, dass die Wahrheit frei mache. Du heiliger Bimbam.
Übernahme mit freundlicher Genehmigung von watson.ch.
Kommentare (21)
Netiquette für Kommentare
Homosexualität ist im
Homosexualität ist im Gegensatz zu Religiotie keine Krankheit und daher nicht therapier.
Religiotie nur sehr schwer bis gar nicht therapierbar.
eine geringfügige Text
eine geringfügige Text-Veränderung sei mir gestattet: "Heterosexuell oder homosexuell geprägte Priester, die ihr höchstes sexuelles Vergnügen darin finden, mit ihnen anvertrauten Kindern beiderlei Geschlechtes zu vögeln und aufgrund ihrer Selbsterkenntnis den Versuch einer Veränderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben, sollten sich einem professionell begleiteten therapeutischen Prozess stellen!"
"Doch Geistliche und Gläubige
"Doch Geistliche und Gläubige mit einem fundamentalistischen Glaubensverständnis tun dies immer noch."
-
Was soll an diesem "Glaubensverständnis" "fundamentalistisch" sein? Einige Religioten picken sich dieses, andere dagegen jenes aus den "heiligen" Schriften oder "interpretieren" es sich nach persönlichem Gusto zurecht. Entweder, sie ALLE sind "Fundamentalisten", oder keiner von ihnen.
Jospeh Ratzinger war ja auch
Jospeh Ratzinger war ja auch eher "vom anderen Ufer" was sagen die Gläubigen dazu
Leider kenne ich dazu nur
Leider kenne ich dazu nur Gerüchte. Aber von seinem Bruder gibt es einige peinliche Details
Das Bild zeigt doch einen
Das Bild zeigt doch einen Umzooch des Carnevalvereins SCS Constantius in Perugia mit dem Vorsitzenden Bassetti vorneweg, nicht wahr?
Stimmt, besonders die
Stimmt, besonders die Leibesfülle erfüllt mich mit besonderer Sorge und "Heiligem" Zorn!
Immerhin räumt die Bibel ja
Immerhin räumt die Bibel ja indirekt ein, dass es schon damals Homosexualität gab - die sich in der Antike einer Duldung und gewissen Toleranz erfreute, aber dann mit Aufkommen des Christentums oder auch des Islams dämonisiert wurde. Wie es jetzt wiederum mit dem Freikirchen-Leitfaden geschieht - wobei manche evangelikale Kirche innerhalb der EKD ähnliches an den Tag legt. Immer verbunden mit einer gewissen Scheinheiligkeit und Doppelmoral.
Dann liegt auch das Problem tiefer, denn infrage gestellt wird letztlich allgemein die sexuelle Selbstbestimmung des Menschen. Und das ist spätestens bei der Haltung zum sexuellen Missbrauch problematisch. Ganz abgesehen einmal davon, dass zumal in der heutigen Zeit niemand mehr ein solches "Stuss-Pamphlet" verdient hat geschweige denn als "Keuschheits-Ratgeber" nutzen kann! Man kann es aber auch - angesichts Ehe für alle, Rehabilitierung strafrechtlich verfolgter Schwuler - als geistige Bankrotterklärung bezeichnen.
Ein sachlicher Fehler im Text
Ein sachlicher Fehler im Text: Der Bund freier evangelischer Gemeinden (FeG) ist nicht der "Dachverband evangelikaler Freikirchen". Es ist einer von mehreren freikirchlichen Gemeindebünden in Deutschland. Als Dachverband der Evangelikalen wird oft die Evangelische Allianz bezeichnet, obwohl auch das sachlich nicht korrekt ist, da es sich um ein loses Netzwerk handelt.
Sehr geehrter Mark Frazer!
Sehr geehrter Mark Frazer! Ihre Richtigstellung sei respektiert und zur Kenntnis genommen.
Aber glauben Sie wirklich, dass es in dieser Diskussion, in diesem Meinungsaustausch im hpd momentan auf diese kleine Diskrepanz ankommt? Wäre es dem Thema nicht zuträglicher, wenn Sie - als offensichtlichtlicher Kenner der christlichen Nebensekten, auch einmal etwas zum Thema sagen würden, und zwar aus Ihrer Sicht, als offensichtliches Mitglied einer christlichen Nebensekte ? Und um Nachfragen zu vermeiden: Unser Thema ist: Die sofortige Beendigung der staatlichen Finanzierung der Kirchen, ebenso wie die Volksverdummung durch kirchlich aufoktruierte religiöse Lebensgrundsätze. Und da gehören Ihre Kirchen genauso dazu wie die Großkirchen! Sie aalen sich lediglich in dem Bewußtsein, in Artikeln und Diskussionen wie hier nie erwähnt zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass Sie und Ihre Glaubensbrüder und -Schwestern in einer heilen Welt abseits der kritikwürdigen Großkirchen leben. Sie betreiben genau die selbe Heuchelei, Quaksalberei und Volksverdummung wie das übrige Gottes(?) Bodenpersonal! Der einzige Unterschied besteht möglicherweise darin, dass Sie sich nicht in jenen Dimensionen an Staatsgeldern bereichern? Ich muß zugeben, dass ich in diesem Punkt keine Kenntnis besitze. Es liegt an Ihnen , die hpd-Leser aufzuklären!
Mit freigeistigem Gruß,
Kay Krause
Hello Mister Frazer! Seit
Hello Mister Frazer! Seit meiner Antwort auf Ihren Kommentar sind nun 5 Tage vergangen, Zeit genug, um mich einer Antwort zu würdigen und meiner Bitte um Aufklärung nachzukommen. Ist Ihnen das Thema zu riskant? Befürchten Sie Repressalien, wenn Sie ehrlich antworten?
Es grüßt enttäuscht
Kay Krause
Der Leitfaden wurde für den
Der Leitfaden wurde für den Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG) erstellt. Gegenwärtig gehören zum BFeG 479 Gemeinden mit rund 41.203 Mitgliedern!!
In Deutschland zählen die evangelischen Freikirchen aber 295.000 Mitglieder.
Verallgemeinerungen sind keine seriöse Pressearbeit!
Was sagt denn der Herr
Was sagt denn der Herr Bundesminister Spahn dazu, der doch sonst ein treuer Diener der Kirche ist, siehe z. B. sein Verhältnis zu den §§ 217 und 219a StGB. Sollte er nicht besser aus der Politik oder aus der Kirche verschwinden?
Ja, Jürgen Becker, das wäre
Ja, Jürgen Becker, das wäre eine gute Lösung!
Warum kümmern wir uns darum,
Warum kümmern wir uns darum, ob und was in heiligen Schriften steht? Wir glauben nicht an diese. Wenn die Kirchen das nicht zur Kenntnis nehmen, ist die einzige Antwort: Kulturkampf.
Ich bin an Ihrer Seite, Herr
Ich bin an Ihrer Seite, Herr Lakatha!
Ich sehe die Verdammung der
Ich sehe die Verdammung der Homosexualität unter dem Aspekt, dass Priester nach der Psycho-Herrschaft über möglichst viele Mernschen streben. Homosexuelle Handlungen unter ihren geistig Hörigen laufen diesem Ziel zuwider, genauso wie Verhütung und Abtreibung.
Nach meiner Überzeugung haben
Nach meiner Überzeugung haben die meisten Menschen als Nachwirkung religiöser Erziehung schon ein Problem mit der Sexualität an sich. Unverbesserliche Religioten sind da ganz schlimm dran. Und eine nicht ausgelebte Sexualität macht krank und agressiv.
Und wenn die Kirchen den Schäfchen jede Menge Vorschriften zu dem Thema machen, heißt das ja nicht, dass sich die Fürsten selbst daran halten müßten.
Ach was waren doch im 16 ten
Ach was waren doch im 16 ten Jahrhundert für herrliche Zeiten* zu Zeiten der "heiligen
Inquisition", wenn da eine Frau ein oder mehrere Kinder im Alter zwischen 1 und 20 Jahren hatte, ob Mädchen oder Knaben, so hat man die Frau einfach der Hexerei bezichtigt
und zu tote gefoltert, oder bei lebendigen Leib verbrannt. Somit war der Zugriff auf die Objekte der Begierden frei und man konnte ihnen die "Liebe Gottes" vermitteln, ohne von irgendeiner Institution belästigt zu werden, da man ja selbst die höchste moralisch Instanz
war. Nun, vielleicht gelingt es uns ja, mit Hilfe des politischen Islam, diese Paradiesischen Zustände wider zu etablieren. Grüße vom Klerus.
Sarkasmus?
G.B.
"...auch christlichen Fundis
"...auch christlichen Fundis steigt das Blut in den Kopf ..."
- wohin auch sonst?
Das ist genau der Punkt. Da
Das ist genau der Punkt. Da kein gebildeter oder weltoffener Mensch heute noch die Homosexualität als abartig oder als Neigung wider die göttliche Ordnung betrachtet, wird doch klar, aus was was die ach so wissenschaftlicher Arbeit eines Kardinals Müller, Chefvertuscher aus Regensburg,besteht. Nichts als Unsinn den er ja jetzt nur noch aus dem Ausland über die Medien verbreiten kann. Von der verklemmten Sexualmoral der RKK soll abgelenkt werden und da ist manchem Kleriker jedes Bauernopfer recht.
Anerkanntes Missbrauchsopfer des Bistums Regensburg