Studie

Homosexualität und Abtreibung: So liberal denken die Deutschen

Im globalen Vergleich liegt Deutschland liegt bei der Akzeptanz von Schwangerschaftsabbrüchen und Homosexualität weit vorne. Das zeigt eine neue internationale Studie des Pew Research Centers.

Während die Reform des Abtreibungsrechts mit dem Aus der Ampel-Regierung praktisch zum Erliegen gekommen ist, zeigt die gesellschaftliche Realität ein anderes Bild: In der breiten Mehrheit der Bevölkerung herrscht eine liberale Haltung zum Thema Schwangerschaftsabbruch, wie eine kürzlich erschienene Studie des amerikanischen Pew Research Centers zeigt. Danach betrachteten lediglich 15 Prozent der Befragten Schwangerschaftsabbrüche als "moralisch inakzeptabel". Weniger sind es nur in Schweden (5 Prozent) und Frankreich (11 Prozent). Die höchste Ablehnung von allen untersuchten Ländern gibt es in Indonesien (93 Prozent), Nigeria (86 Prozent), Kenia (81 Prozent) und Brasilien (73 Prozent). In den USA liegt sie bei 47 Prozent. Die groß angelegte Studie untersuchte die moralische Einstellung von über 28.000 Erwachsenen in 25 Ländern weltweit zu Abtreibung, Homosexualität und anderen Themen. Die telefonische Befragung fand zwischen Januar und April 2025 statt.

Zudem erhob die Untersuchung die Quote der Ablehnung des Schwangerschaftsabbruchs für die großen Religionsgruppen in jedem Land. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: So betrachtet in den Ländern Afrikas und Lateinamerikas die Mehrheit der Christen Abtreibung als moralisch falsch, ebenso in den USA (59 Prozent). Eine erheblich geringere Ablehnung zeigt sich dagegen unter Christen in Europa (zwischen 40 Prozent in Spanien und 7 Prozent in Schweden). In Deutschland finden 18 Prozent der Christen und 11 Prozent der Nichtreligiösen Abtreibung "moralisch inakzeptabel". Auch bei Muslimen gibt es je nach Land erhebliche Unterschiede: In Indonesien halten 93 Prozent der muslimischen Bevölkerung Schwangerschaftsabbruch für moralisch inakzeptabel, während es in Israel nur 33 Prozent der Muslime sind.

Nichtreligiöse Menschen – also Atheisten, Agnostiker und Konfessionsfreie – zeigen eine durchweg liberalere Einstellung zu Abtreibungen als Gläubige. Dennoch variiert die Quote je nach Land. In Brasilien und Südafrika spricht sich die Mehrheit der Nichtreligiösen gegen Schwangerschaftsabbrüche aus, in Europa nur etwa jeder Zehnte.

Hinsichtlich einer liberalen Haltung zur Homosexualität belegt Deutschland sogar einen Spitzenplatz unter allen untersuchten Ländern: 94 Prozent betrachten Homosexualität nicht als "moralisch inakzeptabel", ebenso viele wie in Schweden. Es folgen die Niederlande mit 91 Prozent sowie Frankreich und Italien mit 87 Prozent. In den USA sind es 60 Prozent. Die geringste moralische Akzeptanz von Homosexualität zeigte sich in Indien (20 Prozent), der Türkei (15 Prozent), Indonesien (6 Prozent) und Nigeria (4 Prozent).

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