Seine Bücher standen auf dem vatikanischen Index

Émile Zola

* 2. April 1840 in Paris, Δ 29. September 1902 in Paris;
französischer Schriftsteller und Journalist. Er ist einer der wichtigsten Repräsentanten des naturalistischen Romans in der europäischen Literaturgeschichte.

 

Sein Name ist aber auch mit seinem Engagement in der Dreyfus-Affäre verbunden. Sein Eintreten in dieser Angelegenheit markiert die Geburtsstunde des modernen Intellektuellen, der sich kritisch und an der Sache orientiert ins Gegenwartsgeschehen einmischt.

Nachdem er das Abitur nicht bestanden hat, lebt Zola eine Weile in großer Armut. Auf die in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen vom Leben der Armen greift er in seiner schriftstellerischen Arbeit später immer wieder zurück. Ab Mitte der 1860er Jahre kann er vom Ertrag seiner Schriftstellerei leben. Zola verfolgte das Ziel, naturwissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse in der Literatur fruchtbar zu machen. Er bezog sich auf die positivistische Philosophie und neue naturwissenschaftliche Theorien. Für die Figuren seiner Romane gibt es trotz heroischer Anstrengungen kein Entrinnen aus ihrem sozialen Milieu und ihrer erblichen Veranlagung.

Realitätsversessen und drastisch schildert Zola die Nachtseiten des bürgerlichen Lebens mit Kriminalität, Prostitution, Erbkrankheiten und des Elend des Industrieproletariats, des Kleinbürgertums und der aus der Gesellschaft Ausgestoßenen. Zolas Werk zeichnet sich durch die detailgenaue Schilderung der Wirklichkeit aus, die den Journalisten hinter dem Schriftsteller erkennen lässt. Im Kontrast zur naturalistischen Programmatik steht die metaphorische Aufladung seiner sprachlichen Bilder. Zu den bekanntesten zählt der legendäre „Bauch von Paris”, der das Hallenviertel als ein alles verschlingendes Monster zeichnet; oder die Lokomotive in „Das Tier im Menschen”, die als ein mythisches Ungeheuer erscheint. Obwohl die Technik und ihre bedrohlichen Folgen für die moderne Zivilisation zu Zolas Zeit in ihrer Gesamtheit noch kaum abzuschätzen waren, werden sie hier bereits eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Schon früh bezog Zola Stellung zugunsten von Alfred Dreyfus, des jüdischen Hauptmanns in der französischen Armee, der unschuldig des Landesverrats angeklagt worden war. Diese Affäre spaltete das Land in ein progressives, linkes Lager und ein konservatives, rechtes, das zugleich militant nationalistisch und antisemitisch war. In seinem offenen Brief „J'accuse”(„Ich klage an”) an den Präsidenten der Republik deckte er die unlauteren Machenschaften auf, die den Prozess begleitet hatten. Daraufhin wird er wegen Beleidigung der Armee zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Verhaftung entzieht er sich durch Flucht nach England. Als der Prozess gegen Dreyfus 1899 wieder aufgenommen wird kehrt Zola nach Frankreich zurück. Die Rehabilitierung von Dreyfus im Jahr 1906, an der er erheblichen Anteil hat, erlebt Zola nicht mehr. Es gibt Vermutungen, dass sein Tod durch eine Rauchvergiftung in seiner Pariser Wohnung zu Beginn der Heizperiode 1902 das Werk eines nationalistischen Ofensetzers war, der bei der Reparatur einen absichtlichen Fehler machte.

1908 wird Zolas Leichnam ins Panthéon, der nationalen Gedenkstätte für bedeutende Franzosen, überführt.

Zola war strikt antiklerikal eingestellt, seine Bücher standen seit 1894 auf den vatikanischen Index.

Zitat:
„Der lahme Katholizismus schleppt sich hinter dem blauen Himmel der alten Glaubensüberlieferung dahin ... der melancholische Ausklang eines Zeitalters, das ins Grab steigt.”