Wissenschaftler rechtfertigen weibliche Genitalverstümmelung – eine Rezension
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Ein kürzlich veröffentlichter Essay über weibliche Genitalverstümmelungen sorgte für Aufregung und Diskussionen, denn die Autoren relativieren in ihrem Text die Gefahren und Folgen, die von ihr ausgehen. Maßnahmen zur Eindämmung von FGM werden zudem als "rassistisch" beschrieben. Der Essay weist einige gravierende Mängel auf.
Im September 2025 veröffentlichte eine 26-köpfige Gruppe – bestehend aus hauptsächlich westlichen Forscherinnen und Forschern – einen "Extended Essay" im Journal of Medical Ethics mit dem Titel: "Harms of the current global anti-FGM campaign". Das Journal of Medical Ethics gehört zu der Gruppe der "BMJ-Journals", welche zu den weltweit bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften zählen und sich vornehmlich an Ärzte, Forscher und Gesundheitspolitiker sowie Angehörige anderer Gesundheitsberufe richten.
Der Essay beschäftigt sich kritisch mit aktuellen globalen Bestrebungen und Ansätzen, über female genital mutilation (FGM, weibliche Genitalverstümmelung) aufzuklären. Wobei "kritisch" in diesem Zusammenhang nicht meint, dass blinde Flecken aufgezeigt werden sollen, die die Effektivität bisheriger Maßnahmen beschränken. Ganz im Gegenteil wird argumentiert, dass Aufklärungs- und Prohibitionskampagnen im Grunde rassistisch seien und die Empörung über FGM lediglich das Resultat hegemonialer Erzählungen des globalen Nordens über den Süden darstelle. Beschreibt dieser Essay also ein grundsätzliches Problem in der Art und Weise, wie wir das Thema FGM gegenwärtig behandeln? Zur Beantwortung dieser Frage wird der Essay zunächst in seinen zentralen Argumenten wiedergegeben und anschließend kritisch gewürdigt.
Der Essay
Hinführung
Zunächst wird das Thema breit eingeführt, indem Vergleiche zu unterschiedlichen intimchirurgischen und -ästhetischen Praktiken gezogen werden. So gebe es überall auf der Welt Intimpiercings, optische Veränderungen der Genitalien mit Schmuckbestückung, Beschneidung, Entfernung und Dehnung von Gewebe sowie chirurgische Angleichungen, beispielsweise der Schamlippen. Laut den Autoren sei dies überall auf der Welt, quer durch alle Ethnien, Weltanschauungen und Altersgruppen hinweg, vorzufinden. Dabei wird nüchtern festgestellt, dass diese Praktiken mal mehr, mal weniger freiwillig seien, mit einem unterschiedlichen Grad der Betäubung und des Gesundheitsrisikos durchgeführt würden und verschiedene "Vorteile" mit sich brächten. Diese Vorteile müsse man zunächst verstehen und anerkennen.
Am Beispiel kontroverser Diskussionen zu Trans- und Intersex-Personen wollen die Autoren zeigen, dass es unterschiedliche Moralvorstellungen gebe, wobei die einen beispielsweise aus der Perspektive der Kinderrechte, andere eher aus der Perspektive des elterlichen Erziehungsrechts und wieder andere aus religiösen oder familiären Perspektiven argumentierten. Mit Sorge hätten die Autoren in diesen Debatten eine Schieflage beobachtet. So würden nur jene genitalen Praktiken (FGM) systematisch verurteilt und kritisiert, denen sich Frauen auf dem afrikanischen Kontinent unterziehen, während vergleichbare Praktiken (z. B. kosmetisch-chirurgische Eingriffe) des globalen Nordens davon nicht betroffen seien. So hätten die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und einige Aktivisten alle Praktiken des globalen Südens unter dem Begriff "FGM" pauschal zusammengefasst und in vier Typen unterteilt (eine kurze Übersicht findet sich auf der Webseite des Universitätsklinikums Freiburg).
In allen Ländern, in denen FGM praktiziert werde, würden auch Zirkumzisionen bei Männern in mindestens vergleichbarer Häufigkeit stattfinden, wobei diese kaum problematisiert und nicht als "Opfer" gelabelt würden. Diese Pauschalisierungen weiblicher Genitalpraktiken des globalen Südens beträfen unterschiedlichste genitale Praktiken und würden deren Bedeutung für Religion, Kultur, Familie oder Community kollektiv verurteilen. Aus diesem Grund plädieren die Autoren dafür, lieber den Begriff female genital practices (FGP) zu nutzen, da er neutraler sei und den ethischen, medizinischen und kulturellen Status der Betroffenen nicht vorverurteile. FGM sei nämlich "umstritten" und "politisiert", da genitale Praktiken von Frauen des afrikanischen Kontinents aufgrund von "rassistischen Stereotypien, westlicher Sensationslust und moralischem Überlegenheitsgefühl" anders behandelt würden.
Aktivismus und Medien
Im restlichen Text beschreiben die Autoren negative Folgen internationaler Kampagnen gegen FGM. Eine große Rolle würden dabei westliche Feministinnen der zweiten Welle spielen, die die hegemoniale Erzählung der FGM verbreiteten, Frauen als "Opfer" framten und marginalisierte Stimmen, die das "Narrativ" nicht teilten, zum Schweigen brächten. Damit würden sie die öffentliche Aufmerksamkeit von FGM außerhalb des globalen Nordens bestimmen und letztlich zur "Dominanz des Westens" beitragen. Eine weitere wesentliche Rolle werde von Journalisten gespielt, die über FGM parteilich berichteten und die Erzählung damit aufrechterhielten. In den gängigen Sozialen Medien sei Ähnliches anzutreffen; auch dort würden alternative Perspektiven zum Schweigen gebracht.
Im globalen Norden gebe es zudem eine Trennung von FGM und FGCS (female genital cosmetic surgery), die die negative Erzählung der FGM ebenfalls aufrechterhalte. Dabei handele es sich ebenfalls um einen hegemonialen Akt, um den "barbarischen" Süden von dem "zivilisierten" Norden bei vergleichbaren Praktiken künstlich zu trennen. Die Autoren greifen auf die in der Einleitung verwendeten Analogien zurück und beschreiben, dass Frauen auch in westlichen Ländern genital-chirurgische Eingriffe durchführen ließen, was im Vergleich jedoch nicht problematisiert werde.
Im Text wird zudem an einigen Stellen suggeriert, dass FGM eigentlich gar nicht sonderlich schlimm sei und medial eher "Extrembeispiele" herausgepickt würden. Beispielsweise gebe es schiitische und sunnitische muslimische Gruppen, die beide Geschlechter beschnitten, was als Symbol der Gleichberechtigung der Geschlechter interpretiert werde. Hiervon als Verstümmelung zu sprechen, würde einen sinnvollen Dialog mit diesen Gruppen folglich verhindern.
Gesundheitssystem
Auch habe die FGM-Erzählung Folgen für das Gesundheitssystem. Die "Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit" sei eine gute Analogie. So würden Intersex-Personen in Richtung kultureller Überzeugungen operativ angeglichen, wobei dies Ähnlichkeiten mit religiösen Überzeugungen habe. Auch das Klinikpersonal werde von der FGM-Erzählung beeinflusst, was dazu führe, dass nicht mehr die individuelle Situation von Patientinnen berücksichtigt werde, sondern sich nur noch auf das Vorhandensein von FGM konzentriert werde. Eine Frau, die hinter ihrer FGM stehe, werde durch Fragen zur FGM gestresst, was zu falschen Diagnosen und Therapien führe, in Misstrauen und Rückzug aus dem Gesundheitssystem münde und dadurch erst mit negativen Gesundheitsparametern einhergehe. Dieser Prozess sei ein klares Beispiel für Rassismus.
Häufig werde im Zusammenhang mit FGM von "Traumatisierung" gesprochen, wobei Traumata nicht im "politischen Vakuum" existierten. Politische, soziale und rechtliche Normen beeinflussten Erfahrungen, die dann erst als "traumatisch" wahrgenommen werden könnten. Trauma-assoziierte Symptome entstünden, wenn Erfahrungen "keinen Sinn" ergäben. So könnten FGM-Erzählungen die Erfahrungen betroffener Frauen beeinflussen und sie verunsichern. Personen des westlichen Gesundheitssystems würden bei Patientinnen auf Verdacht Vermutungen zu FGM anstellen. Dabei gingen sie aufgrund ihrer westlichen Prägungen davon aus, dass das Individuum Vorrang vor der Gemeinschaft habe, und verstünden nicht, dass der Körper der Frau Teil einer größeren Gruppe sei, mit der sich die Frau identifiziere. Diese Gruppe beeinflusse Entscheidungen über den weiblichen Körper. Diese "kollektiven Entscheidungen" würden von westlichen Menschen nicht verstanden, seien aber gelebte Realität. Wenn dies nicht anerkannt werde, leugne man den kulturellen Hintergrund der Frau, was für sie dann überhaupt erst traumatisierend sei. Bei Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) müsse geprüft werden, ob diese nicht durch etwas anderes verursacht sei. Zudem müsse beachtet werden, dass die PTBS ein westliches "Konstrukt" sei, das auf Menschen angewendet werde, für die Schmerzen keine Ursache für ein Trauma darstellten.
Gesetzgebung
Im letzten Abschnitt des Essays thematisieren die Autoren problematische Aspekte der "Anti-FGM"-Gesetzgebung. Anti-FGM-Gesetze würden Gleichstellung verhindern sowie Privatsphäre, Autonomie und Selbstbestimmung von Individuen, Familien und Communitys, "soziales Vertrauen" und Menschenrechte unterbinden. Im schlimmsten Fall würden Frauen objektifiziert und als passive Opfer dargestellt, obwohl FGM nicht als schlimm erlebt werde und Teil ihrer normalen Lebensrealität sei. Es komme unweigerlich zu Doppelstandards, die Menschen hinsichtlich ihrer Herkunft unterteilten (kosmetischer Eingriff bei Westlern und Verstümmelung bei Afrikanern), unterschiedlich rechtlich schützten (FGM bei Mädchen vs. legaler Eingriff bei Intersex-Personen) und zu Geschlechterungerechtigkeit (Beschneidung bei Mädchen und Frauen vs. Jungen und Männer) beitrügen. Insgesamt würden Anti-FGM-Gesetze afrikanische Frauen sozial stigmatisieren und marginalisieren.
Kritische Würdigung
Der vorliegende Essay beschäftigt sich kritisch mit aktuellen internationalen Perspektiven und Handlungsansätzen zur FGM. Dabei problematisiert er die grundlegende Konzeption des Begriffs, mahnt zur Differenzierung und Zurückhaltung und führt den Aktivismus zur Aufklärung und Reduktion von FGM auf rassistische, politische und machterhaltende Motive zurück. Jedoch weist der Text einige gravierende argumentative Mängel auf, die weitaus mehr Aufschlüsse über die weltanschauliche Gesinnung der Autoren geben, als relevante Erkenntnisse über die aktuelle FGM-Debatte.
Wissenschaftlichkeit
Die "Achillesverse" des Essays – und damit dessen größte Schwäche – dürfte die geringe wissenschaftliche Güte darstellen, was hinsichtlich des Publikationsniveaus in den BMJ-Journals verwundert. Kernargumente des Artikels, beispielsweise zur female genital surgery – die in "Box 1" des Essays abgebildet sind und belegen sollen, dass es sich bei FGM lediglich um rassistische Stereotype, westliche Sensationslust, nicht-repräsentative Beispiele und Desinformation handele – verweisen nicht selten auf wenig geeignete Quellen. Im Falle der female genital surgery verweist die Quellenangabe lediglich auf ein Positionspapier, welches von einer einzigen Person verfasst wurde. Diese Quelle wiederum verweist ebenfalls auf Positionspapiere, qualitative Interviews aus den critical studies und case studies. Genannte Quellen finden sich im Essay ebenfalls zur Genüge. Qualitative Interviews und case studies beziehen sich in der Regel auf wenige Untersuchungspersonen und verfügen häufig nicht über geeignete Kontrollgruppen und überbewerten die Subjektivität, was die Güte dieser Studien stark einschränkt. Forschungen aus den critical studies stehen aufgrund ihrer fraglichen Ergebnisoffenheit, ihrem dogmatischen Theoriegebäude und der engen Verzahnung mit (politischem) Aktivismus unter Verdacht der Pseudowissenschaftlichkeit.
Als weiteres Beispiel seien die Ausführungen zum Thema "Trauma" angeführt. Das recht enge Verständnis von Trauma als "Erfahrung, die keinen Sinn ergibt", was auch in der Retrospektive erlebt werden könne sowie die Hinführung auf die Verursachung durch medizinisches Personal durch "falsche" Fragen, entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Begründung. Auch die Ideen, dass die Diagnose einer PTBS ein auf westliche Gesellschaften angepasstes Konstrukt sei, man im Falle des Vorliegens einer PTBS nach anderen Ursachen suchen müsse (sachgerechte Diagnostik exploriert ohnehin alle möglichen Ursachen für Traumata) und andere Kulturen "Schmerz" nicht als Ursache für Traumata ansehen würden (was auch immer das bedeutet), wird einfach behauptet und kommt ebenfalls ohne jegliche wissenschaftliche Begründung aus.
Unabhängig von den handwerklichen Fehlern ignoriert der Essay systematisch große Studien zur FGM und vermeidet die Nennung konkreter Kennwerte, stattdessen verliert sich der Text in Unterstellungen und Relativierungen, wie dem Vorwurf der selektiven Berichterstattung zu nicht-repräsentativen Einzelfällen oder den Verweis auf ästhetische Intimchirurgie. Die UN berichtet beispielsweise, dass weltweit circa 230 Millionen Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen und jährlich 4,3 Millionen Mädchen dem Risiko von FGM ausgesetzt sind. In 92 Ländern werde laut der UN FGM aktiv betrieben. Dass FGM Teil der Kultur, Religion oder sozialen Gruppe sei und in seinen Gefahren überbewertet werde, beinhaltet eine gravierende Relativierung der eigentlichen Gefahren durch FGM. Studien zweier Professoren der Universität von Birmingham schätzen überdies, dass alle 12 Minuten (!) ein Mädchen oder eine Frau an den Folgen von FGM verstirbt. Eine Metastudie – die ironischerweise ebenfalls in den BMJ-Journals 2014 erschien – untersuchte über drei Millionen Frauen und belegt klar, dass Frauen von dem Moment ihrer Verstümmelung als Kleinkinder, über ihre Sexualität bis hin zu ihrer Schwangerschaft unter gesundheitlichen Problemen leiden. Langzeitkonsequenzen sind laut der Metastudie: Infektionen der Harnwege, bakterielle Vaginose, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Geburtskomplikationen.
Philosophie
Weitere Probleme des Essays sind durch die inkonsistenten und oberflächlichen Verwendungen zentraler Begrifflichkeiten gekennzeichnet. In der Einleitung werden verschiedene Perspektiven auf unterschiedliche "genitale Praktiken" dargelegt und in unzulässiger Weise verglichen, ohne relevante weltanschauliche Hintergründe zu benennen. So macht es beispielsweise sehr große Unterschiede ob ein Mensch bei einem Eingriff erwachsen oder minderjährig ist, sich diesen Eingriff selbst aussucht (Selbstbestimmung) oder ihn aufgebürdet bekommt, ob er Anästhesie erhält oder bei vollem Bewusstsein ist oder ob es sich um ein Piercing handelt oder die Amputation weiter Teile der Vulva. All das ist für die Autoren wenig differenzierungswürdig und hinsichtlich der weltanschaulichen Grundlagen scheinbar irrelevant. Die Ausführungen zu ethisch/moralischen Einordnung der unterschiedlichen Praktiken werden lediglich nebeneinander aufgereiht und hinsichtlich ihrer inneren Plausibilität nicht weiter gewichtet.
So ist die Orientierung an Kinderrechten und körperlicher Autonomie vergleichbar mit nicht näher bezeichneten religiösen Anschauungen. Dies alles dient der Relativierung. Der Relativierung, dass FGM eine einfache Spielart menschlicher Genitalpraktiken seien, die zutiefst missverstanden werde.
Der argumentative Fokus des Essays liegt auf der kulturellen Identität, der Problematisierung von individualistischem Denken bei kollektivistischen Gesellschaften sowie der moralischen Dichotomisierung (die mächtigen Westler, die die armen Afrikaner unterdrücken). Wobei die Punchline jedoch inkonsistent bleibt. Im "Anti-FGM-Gesetz"-Abschnitt berichten die Autoren, dass entsprechende Gesetze den Menschenrechten zuwiderlaufen würden. Menschenrechte – im Sinne der UN-Menschenrechtskonvention – setzen allerdings das Individuum ins Zentrum der Aufmerksamkeit, nicht die soziale Gruppe, was also einen Widerspruch darstellt.
Hinsichtlich der ethisch/moralischen Dichotomisierung verweisen die Autoren auf die aus ihrer Sicht "westliche Erzählung" der FGM, die dazu diene afrikanische Frauen in die "passive Opferrolle" zu pressen, was als hegemoniale Handlung kritisiert wird. Gleichzeitig betonen die Autoren selbst an einigen Stellen des Textes, dass Bewohner des globalen Nordens Macht über den globalen Süden ausüben wollten, um diese zu unterdrücken. Handelt es sich hierbei ebenfalls um eine Form der Viktimisierung? Sind Afrikaner also nun doch Opfer, zu deren Hilfe 26 westliche Forscherinnen und Forscher eilen müssen?
Und was ist mit dem Vorwurf, dass das FGM-Konzept viele unterschiedliche Genitalpraktiken kollektiv verurteilen würde? Die Autoren bleiben der Frage schuldig, welche Praktiken nun verurteilt werden dürfen und welche nicht. Also ab wann Genitalverstümmelung als solche benannt werden darf?
Ein Punkt kann dem Essay jedoch bedenkenlos gegeben werden: Die Frage, warum weibliche Genitalverstümmelung anders eingeordnet wird als männliche. Sicherlich ist die Tragweite der Schädigung in vielen Fällen eine andere, jedoch lässt sich die männliche Zirkumzision durchaus mit Typ 1 der FGM (u.a. Entfernung der Klitorisvorhaut) vergleichen. Die Amputation der Penisvorhaut ist ebenfalls mit medizinischen Risiken und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden und wird tatsächlich auch heute noch weitgehend verharmlost und an religiösen Bedürfnissen dritter relativiert. Warum es sich auch hierbei um eine Körperverletzung handelt, hat das Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) in einer Stellungnahme 2022 überzeugend dargelegt.
Ideologie
Neben den wissenschaftlichen und philosophischen Schwächen des Essays stellt sich nun die Frage, aus welchen Motiven heraus dieses Werk überhaupt entstanden ist. Eine Analyse des Textaufbaus und der grundlegenden Argumentationsführung legt eine woke Weltanschauung der Autoren nahe, die sich auf der Basis postmoderner Überzeugungen entfaltet. Helen Pluckrose und James Lindsay1 beschreiben zwei grundlegende Prinzipien postmoderner Philosophie, die sich grob in vier Themenbereichen aufzeigen lassen: Das erste Prinzip bildet das "postmoderne Wissensprinzip", welches eine Form des radikalen Skeptizismus gegenüber objektivem Wissen und Wahrheiten beschreibt und ein Bekenntnis zum kulturellen Konstruktivismus beinhaltet. Das zweite ist das "politische Prinzip des Postmodernismus", was davon ausgeht, dass die Gesellschaft grundlegend auf Machtsystemen und Hierarchien aufbaut, die bestimmen, was Wahrheit und Wissen ist. Die Themenbereiche sind: "das Verwischen von Grenzen und Begrifflichkeiten", "die Macht der Sprache", "Kulturrelativismus" und die "Ablehnung der Begriffe des Universalen und des Individuellen, zugunsten von Gruppenidentitäten".
Das "postmoderne Wissensprinzip" zeigt sich im Text weniger explizit, wird aber an unterschiedlichen Stellen indirekt deutlich. Zwar wird der "radikale Skeptizismus" als solches nicht benannt, jedoch kommt das Bekenntnis zum kulturellen Konstruktivismus in jenen Textstellen zum Ausdruck, die auf die kulturellen und religiösen Besonderheiten verweisen, die von der westlichen Welt nicht verstanden werden würden, da sie nicht Teil der angesprochenen afrikanischen Kultur wären. In der Einleitung des Textes zeigt sich die kulturell konstruktivistische Haltung durch die zum Teil grotesken Vergleiche der FGM mit anderen genitalen "Praktiken", die moralisch unterschiedlich, aber gleichwertig begründet werden.
Deutlicher zeigt sich das "politische Prinzip des Postmodernismus". An zahlreichen Stellen verweist der Essay auf die konstitutive Macht und das "Überlegenheitsgefühl" das vom globalen Norden ausgehen würde. So gäbe es eine breite Front an Interessensgemeinschaften die entschieden hätten, dass FGM ein Problem wäre, das gelöst werden müsse. Allein schon der Begriff "FGM" sei ein Akt der Machtausübung, der von FGM betroffene Frauen unter Stress stellen würde, da ihre subjektive Realität ja eine andere wäre.
An zahlreichen Stellen im Text entfalten sich schließlich die angesprochenen Themenbereiche des Postmodernismus. "Die Macht der Sprache" wird deutlich anhand der empfindlichen Auseinandersetzung mit dem FGM-Begriff, der zugunsten des "neutraleren" FGP weichen solle, oder des Auslösens eines "Traumas", wenn medizinisches Personal die subjektive gelebte Realität nicht anerkenne. Der "Kulturrelativismus" wird an jenen Stellen deutlich in denen darauf verwiesen wird, dass FGM keine problematische Handlung darstelle und diese lediglich aus westlicher Perspektive fehlinterpretiert werde. Die "Ablehnung des individuellen" zeigt sich ebenfalls über den kompletten Text verteilt, insofern, dass von FGM betroffene Frauen konsequent tribalistisch interpretiert werden. Die "Ablehnung des Universellen" offenbart sich im Essay hingegen uneinheitlich, da einerseits zwar auf das wesentliche Fundament der Gruppenzugehörigkeiten geschlossen, zugleich aber an die Einhaltung von Menschenrechten appelliert wird. Der Themenbereich des "Verwischens von Grenzen und Begrifflichkeiten" deutet sich durch die negativ konnotierte Bezeichnung der Zweigeschlechtlichkeit als "Ideologie" an, die kulturell überformt sei.
Im Vergleich zur eher "nüchtern" einordnenden postmodernen Philosophie unterscheidet sich Wokeness durch ihren aktivistischen und normativen Charakter. Während in der Postmoderne das beschriebene Machtgefüge unterschiedlicher Parteien herausgearbeitet und überbetont wird, formuliert die woke Weltanschauung konkrete moralische Urteile und (politische) Konsequenzen. Die woken Positionen im Essay werden durch das moralische Urteil "Rassismus" durch den globalen Norden und im Kontext "unachtsamer" Gesprächsführung im medizinischen Kontext sehr klar benannt. Zugleich werden ebenfalls klare Konsequenzen gefordert, im dem Sinne, dass der FGM-Begriff aufgrund seiner inhärenten Abwertungen nicht mehr benutzt werden sollte und anti-FGM Kampagnen zurückgefahren werden müssten, da sie auf rassistischer Machtausübung basieren würden.
Fazit
Zu Beginn dieses Textes wurde die Frage gestellt inwiefern der vorliegende Essay mit dem Titel: "Harms of the current global anti-FGM campaign" ein relevantes Problem in der aktuellen Diskussion um FGMs beschreibt. Der Essay wurde hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Güte, begrifflichen Klarheit relevanter Konzepte und seiner ideologischen Fundierung hin analysiert. In den ersten beiden Bereichen konnten grobe Mängel festgestellt werden, die die Gültigkeit des Artikels inhaltlich stark in Zweifel ziehen. Der dritte Bereich gibt zudem Hinweise auf mögliche politische Motivationen der Autoren, die die Argumentationskette des Essays und Auswahl der zugrundeliegenden Quellen beeinflusst haben könnten.
Der Essay relativiert zudem das Leid von Mädchen und Frauen, die Opfer von gewaltsamen Genitalverstümmelungen geworden sind und rechtfertigt reaktionär menschenverachtende Praktiken. Aus den genannten Gründen kann der Essay keine nennenswerten neuen Erkenntnisse zur FGM-Debatte beisteuern. Stattdessen besteht die Gefahr, dass der Erfolg bisheriger FGM-Kampagnen verwässert und wissenschaftliche sowie gesundheitspolitische Akteure zulasten von durch FGM bedrohten Mädchen und Frauen beeinflusst werden.
Wer sich für authentische Erfahrungen von Opfern weiblicher Genitalverstümmelung interessiert, sei an dieser Stelle auf die Autobiografie "Wüstenblume" von Waris Dirie, verwiesen.

1 Pluckrose, H., & Lindsay, J. (2022). Zynische Theorien: Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt – und warum das niemandem nützt. Vol. 6467. C. H. Beck.
Kommentare (45)
Netiquette für Kommentare
Alexander Wolber ist für das
Alexander Wolber ist für das Thema gar nicht kompetent. Warum sucht sich der Humanistische Pressedienst keine echten Expert*innen, wenn er solch ein brisantes Thema behandeln möchte? Das würde auch den betroffenen Frauen helfen.
Haben Sie denn konkrete
Haben Sie denn konkrete Kritikpunkte an Herrn Wolbers Rezension? Man muss nicht unbedingt Experte sein, um über ein bestimmtes Thema zu schreiben - andernfalls wäre so etwas wie Journalismus gar nicht möglich. Wichtig ist, dass man sich vernünftig in ein Thema eingearbeitet hat. Und ich lese in diesem Artikel nichts, was dagegen spräche, dass der Autor das getan hat.
lesen Sie den Original
lesen Sie den Original-Artikel, dann fällt Ihr Resümee anders aus, malte: "Und ich lese in diesem Artikel nichts, was dagegen spräche, dass der Autor das getan hat."
"Harms of the current global anti-FGM campaign", https://jme.bmj.com/content/early/2025/12/14/jme-2025-110961
Das ist ziemlich vage. Sie
Das ist ziemlich vage. Sie müssten schon konkret sagen, in welchen Punkten der Autor Ihrer Meinung nach falsch liegt.
@ malte Nachdem ich den
@ malte Nachdem ich den wissenschaftlichen Original-Artikel "Harms of the current global anti-FGM campaign" gelesen habe – ich vermute im Gegensatz zu Ihnen –, müsste mir schon jemand ganz genau erklären, in welchen Punkten der Autor Alexander Wolber nicht "falsch liegen" sollte. Schon die Überschrift des Artikels ist falsch.
Im Originalartikel wird
Im Originalartikel wird behauptet, dass nicht alle der Autorinnen FGM befürworten würden. Falls das stimmt, wäre die Überschrift tatsächlich nicht ganz treffend, dann sollte man statt von "rechtfertigen" eher von "verharmlosen" oder "relativieren" sprechen. Aber man kann durchaus bezweifeln, ob es stimmt. Am Anfang des Essays wird in Bezug auf die Autorinnen behauptet: "Others believe that religious or customary practices for boys, but not girls, should be allowed." Nur wenige Absätze später heißt es dann aber: "In short, it is unacceptable to single out female-only, primarily African, practices for critique or advocacy."
Das würde ja bedeuten, dass einige der Autorinnen ihre eigene Position für inakzeptabel halten - absurd. Ich könnte mir daher vorstellen, dass der angebliche Meinungspluralismus lediglich eine rhetorische Strategie und vorgeschoben ist. Aber meinetwegen: Die Überschrift hätte man anders formulieren können. Ich persönlich hätte auch auf den Begriff "woke" im weiteren Text verzichtet.
Nun besteht der Text aber aus bedeutend mehr als nur der Überschrift. Und daher frage ich jetzt bereits zum dritten Mal, was da Ihre konkreten Kritikpunkte sind. Eine Frage beantwortet man nämlich nicht mit einer Gegenfrage.
@ malte Wenn Sie richtig
@ malte Wenn Sie richtig zitieren würden, könnte das helfen, aufzudecken, dass Alexander Wolbers Überschrift falsch ist.
Ihre Textfragmente im Zusammenhang, Zitat aus "Harms of the current global anti-FGM campaign“:
"(...) Different moral reasons—for and against these different practices—are also offered to justify certain positions. Some of these reasons focus on contested claims of harm or benefit; others focus on children’s rights, consent and bodily autonomy; still others are grounded in notions of parental decision-making authority and the value of family privacy.5 6
Such debates and disagreements apply even to the present authors. Some of us, for example, are morally opposed to all genital ‘cutting’ practices that are neither strictly voluntary nor medically necessary, irrespective of the person’s sex or gender. Others believe that religious or customary practices for boys, but not girls, should be allowed. Still others maintain it is up to parents to decide what is best for their children, and that the state should refrain from interfering with any culturally significant practices unless they can be shown to involve serious harm.
Despite our diverse disciplinary expertise in anthropology, sociology, psychology, criminology, law, gender studies, medicine and bioethics, we are united by one shared concern. This common ground has inspired us to collaborate across disciplines and perspectives to write this paper. Our primary concern here is to draw attention to the harms that may be caused by the lack of accuracy, objectivity, fairness and balance in public representations of these diverse practices. (...)"
Ja, da steht genau das, was
Ja, da steht genau das, was ich im vorhergehenden Kommentar geschrieben habe: Nicht alle der Autorinnen befürworten FGM, zumindest wird das behauptet.
Aber vor allem kann ich feststellen, dass Sie sich immer noch an der Überschrift aufhängen, was ich seltsam finde, wo doch Ihrer Meinung nach so ziemlich alles an der Rezension falsch sein soll ...
@ malte Alexander Wolbers
@ malte Alexander Wolbers Überschrift ist falsch - wie der Rest seiner Rezension. Die Überschrift ist wichtig, weil sie im Zweifel das einzige ist, was von Leser*innen wahrgenommen und erinnert wird.
Da wir nicht einmal bei der Interpretation der Überschrift übereinstimmen, ist es völlig sinnlos, den Rest des Artikels mit Ihnen zu diskutieren.
Sie müssen noch erläutern, wer Ihrer Anschauung nach überhaupt die FGM befürwortet, bitte mit ausführlichem Zitat.
Ehrlich gesagt kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, wie jemand überhaupt auf die Idee kommen kann, Alexander Wolbers Rezension zu verteidigen. Aus Gewohnheit? Ein Autor des Humanistischen Pressedienstes? Da ist man solidarisch? Egal was kommt?
Wie soll ich das jetzt
Wie soll ich das jetzt verstehen? Ich bin Ihnen doch entgegen gekommen und habe selbst gesagt, dass man die Überschrift anders hätte formulieren können. "Wissenschaftler VERHARMLOSEN weibliche Genitalverstümmelung" wäre wohl treffender.
Dass zumindest einige der Autorinnen FGM befürworten, steht in dem Abschnitt des Originalartikels, den Sie selbst hier zitiert haben: "Still others maintain it is up to parents to decide what is best for their children, and that the state should refrain from interfering with any culturally significant practices unless they can be shown to involve serious harm."
Welche der Autorinnen diese Position alle einnehmen, weiß ich nicht, denn dazu macht der Artikel keine Aussage. Eine davon ist Fuambai Ahmadu - sie ist bekennende Pro-FGM-Aktivistin, die auch eine entsprechende Organisation gegründet hat:
https://archive.nytimes.com/tierneylab.blogs.nytimes.com/2007/11/30/a-new-debate-on-female-circumcision/
https://www.aol.co.uk/articles/attempt-overturn-gambia-ban-fgm-060029998.html
Ich muss wieder feststellen, dass Sie abgesehen von der Überschrift immer noch keinen konkreten Kritikpunkt genannt haben, außer einem vagen "ist doch alles Humbug".
@ malte Der Autor des
@ malte Der Autor des Artikels, Alexander Wolber, schreibt in seinem Kommentar, unten: "In der Tat steht an keiner Stelle des Textes ein klares Plädoyer für FGM, was "rechtfertigen" klassisch implizieren würde."
Ich denke, Alexander Wolber hat die von Ihnen zitierte Textstelle gelesen, ich auf jeden Fall. Was stimmt mit Ihrer Aussage also nicht?
Wie gesagt, ich frage mich, wie Sie Alexander Wolbers Rezension überhaupt verteidigen können. Wie Sie das machen, ist dann noch einmal eine andere Frage.
Ich könnte das jetzt zum
Ich könnte das jetzt zum vierten Mal erklären, aber was sollte das bringen, wenn Sie meine Argumente schon dreimal ignoriert haben? Wenn Herr Wolber und ich Sie nicht überzeugen können, dann vielleicht die taz:
"Auffällig ist die ungewöhnlich hohe Zahl von 26 Verfasser:innen. Das Kollektiv betont dabei seine innere Uneinigkeit. Einige von ihnen lehnten „jedes genitale ‚Cutting‘ ab, das nicht freiwillig oder medizinisch notwendig ist“, während „andere“ der Ansicht seien, dass Eltern über ihre Kinder entscheiden und der Staat sich aus „kulturell bedeutsamen Praxen“ heraushalten solle. Letzteres widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention."
https://taz.de/Debatte-um-Genitalverstuemmelung/!6143691/
An dem Paper sind Personen beteiligt, die FGM befürworten, das können Sie nicht wegdiskutieren.
Ich "verteidige" gar nichts. Ich fand den Artikel lesenswert und hätte gerne gewusst, weshalb Sie das anders sehen. Aber offenbar können oder wollen Sie das nicht sagen. Sie können natürlich gebetsmühlenartig wiederholen, dass der Artikel "falsch" sei, aber wenn Sie dieses Urteil nicht begründen, ist das wenig überzeugend.
@ malte Die von der taz
@ malte Die von der taz lediglich übersetzte Textstelle lautet vollständig so: "Still others maintain it is up to parents to decide what is best for their children, and that the state should refrain from interfering with any culturally significant practices unless they can be shown to involve serious harm."
"unless they can be shown to involve serious harm" wurde von der taz-Übersetzung unterschlagen, ein ganz bedeutender Unterschied. Die vollständige Textstelle hatte ich bereits oben zitiert, siehe: https://hpd.de/artikel/wissenschaftler-rechtfertigen-weibliche-genitalverstuemmelung-rezension-23706#comment-99306
Warum bringe ich das vollständige Zitat? Damit Sie anschließend sinnentstellende Textfragmente wiederholen?
Wenn Alexander Wolbers Rezension peer-reviewed worden wäre, wäre sie niemals veröffentlicht worden.
Sie weichen aus.
Sie weichen aus. Selbstverständlich weiß ich, wie die Textstelle im Original lautet, ich habe sie doch selbst schon wörtlich hier zitiert. Ob die taz den Satz jetzt vollständig oder unvollständig wiedergibt, ist für meinen Punkt erstmal irrelevant. Mein Punkt ist: An dem Paper sind Personen beteiligt, die FGM befürworten. Das ist Fakt. Und Sie haben offenbar Schwierigkeiten, das zu akzeptieren.
Zum Halbsatz "unless they can be shown to involve serious harm". Es ist eine der vielen Schwächen des Originalartikels, dass er sich um die Aussage, welche Praktiken konkret "serious harm" verursachen, herumdrückt. Es wird angedeutet, dass es solche Praktiken gibt, konkretisiert wird nichts. Gleichzeitig wird in "Box 1" gezielt der Eindruck erweckt, bei FGM handele es sich generell um einen relativ harmlosen Eingriff. Die Tatsache, dass alle 12 Minuten ein Mädchen an den Folgen von FGM stirbt, scheint für die Autorinnen kein großes Ding zu sein. Man fragt sich, in welchem Fall denn dann "serious harm" anzuerkennen wäre. Erst, wenn alle 5 Minuten ein Mädchen stirbt? Oder jede Minute? Oder ganz ohne Sarkasmus: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, ein Kind ohne Betäubung und medizinische Notwendigkeit im Intimbereich zu verletzen, könne unter irgendwelchen Umständen etwas anderes sein als "serious harm"?
Die Aussage, der hpd-Artikel wäre nicht durch ein Peer Review gekommen, ist übrigens kein bisschen weniger vage als "das ist alles falsch". Selbstverständlich hätte der Artikel kein Peer Review überstanden, das ist auch gar nicht sein Anspruch. Das ist keine akademische Abhandlung, sondern ein Artikel, der sich an ein breites Publikum richtet. Die Aussage trifft auf jeden mehr oder weniger journalistischen Text zu, ob er nun beim hpd erscheint, in der taz oder in Ihrem örtlichen Käseblatt. Sie trifft übrigens auch auf den Wikipedia-Artikel zu, den Sie hier als Quelle verlinkt haben ;-)
@ malte Ich lese die
@ malte Ich lese die wissenschaftliche Veröffentlichung "Harms of the current global anti-FGM campaign" und Alexander Wolbers Rezension so, als stünden Sie vor Gericht:
ich sage wenig, aber es stimmt, wie Alexander Wolber in einem Punkt bestätigt hat.
Deswegen ist es mir auch nicht egal, wie zitiert wird: Wie gehen Sie mit Texten und Zitaten um? Ob die behaupteten Sachverhalte zutreffen, im Text sicher nachzuweisen sind, interessiert Sie gar nicht?
Wundern Sie sich nicht, wenn ich demnächst nicht mehr auf Ihre Kommentare antworte, sie bringen die Auseinandersetzung nicht weiter.
Nun, das ist hier kaum als
Nun, das ist hier kaum als "Auseinandersetzung" zu bezeichnen, da Sie nie auf meine Argumente eingehen und auch selbst keine bringen. Wir sollten das an dieser Stelle beenden.
@ malte Können Sie bitte noch
@ malte Können Sie bitte noch ganz schnell erläutern, wo Ihre "Argumente" sind? Ich wüßte nicht, worauf ich hätte "eingehen" sollen: auf Ihre wiederholten, sinnentstellende Zitate? Auf Mutmassungen, die durch nichts in der Publikation "Harms of the current global anti-FGM campaign" gerechtfertigt werden?
Liebe Frau Reiter,
Liebe Frau Reiter,
als Autor freue ich mich stets über Perspektivaustausch, der durch meine Texte angeregt wird. Das zeigt mir nämlich, dass die Leser sich damit intensiv beschäftigt haben.
Ich habe verstanden, dass Ihnen eines meiner knapp 3.000 Wörter die Leseerfahrung derart verdorben hat, dass Ihnen einen inhaltliche Auseinandersetzung mit meiner Rezension verwehrt bleibt.
Um das hoffentlich zu ändern, gebe ich Ihnen gerne ein paar Einblicke, wieso ich das Verb "rechtfertigen" verwendet habe:
- es ging mir bei dem Wort weniger darum, dass jeder einzelne Wissenschaftler dieselbe Haltung vertritt, als um die Gesamtaussage des Essays, der von allen Autoren durch ihre Ko-Autorenschaft abgesegnet wurde
- In der Tat steht an keiner Stelle des Textes ein klares Plädoyer für FGM, was "rechtfertigen" klassisch implizieren würde. Dennoch wird FGM aus meiner Sicht nicht einfach "nur" verharmlost. An den Stellen des Essays (z.B. die Ausführungen zum Gesundheitssystem) wird sinngemäß beschrieben, wie FGM überhaupt erst zum Problem wird, nämlich über das westliche "Framing". Bedeutet im Umkehrschluss: gäbe es nicht das Framing wäre FGM, zumindest für einige, etwas ganz normales. Das erfüllt die Kriterien einer indirekten Rechtfertigung (Fokus liegt nicht auf dem Positiven, aber auf der Zurückweisung des vermeintlich Negativen)
- Indirekte Rechtfertigung liest sich im Titel nicht sonderlich klar
- Titel haben zudem viele Funktionen. Für mich ist es wichtig, dass ein guter Titel Interesse weckt und einen Eindruck vom Inhalt gibt. Was er nicht soll ist den kompletten Text widerspiegeln - das kann ein Titel auch nicht leisten.
Ich hoffe ich konnte ein wenig darlegen, was meine Beweggründe für den Titel waren. Auch wenn Sie anderer Auffassung sind, hoffe ich Ihnen dabei geholfen zu haben, sich auch dem Inhalt zu widmen. Es wäre sehr schade um die Zeit die ich dafür investiert habe, wenn Sie schon beim zweiten Wort aussteigen.
@ Alexander Wolber, Zitat:
@ Alexander Wolber, Zitat: "In der Tat steht an keiner Stelle des Textes ein klares Plädoyer für FGM, was "rechtfertigen" klassisch implizieren würde. (...)"
Der Rest Ihrer Rezension ist ebenso falsch, wie ich schon oben schrieb.
Wer sind denn diese "echten"
Wer sind denn diese "echten" Expert*innen?
Der Ethikunterricht der 7. Klasse Hauptschule lehrt eigentlich alles, was man wissen muss um diese Praktiken korrekt einordnen zu können.
Die Blickrichtung, die diese
Die Blickrichtung, die diese 26 köpfige "Expertengruppe" einnimmt empfinde ich als geradezu schockierend. Millionen Frauen leiden lebenslang unter einer Beschneidung, der sie nicht eingewilligt haben. Das Prinzip der Selbstbestimmung wird zugunsten von "kulturellen und religiösen Besonderheiten" geopfert. Mit so einer Sichtweise lasssen sich selbst die Menschenopfer der Atzteken rechtfertigen.
Fazit: ein guter und wichtiger Artikel der Autorin. Und er sollte auch ein Anstoß sein, die in Deutschland zugelassenen männliche Genitalverstümmelung, die in Deutschland den eigentlich strafrechtlichen Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, aber durch den § 1631d BGB erlaubt wird, stärker anzuprangern.
Was gibt es bloß für perverse
Was gibt es bloß für perverse "Wissenschaftler"! Jede Form der weiblichen und männlichen Verstümmelungen an Kindern und Jugendlichen muss sofort beendet werden . Punkt.
Der diskutierte Essay
Der diskutierte Essay überzeugt mich nicht - weder durch seine Argumente noch durch das, was er ausblendet. Unabhängig von kulturtheoretischen, utilitaristischen oder harm-reduction-Überlegungen gibt es in der Medizinethik eine vorgelagerte und weltweit anerkannte Norm: Nach den ethischen Grundsätzen der ärztlichen Weltgemeinschaft (u. a. Nicht-Schadens-Prinzip, Autonomie, medizinische Indikation) sind medizinisch nicht indizierte, irreversible Eingriffe am Körper nicht einwilligungsfähiger Menschen unzulässig. Punkt.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Essay argumentativ überfrachtet und teilweise widersprüchlich, weil er versucht, eine klare ärztlich-ethische Verbotsnorm in eine abwägbare kulturpolitische Frage umzudeuten. Dass ein solches Argumentationsmuster im Journal for Medical Ethics erscheint, überrascht nicht völlig – das Journal veröffentlicht seit Jahren bewusst kontroverse Beiträge, auch zu Fragen von Geschlecht und Körpernormen. Problematisch wird es jedoch dort, wo Provokation die normative Klarheit der medizinischen Ethik verwässert.
Diskurs ja – aber nicht um den Preis, dass fundamentale Prinzipien ärztlichen Handelns relativiert werden.
Vielen Dank für den Kommetar
Vielen Dank für den Kommetar - ich stimme zu! Ein Klassiker wären hier die "vier medizinethischen Prinzipien" von Beauchamp und Childress, die meines Wissens nach überall gelehrt werden und ihre Stärken in der Pragmatik und Allgemeinverständlichkeit entfalten.
So wie ich die Argumentationsstrategie der Autoren verstehe, wäre dieses Argument aus mindestens zwei Gründen nicht gültig:
1. Es geht ja eben nicht "nur" um medizinische Überlegungen, sondern um traditionsreiche Kultur
2. Die genannten und allgemein anerkannten Prinzipien stammen ebenfalls wieder aus westlicher Feder und sind potenziell Teil einer hegemonialen Herrschaftkultur
Das ist leider die Abkehr vom Universalismus.
@ Udo Endruscheit Mit "Punkt"
@ Udo Endruscheit Mit "Punkt" ist eben nicht getan: es gibt sie, die FGM, wohl viel häufiger, als Europäer*innen es vermuten: "Prevalence of female genital mutilation", https://en.wikipedia.org/wiki/Prevalence_of_female_genital_mutilation
Da stellt sich die Frage, wie mit FGM - angemessen - umzugehen ist: indem man abstrakte Prinzipien um jeden Preis anwendet, oder versucht, Menschen zu helfen?
Selbstverständlich bin ich als Europäerin strikt gegen FGM, aber auch gegen so etwas, Zitat aus "Harms of the current global anti-FGM campaign": "There are many accounts of women whose self-esteem plummeted after hearing negative comments about the practice, testifying to damaging effects of the anti-FGM discourse to women’s sense of self and self-esteem."
Wollen Sie Frauen sagen, dass Sie gar keine richtigen Frauen mehr sind, da "verstümmelt"? Ich würde das nicht tun.
Wieso äussern Sie sich nicht zur Rezension von Alexander Wolber? Meines Erachtens schadet Alexander Wolber massiv einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit FGM.
Tradition rechtfertigt keine
Tradition rechtfertigt keine Handlung, Tradition war es auch Menschen zu opfern und Sklaven zu halten. Kinder haben das Recht, unversehrt ins Erwachsenenalter geleitet zu werden. Dort angekommen, haben sie alle Freiheiten, über ihren Körper selbst zu bestimmen.
Die Beschneidung von Buben und Mädchen muss als schwerwiegende Verletzung betrachtet werden, die nicht nur körperliche, sondern lebenslängliche Spuren in der Psyche hinterlässt.
Lieber Roland deinem
Lieber Roland deinem Kommentar kann ich nur zustimmen, es ist im 21. Jahrhundert eine Schande, daß derartige Praktiken noch relevant sind und nur der Macht von religiösen Verbrechern dient, wir leben aber nicht mehr im Mittelalter und sollten derartige Zustände nicht mehr tolerieren.
Guter Artikel! Ein
Guter Artikel! Ein Kardinalfehler, den Kulturrelativisten machen ist, dass sie die gesellschaftliche Entwicklung außer Acht lassen. Das machen sie natürlich auch im rezensiert Essay. Es ist nicht so, dass die westlichen und die afrikanischen Gesellschaften einfach sind, wie sie sind.
Europäer waren früher ebenfalls voll in ihr Kollektiv eingebunden. Das Individuum wurde seit Beginn der Aufklärung erst ganz langsam entdeckt. Auch heute ist dieser Prozess noch nicht vollständig abgeschlossen. Afrika ist ebenfalls keine homogene Masse. Dort gibt es riesige Unterschiede zwischen abgelegenen Dörfern und Großstädten, in denen die Individualisierung schon viel weiter fortgeschritten ist.
Individualismus ist insofern keine westliche Ideologie und Kollektivismus kein spezifisches Merkmal von Afrika. Als Humanist würde ich genau diese Entwicklung bei der Kritik hervorheben.
Hexen zu verbrennen war auch
Hexen zu verbrennen war auch mal Teil der europäischen Kultur.
Ist Kultur "heilig"?
Muss Kultur auf immer und ewig unverändert bleiben?
Dürfen die Bayern nie aus den Lederhosen heraus?
Meiner Ansicht nach geht es darum, Herrschaftverhältnisse zu schützen, indem man sie als "Kultur" ausgibt und adelt.
Patriarchalische Kultur for ever! Die Linken (m/W/d) wollen unbedingt das islamische Patriarchat erhalten! Und kommen sich dabei mächtig modern vor.....
So kann man es auch sehen.
So kann man es auch sehen. Quasi ein "Nichteinmischungsgebot". Die Intention dahinter ist vielleicht Star Trek, in der Praxis läuft es aber auf "Ethnopluralismus von Links" hinaus.
Schade, dass Frau Martina
Schade, dass Frau Martina Reiter nicht mitteilt, welche AutorIn kompetenter als Herr Wolber bei diesem Thema sein soll. Wer sich den Artikel mal ansehen möchte, gebe bei Google "PubMed" ein und rufe die Webseite auf; dann kopiert man den Titel der Arbeit ins Suchfeld; und schon kann man ihn frei herunter laden.
Ich unterstütze Terre des Femmes und werde denen den Link zu dem m.E. doch recht überzeugenden Beitrag von Herrn Wolber (vielen Dank für diese sehr ausführliche Befassung!!) zukommen lassen.
Christian Walther, Marburg
Es macht mich jedes Mal
Es macht mich jedes Mal sprach- und fassungslos, wenn selbsternannte "kluge Köpfe" als Betreiber oder Opfer einer vermeintlich modernen (in Wahrheit prämodernen) Ideologie eben auf Basis dieser Ideologie vollkommen das aus dem Augen verlieren, was sie vorgeben schützen zu wollen: den Menschen!
Denn das tun sie nicht! Sie schützen nur die Ideologie, sie frieren jeglichen Fortschritt ein, weil sie Fortschritt für Teufelszeug halten und Erkenntnis für "westliche Propaganda". Aber ist das wirklich so schwer zu begreifen, dass sich Kultur weiterentwickelt? Dass wir uns aus dem Tribalismus herausentwickelt haben, mühsam herausentwickelt, um zu lernen, dass jeder Mensch ein Individuum ist?
Das hat nichts mit "Westlichkeit", sondern mit Menschlichkeit zu tun. Freiheit würde zum hohlen Begriff, wenn sie nicht einschließe, dass sich Menschen im fairen Miteinander frei entwickeln dürfen, d. h. auch frei von kultureller Bevormundung, frei von körperlicher Markierung, die eine Gruppenzugehörigkeit ins Fleisch schneidet. Selbst die Taufe ist in diesem Zusammenhang abzulehnen, da sie einen unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeit darstellt, wenn auch ohne körperliche Schäden.
Wir sollten uns hin bewegen zu einer offenen Gesellschaft, in der sich der Mensch nach seinen Möglichkeiten und Neigungen entwickeln darf (sofern diese nicht genutzt werden, anderen zu schaden) und nicht in ein wie auch immer geartetes Korsett gepresst wird, dem er sich anzupassen hat. Erst mit der Aufklärung und dem mühsamen Weg zum Individuum konnten wir echte Fortschritte machen, WEIL Menschen ihr Potential ausschöpfen durften und nicht länger in einem Stammesgefängnis schmachten mussten...
Ihren Kommentar kann ich nur
Ihren Kommentar kann ich nur zustimmen, dieser zeigt das Problem der Vernunft deutlich auf und sollte zum nachdenken anregen welchen Weg die Menschheit in der Zukunft gehen sollte, wir haben es alle in der Hand die richtige Richtung zu gehen, es bedarf nur den Willen
aus der jetzigen Welt eine bessere zu machen.
Waris Dirie kann auch über
Waris Dirie kann auch über authentische Erfahrungen mit der Genitalverstümmelung ihres Sohnes berichten. Ansprechen darauf darf man sie leider nicht. Das hat sie nicht gern.
Fuambai Ahmadu, die als
Fuambai Ahmadu, die als Erstautorin des Essays aufgeführt wird, ist schon seit vielen Jahren eine Verfechterin der These, dass FGM nichts Schlechtes für Frauen sei. Sie hat sich als Erwachsene selbst dieser Prozedur unterzogen. Es gibt dazu einen Artikel der NYT von 2007, in welchem sie die traditionelle Genitalverstümmelung verteidigt.
"A New Debate on Female Circumcision"
https://archive.nytimes.com/tierneylab.blogs.nytimes.com/2007/11/30/a-new-debate-on-female-circumcision/
Die Philosophin Kathleen Stock hat ebenfalls die frauenverachtende Botschaft des Essays hinterfragt in einen Artikel auf UnHerd.
"There’s no silver lining to FGM
Cultural relativism is an ethical abyss"
https://archive.ph/3RnLu
Anbei eine kurze Anmerkung
Anbei eine kurze Anmerkung bzgl. der Vergleichbarkeit zwischen männlicher und weiblicher Beschneidung: Die Entfernung der Penisvorhaut ist nicht direkt vergleichbar mit der Entfernung der Klitorisvorhaut. Aufgrund der gegensätzlichen Verteilung der spezialisierten Nervenendigungen von Penis und Klitoris entspricht die Entfernung der Penisvorhaut eher der Entfernung der Klitoriseichel.
Das ist richtig!
Das ist richtig!
Doch haben beide Vorhäute auch eine Schutzfunktion, da sie beide Eicheln vor Abstumpfung und Verhornung bewahren. Diese Abstumpfung/Verhornung ist das ursprüngliche Ziel von MGM und FGM, denn es macht Sex für die Betroffenen "unattraktiver".
Das hat schon Moses Maimonides der Nachwelt hinterlassen, dass die jüdische Beschneidung dazu diene, dass der Mann "nicht so oft Lust hat".
Und im 19. Jh. hat - völlig säkular - John Harvey Kellogg, der Erfinder der Kellogg's Flakes", für Jungs zur MGM geraten und für Mädchen, die Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure zu beträufeln, damit beide die Lust an der Masturbation verlieren.
Es ist der sexualfeindliche Aspekt - einmal religiös, das andere Mal "medizinisch" begründet -, der diese Formen der Genitalverstümmelung hervorbrachte. Und bis heute haben gerade religiöse Kreise die größten Probleme, mit Sexualität auf natürliche Weise umzugehen...
Warum wohl? weil jeder der
Warum wohl? weil jeder der Priester wird von Haus aus einen verklemmte Ansicht zu Sexualität hat und nicht weis wie er damit umgehen soll, dies lässt Abartigkeiten in alle Richtungen zu, deshalb sind die Verfehlungen von Priestern derartig häufig zu konstatieren.
Interessanter Aspekt: Die
Interessanter Aspekt: Die Beweggründe für die Beschneidung der Penisvorhaut haben sich im Vergleich zur sexualitätsfeindlichen Motivation, die Sie beschrieben haben, völlig ins Gegenteil verkehrt: Erstens ist die Beschneidung - man werfe einen Blick in entsprechende Sexportale - ein ästhetisches Qualitätsmerkmal, mit dem geworben wird oder das explizit eingefordert wird (Groß, schwarz, beschnitten. Besser geht's nicht). Zweitens ist die Abstumpfung ein willkommener Effekt, da sie den vorzeitigen Samenerguss verhindert und so zu einem längeren Genuss für beide Partner führt.
Über den Genuss kann man
Über den Genuss kann man streiten. Es gibt nicht wenige Frauen, die ihre Probleme mit "härter und länger" haben. Das ist auch nur Teil einer Macho-Kultur, die Dauer und Intensität des Sexualaktes über Empfindsamkeit und Zärtlichkeit stellen.
Ein ehemaliger Pornostar hat sich im Erwachsenenalter genital verstümmeln lassen, nachdem er bereits Erfahrungen mit Vorhaut sammeln durfte. Er dachte auch, das macht ihn attraktiver und besser für (amerikanische) Pornos geeignet. Er hat öffentlich die Entscheidung für die MGM verflucht. Sein Empfinden "dabei" sei wesentlich eingeschränkter.
Der Punkt ist, dass oft im Knabenalter verstümmelt wird, wo noch keine sexuellen Erfahrungen gesammelt werden konnten, sodass der Vergleich fehlt.
Aber die standardisierte Vorhautamputation in den USA ist auf dem Rückzug. Und in osteuropäischen Pornos sieht man sowieso niemanden beschnitten.
Fazit: Die MGM erfüllt nach wie vor den ursprünglichen Zweck, nur dass es bei bestimmten Berufsgruppen zu einem längeren "Durchhaltevermögen führt", aber definitiv zu einer Gefühlsminderung. Das ist biologisch auch einfach zu erklären. Sie die Nervenenden futsch, können sie kein Signal mehr senden. Pech!
Schade, ganz unabhängig von
Schade, ganz unabhängig von der Kritik am postmodernen Denken des wissenschaftlichen Artikels, finde ich den Punkt der Ähnlichkeit zwischen manchen FGM-Formen und Schönheitsoperationen im Westen (z. B. Zurückschneiden der Schamlippen um eine möglichst "kindliche"/"reine" Vulva zu erzeugen) schon sehr spannend! Die Frage ist ja, ob man daraus nicht einen anderen Schluss ziehen sollte. Also nicht FGM ist nicht schlimm, denn westliche Frauen tun das auch, sondern eher - sehr überspitzt formuliert -: während Frauen im Globalen Süden zu diesen Eingriffen unter unwürdigen Bedingungen gezwungen werden, machen Frauen im Globalen Norden dank patriachialer Schönheitsnormen, die sich an einer angeblich "reinen Vulva" orientieren, und Chirurgen, die gut mitverdienen, zunehmend unter sicheren Bedingungen "freiwillig".
Schade, der Artikel verpasst es leider aufzuzeigen, dass wir auch im Westen längst noch nicht so weit sind wie wir manchmal denken. Aber nur weil man sich das eingesteht, heißt das natürlich nicht, dass man FGM im globalen Süden nicht trotzdem kritisieren und dagegen arbeiten sollte.
Es geht nicht um
Es geht nicht um Ähnlichkeiten von OPs, sondern um deren Zweck und deren Rahmenbedingungen.
Zum einen ist die Schamlippen-OP (die ich mir als Mann nie gewünscht habe, die sich aber - wie ich weiß - Frauen wünschen, warum auch immer) etwas anderes als die Entfernung der Klitorisvorhaut oder gar der Klitoris selbst, bzw. das Vernähen der Schamlippen. Hier können die äußeren Umstände der OP ("Glasscherbe" vs. Klinik) zunächst außer Acht gelassen werden.
Es ist jedoch vor allem die Motivation der OPs, die zu Bedenken geben sollte. Im Fall der "Schönheits-OPs" ist es ein kosmetischer Eingriff, den sich offenbar Frauen wünschen, sicher auch Männer, aber Frauen könnten einfach "nein" sagen. Im Fall der FGM ist es kultureller Zwang mit der Androhung des Ausstoßes aus der Gemeinschaft, falls die Frau sich verweigert.
Aber auch die juristischen Aspekte verdienen Beachtung: Die "Schönheits-OPs" werden nur an volljährigen Frauen von versierten Ärzten unter Klinikbedingungen durchgeführt, wenn die Frau zustimmt (Einwilligungserklärung). Die FGM wird oft an Kindern oder Minderjährigen vollzogen, ohne Einwilligung, sicher sogar gegen den Willen der Kinder, denn niemand lässt sich schon gerne "dort unten" herumfummeln.
Auch das Ziel der jeweiligen OPs liegt diametral auseinander: Im einen Fall ist das Ziel eine angebliche Verschönerung, hin und wieder mögen auch Nachteile zu großer Labien ausgeglichen werden, um für den Sex attraktiver zu sein, während im Fall der FGM ausschließlich ein patriarchalischer Kontrollwahn das bestimmende Motiv ist: Frauen sollen keinen Spaß am Sex haben, weil sie ja fremdgehen könnten. Ähnlich dem mitteleuropäischen Keuschheitsgürtel. Frauen sollen in dieser Vorstellung nur als Gebärmaschinen funktionieren, ohne eigene Bedürfnisse.
Insofern vergleicht man Äpfel mit Birnen, wenn man auch nur versucht, "Schönheits-OPs" mit FGM zu vergleichen...
Haarsträubend dieser Versuch
Haarsträubend dieser Versuch der Rechtfertigung der weiblichen Genitalverstümmelung! Will man uns auf den Arm nehmen mit einem Essay, das von einer schlechten KI geschrieben wurde? Zum Beispiel fehlt es u.a. auch an jeglichen glaubhaften Belegen der betreffenden angeblichen Eingriffe, die hier von westlichen Frauen vorgenommenen werden/wurden. Wer und wo lässt sich Frau hier freiwillig und ohne medizinische Indikation verstümmeln?
Kann man die Menschen nicht
Kann man die Menschen nicht einfach in Ruhe lassen so wie sie geboren sind? alles andere ist pervers und macht letztendlich nur Probleme.
Danke für Ihren Artikel und
Danke für Ihren Artikel und die ruhig-analytische Art der Auseinandersetzung. Die besprochene Publikation liegt bei mir im Giftschrank der Wissenschaft und ich ringe damit, seitdem ich darauf via Twitter/X aufmerksam gemacht wurde, wie man damit umgehen soll, ohne sich emotional zu verausgaben – Ihr Artikel hilft dabei.
Die besprochene Publikation sollte als mahnendes Beispiel dafür dienen, wie man mit einer vermeintlich wissenschaftlich-philosophischen Methode (hier eher pseudo-wissenschaftlicher Methode) unethischen Positionen einen Akzeptanzgrad verleiht, der ihnen absolut verwehrt werden muss.
Wenn das Journal ein Peer-Review-Mechanismus etabliert hat, dann hat dieser hier ganz klar versagt. Diese Publikationen erfüllt keinen wissenschaftlichen Standard.