Klarheit und Differenziertheit des Denkens

René Descartes

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Portrait von Frans Hals, 1648

* 31. März 1596 in La Haye/Touraine, Frankreich; Δ 11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden;
französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.

Er wurde früh als Internatsschüler auf ein Jesuitenkolleg geschickt. Dort erhielt er neben einer klassischen auch eine mathematische Ausbildung. Descartes studierte danach Jura und legte 1616 ein Examen ab. Er wurde aber kein Jurist, sondern ging an eine Pariser Académie für junge Adelige, um sich im Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen ausbilden zu lassen. Im gleichen Jahr bot er dem Feldherrn Moritz von Nassau seine Dienste im Heer an. In dieser Zeit wurde durch den Naturforscher Isaac Beeckman sein Interesse an Physik geweckte. Unter dem Einfluss der erworbenen Kenntnisse der Astronomen Brahe und Kepler, entwickelte Descartes die Idee einer „universalen Methode zur Erforschung der Wahrheit”. Er wollte dazu nur selbst gefundene und bekannte Erkenntnisse verwenden, die er auf ihre Plausibilität und Logik überprüft hat. Descartes begann die Arbeit an den „Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft”.

1630 zog Descartes in die Niederlande, um freier und unabhängiger arbeiten zu können. Er arbeitete an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen klaren und zwingenden Gottesbeweis erbringen wollte. 1637 publizierte Descartes in Holland anonym seine „Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung”. Dieses populärwissenschaftliche Werk auf hohem Niveau, wurde Descartes' wirksamstes Buch.

Hauptsächlich ging es um eine Erkenntnistheorie, die nur durch eigene Analyse Bewiesenes als richtig akzeptiert, eine Ethik, in der sich das Individuum pflichtbewusst und moralisch zu verhalten hat, eine Metaphysik, die zwar die Existenz eines Schöpfers annimmt, aber Kirche als Institutionen wenig Raum lässt, eine Physik, die durch allgemein gültige Gesetze geregelt wird und dem Menschen ihre rationale Erklärung und Beherrschung ermöglicht.

Die nachfolgend erschienenen Schriften („Meditationen über die Erste Philosophie” und „Grundlagen der Philosophie”) sorgten immer wieder für Diskussionen und Anfeindungen. Sein Hauptwerk widmete Descartes eigentlich der theologischen Fakultät der Pariser Universität, um der Religion einen Dienst zu erweisen. Die Religiösen sahen dies anders und setzten seine Schriften auf den Index. Aber auch von protestantischer und staatlicher Seite wurde er verdammt. In den „Grundlagen” behandelt Descartes nicht nur emotionale Reflexe, wie die Angst, sondern auch spontane Gefühlsregungen, wie Liebe und Hass. Er interpretiert die Leidenschaften als natürliche mentale Eigenschaft des Menschen, die aber durch den Willen kontrollierbar und durch vernünftige Regungen überwindbar seien. Das Bewusstsein war für ihn die wichtigste Eigenschaft des Menschen, denn sie unterscheidet den Menschen von den Tieren und von der Maschine. René Descartes war durchaus religiös; seine Aufteilung des Menschen in einen mechanisch funktionierenden Organismus und eine Seele ist wohl sein bekanntester und auch meistkritisierter Denkansatz geblieben. Ein Beispiel für seine Art, streng logisch zu folgern und die Anzahl der Voraussetzungen für die Folgerungen möglichst klein zu halten ist der Universelle Zweifel, was für ihn die Existenz des Bewusstseins beweist. Diese Erkenntnis bildet eine der Voraussetzungen für seinen Gottesbeweis.

Descartes beeinflusste die Philosophie bis in die Gegenwart hinein, weil er Klarheit und Differenziertheit des Denkens zum obersten Prinzip erhob. Descartes gilt als Begründer der modernen Philosophie. Diese soll der Wissenschaft eine gesicherte Grundlage schaffen. Das könne nur auf streng logische Weise passieren, ohne auf einen religiösen Glauben zu verweisen. Descartes wollte die Philosophie zu einer Art Universalmathematik machen, in der aus einfachsten Grundbegriffen alles andere abgeleitet wird.

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