Zur kulturellen Vielfalt in Deutschland

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Plenum / Foto: Ortrun E. Lenz

KASSEL. (hpd/dfw) Auf der Hauptversammlung des Dachverbands Freier Weltanschauungsgemeinschaften in Kassel, haben die Delegierten eine Resolution zur aktuellen Diskussion um die angebliche Leitkultur Deutschlands diskutiert und verabschiedet.

Zur kulturellen Vielfalt in Deutschland

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) ist schon sehr erstaunt über die Diskussion in Deutschland, angefacht von höchsten Repräsentanten des Staates, die der Bevölkerung vermitteln wollen, dass unser Gemeinwesen auf der christlich/jüdischen Tradition fußt, zu der nun auch noch der Islam gehört.

Basis unseres heutigen Verfassungsstaates ist nicht die christlich/jüdische und islamische Tradition, sondern die europäisch humanistische Tradition der Aufklärung manifestiert in der Französischen Revolution.

In der Präambel zum EU-Verfassungsvertrag heißt es daher: „...schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem sich die unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben...“! Die Menschenrechte und deren Gültigkeit sind gegen den Widerstand der Kirchen von der europäischen Aufklärung vorbereitet und angestoßen von Thomas Paine und von Olympe de Gouges im Rahmen der Französischen Revolution 1789 und 1791 in Europa festgeschrieben worden.

Integration auf religiösen Traditionen mit Absolutheitsanspruch basieren zu lassen ist unmöglich (siehe Berliner Erklärung der Steuerungsgruppe des Bundesforums Familie zur werteorientierten Erziehung vom
25.11.2008).

Integration verschiedener Gruppen lässt sich nur auf der gemeinsamen Anerkennung der Menschenrechte betreiben, die von den Aufnehmenden und Zuwandernden anerkannt werden müssen. Frei und friedlich zusammenleben und die Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Lebenden zu praktizieren, ist der Kern der Integration. Die Integrationspolitik Deutschlands hat sich regional sehr unterschiedlich entwickelt mit positiven und negativen Beispielen.

Wenn die positiven Effekte unterstützt werden sollen, haben unsere Universitäten den Auftrag, die europäische Geistesgeschichte und die Naturwissenschaften zu lehren und nicht Imame und Theologen auszubilden! An den Schulen ist ein integrativer Werteunterricht einzuführen, der zur Weltbürgerlichkeit erzieht und den Zielen des Millenniumsgipfels der UNO verpflichtet ist. Das ist letztlich die Konsequenz der Menschenrechte, die blutig erkämpft werden mussten gegen Thron und Altar und weiter verteidigt werden müssen.

Beschluss der DFW HV am 23.10.2010 in Kassel