„... denn es gilt Irrtümer, nicht Menschen auszurotten."

Konrad Heresbach

* 28. August 1496, Gut Herzbach bei Mettmann; Δ 14.Oktober 1576 auf Gut Lorward bei Wesel;
Humanist und Universalgelehrter, war Freund des Erasmus von Rotterdam.

 

Schon auf der Schule in Münster lernte er nicht nur das damals als Wissenschaftssprache übliche Latein sondern auch Griechisch. Das wurde von Seiten der Kirche argwöhnisch betrachtet. Da die Humanisten die biblischen Texte in der Originalsprache lesen wollten, stellten sie damit gleichzeitig die Autorität der Kirche in Frage.

Mit 18 Jahren ging zum Studium der „sieben freien Künste” (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) nach Köln. Seine geistige Offenheit zeigte sich darin, dass er nicht nur seine Griechischstudien fortsetzte sondern sogar begann, Hebräisch zu lernen. Das war in Köln nicht ohne Risiko, denn der Streit um die hebräische Sprache und um die jüdische Literatur war 1512 in vollem Gange. Religiöse Eiferer, besonders die Kölner Dominikaner, die die dortige Universität beherrschten, hatten die Verbrennung aller hebräisch geschriebenen Bücher verlangt. Die Verteidiger der hebräischen Sprache lebten gefährlich, ihnen drohte die Anklage der Ketzerei. Sie setzten sich zur Wehr, und es entstand ein Netzwerk von freundschaftlich verbundenen Humanisten, dem auch Heresbach bald angehören sollte.

Er wurde 1515 zum Magister der freien Künste promoviert und konnte nach diesem Vorstudium jetzt mit dem eigentlichen Fachstudium beginnen. Zunächst widmete er sich theologischen Studien, ging dann aber schnell - wohl aus gutem Grund - zum Studium der Rechtswissenschaften über, bis er 1517 die Kölner Universität verließ, um sein Studium in Frankreich fortzusetzen. Zurück in Köln lernte er dort 1520 Erasmus von Rotterdam kennen mit dem ihn fortan eine Freundschaft verband.

1521 vermittelte dieser ihm eine Professur für Griechisch in Freiburg. Bald aber bekam Heresbach Schwierigkeiten mit der theologischen Fakultät und entzog sich dem, indem er seine juristischen Studien in Italien fortsetzte und nach nur einem Semester 1522 an der renommierten Universität von Ferrara zum Doktor des Zivilrechts promoviert wurde.

Um den religionspolitischen Querelen an der Freiburger Universität zu entgehen, übernahm er 1523 die Stelle des Erziehers des Erbprinzen Wilhelm von Kleve. 1535 wurde er dort Staatsrat. Diplomatische Missionen führten ihn an zahlreiche Höfe Europas, so etwa 1539 und 1547 nach London. Daneben war er auf verschiedenen Reichstagen, zahlreichen Synoden und Religionsverhandlungen vertreten. Als Erzieher und gelehrter Rat Wilhelms von Kleve prägte er zusammen mit anderen ebenfalls vom Humanismus und speziell von Erasmus beeinflussten Kanzlern und Räten die Politik in dem sich aus verschiedenen Herrschaften zusammensetzenden Herzogtum.

Heresbach wirkte maßgeblich an Reformen der Kirche, des Sozial-, Bildungs- und Justizwesens im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg mit. Beinahe fünf Jahrzehnte hatte er großen Einfluss auf den herzoglichen Hof und setzte sich für eine tolerante Religionspolitik ein. Besonders am Herzen lag ihm die Förderung des Schul- und Bildungswesens. Sein Werk „Über Erziehung und Unterricht der Fürstenkinder” gibt Zeugnis seiner humanistischen Auffassung und seines fortschrittlichen Erziehungskonzeptes.

Zitat:
„... denn es gilt Irrtümer, nicht Menschen auszurotten.”