Ein "Leben für die Zukunft": UNESCO - Direktor

Sir Julian Sorell Huxley

* 22. Juni 1887 in London; Δ 14. Februar 1975 in London;
englischer Evolutionsbiologe, Philosoph, Humanist und Schriftsteller.

Er entstammte der berühmten Huxley-Familie: Sein Großvater Thomas Huxley war einer der wichtigsten Gefährten Darwins (noch vor diesem belegte T. H. Huxley die gemeinsame Abstammung von Mensch und Affe, u. a. prägte er auch den Begriff des „Agnostizismus“). Julians Bruder Aldous war Autor u. a. des Science-fiction-Klassikers „Brave New World“, sein Halbbruder Andrew gewann 1963 den Nobelpreis für Physiologie/Medizin.

Julian Huxleys frühe Verhaltensbeobachtungen an Seetauchern und Reihern waren grundlegend für die Entwicklung der Ethologie (Tierverhaltensforschung). Mit seinem Werk „Evolution: the Modern Synthesis“ avancierte er zu einem der bedeutendsten Wegbereiter der modernen, „synthetischen“ Evolutionstheorie, die Darwins Selektionstheorie mit den Erkenntnissen der Genetik verbindet.

In den frühen 1960er Jahren prognostizierte Huxley, dass im Jahr 2000 sechs Milliarden Menschen auf der Erde leben würden – womit er sich nur knapp verschätzte: Die UN gaben den 12. Oktober 1999 als den Tag an, an dem die Menschheit die 6-Milliarden-Grenze überschritt. Obgleich Huxley wie viele andere Biologen seiner Generation eine zeitlang für eugenische Konzepte eintrat, war er stets ein entschiedener Gegner des Rassismus und trug mit seinen Arbeiten Entscheidendes dazu bei, dass der Begriff „Rasse“ nicht nur als politisches, sondern in Bezug auf den Menschen auch als wissenschaftliches Konzept später ganz fallen gelassen wurde.

Trotz immer wieder auftretender Depressionen (nicht nur ungewöhnliches Talent, sondern auch eine starke Neigung zu Depression traten in der Huxley-Familie gehäuft auf) war Julian Huxley auch außerhalb der wissenschaftlichen Forschergemeinde sehr aktiv. Er war einer der Mitbegründer des WWF (World Wildlife Fund), Präsident des Gründungskongresses der IHEU (International Humanist and Ethical Union) sowie mit Albert Einstein, John Dewey und Thomas Mann Gründungsbeirat der First Humanist Society of New York.

Huxley spielte nach dem 2. Weltkrieg eine bedeutende Rolle bei der Gründung der UNESCO, die er von 1946 bis 1948 auch als deren erster Generaldirektor leitete. 1964 erschien in Deutschland die Aufsatzsammlung „Der evolutionäre Humanismus“, in der Huxley seine wissenschaftlichen Erkenntnisse mit seinen humanistischen philosophischen und politischen Überzeugungen verknüpfte. Dabei trat er in aller Entschiedenheit für eine naturalistische und zugleich humanistische Sichtweise ein und sparte auch nicht an scharfer Kritik an den traditionellen Religionen und politischen Ideologien. Vierzig Jahre später nahm die Giordano Bruno Stiftung diese Gedankengänge wieder auf.

Kurz vor seinem Tod veröffentlichte Julian Huxley seine Memoiren, die in der englischen Originalausgabe schlicht „Memories“ betitelt waren. In Deutschland wurden sie mit dem bombastischeren Titel „Ein Leben für die Zukunft“ publiziert - etwas pathetisch sicherlich, aber in diesem speziellen Fall wohl nicht einmal übertrieben.

Zitat:

„Der evolutionär denkende Mensch kann nicht mehr Schutz vor der Einsamkeit suchen, indem er sich in die Arme einer zum Gott erhobenen – von ihm selbst geschaffenen – Vatergestalt flüchtet; (…) nichts entbindet ihn von der mühevollen Aufgabe, sich den Problemen der Gegenwart zu stellen (…) Wir müssen aufgeben, uns in intellektueller wie ethischer Hinsicht wie Strauße zu verhalten, wir dürfen unseren Kopf nicht mehr in gewollter Blindheit in den Sand stecken.“