FDP-Luftballon

Essay

Die FDP und die Krise des Liberalismus

Die FDP ist weder im Bundestag noch in den meisten Landesparlamenten vertreten. Doch ihre Krise reicht über die Partei hinaus. Freiheit wird heute häufig vor allem als Wirtschaftsfreiheit definiert. Dabei gehören zum liberalen Versprechen ebenso Bürgerrechte, individuelle Selbstbestimmung und die Freiheit von religiöser und moralischer Bevormundung.

Kommentar

Ehe wird endlich wieder zivilrechtlich gedeutet

Sämtliche Kantone der Schweiz haben am vergangenen Sonntag der Ehe für alle zugestimmt, also auch jene elf, die sowohl 1985 das neue Eherecht wie auch 1999 die neue Bundesverfassung abgelehnt hatten. Auch in ländlichen Gebieten befürworteten die Stimmberechtigten diesmal also mehrheitlich die Modernisierung der Spielregeln für unser Zusammenleben.

Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters

Nudelmessehinweisschilder dürfen weiter in Templin hängen

Der langjährige Streit um die Nudelmessehinweisschilder in Templin hat ein vorläufiges Ende gefunden. Die zuständigen Gremien der Stadt haben entschieden, den Schildern, mit denen die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. auf ihre wöchentlichen Nudelmessen hinweist, dauerhaft Asyl an städtischen Masten zu gewähren.

Protest vor dem Dom in Fulda

Bilanz der Herbst-Bischofskonferenz

"Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los"

Vergangene Woche tagte die Deutsche Bischofskonferenz im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Kritisch begleitet wurde sie vom "Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen", unterstützt von der Giordano-Bruno-Stiftung, die mit dem "Hängemattenbischof" und dem "Glücksrad der Entschädigung" sowie der "Langen Bank des Missbrauchsskandals" vor Ort waren und das Thema sexuelle Gewalt gegen Minderjährige in der Kirche erneut ganz oben auf die öffentliche Agenda hoben. Dementsprechend richteten Journalisten auch auf der abschließenden Pressekonferenz ein Hauptaugenmerk auf das Vorankommen der Aufarbeitung, von der die Betroffenen massiv enttäuscht sind.

"Weg mit § 218 + 219a"

Gesetzliche Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch

Weg mit Paragraf 218 – doch wie weiter?

Der geltende Paragraf 218 StGB aus dem Jahre 1995 enthält ein grundsätzliches Abtreibungsverbot, ergänzt im Paragraf 218a durch straffreie Ausnahmen. Dabei hatte es in Deutschland zwischenzeitlich reproduktive Frauenrechte und Legalisierungen gegeben. Diese waren auf kirchlichen Einfluss vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden – jegliches "ungeborene Leben" soll seitdem maximal geschützt werden müssen.  

Neue Ausgabe der DGHS-Zeitschrift "Humanes Leben – Humanes Sterben" erschienen

Ein Recht, aber kein Anspruch

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vor eineinhalb Jahren, dass ein Recht darauf bestehe, Unterstützung beim Freitod in Anspruch zu nehmen, sofern sie freiwillig angeboten wird, haben bereits einige Menschen dieses Recht für sich umgesetzt. Für die Helfenden bedeutet diese Rechtslage aber nicht, dass sie zu einer solchen Hilfe verpflichtet werden können. Werner Lehr, Mitglied des DGHS-Präsidiums, weist in einem Beitrag für die Vereinszeitschrift "Humanes Leben – Humanes Sterben" auf die Herausforderungen für Freitodbegleiter hin (S. 9).

Alte afrikanische Frau

Vereinte Nationen wollen gegen Hexenverfolgung vorgehen

Menschen werden auch im Jahr 2021 noch gejagt, misshandelt, aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen, verstümmelt oder gar getötet, weil ihnen Hexerei vorgeworfen wird. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat nach Jahren der Recherche und Ausarbeitung nun eine Resolution veröffentlicht, welche alle Staaten dazu aufruft, jede Gewalt, die aus einer Anschuldigung der Hexerei hervorgeht, zu beenden und besonders gefährdete Menschen, wie zum Beispiel ältere Frauen, zu schützen.

DIGNITAS bringt das Natrium-Pentobarbital-Verbot vor den französischen Staatsrat

Recht auf selbstbestimmtes Lebensende auch in Frankreich

Der international tätige Schweizer Verein "DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben" hält das in Frankreich geltende Verschreibungsverbot des Medikaments Natrium-Pentobarbital zur selbstbestimmten Lebensbeendigung für verfassungswidrig. Er beantragt beim Conseil d’État (Staatsrat) die Aufhebung dieses Verbots, damit in Frankreich lebende Personen künftig das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende in ihrem eigenen Land in Anspruch nehmen können.

"Symposium Kortizes" findet vom 1. bis 3. Oktober statt

Wie das Gehirn die Zeit erlebt

Für unser Zeitempfinden, die sogenannte innere Uhr, interessieren sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vieler Fächer, von Psychologie über Neurowissenschaften bis zur Philosophie. Zwölf von ihnen gewähren am kommenden Wochenende, 1. bis 3. Oktober, auf dem "Symposium Kortizes" einen Einblick in das, was wir heute über Neurowissenschaft und Zeiterleben wissen.

"Ich bin meine eigene Lebensexpertin."

Zum International Safe Abortion Day:

"Die aktuelle Regelung ist stigmatisierend"

Der International Safe Abortion Day am 28. September ist ein jährlich wiederkehrender internationaler Aktionstag für einen sicheren, straffreien und kostenfreien Zugang zum Schwangerschaftsabbruch. 2021 steht der Aktionstag in Deutschland unter dem Motto: "150 Jahre Widerstand gegen § 218 – es reicht!" In 50 deutschen Städten wurde heute ein Zeichen für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gesetzt.

Interview

Erstmals pastafarianische Kopfbedeckung auf Personalausweis genehmigt

Seit anderthalb Jahrzehnten kämpfen Pastafaris – die Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters – darum, dass ihr Glaube staatlicherseits gleichberechtigt mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften behandelt wird. Pastafari Sebastian von Baudissin ist nun gelungen, was in Deutschland einige andere vor ihm vergeblich versuchten: Die Ausstellung eines Personalausweises, auf dem er mit religiöser Kopfbedeckung abgebildet ist.

Termine

Mehr aus den Rubriken

Kind im Hochzeitskleid

Analyse

Kinderehen in Baden-Württemberg: 358 Fälle, nur acht Aufhebungen

358 Fälle von Kinderehen, aber nur acht rechtskräftige Aufhebungen: Zahlen aus Baden-Württemberg werfen Fragen zum Schutz minderjähriger Betroffener auf. Wie gehen die Behörden mit solchen Fällen um, und welche Rolle spielen rechtliche Hürden, gesellschaftliche Strukturen und religiöse Traditionen? Ein Blick auf die Hintergründe eines Problems, bei dem der Schutz von Kindern im Mittelpunkt stehen sollte.

Gehirne

Die Ergebnisse des historischen Forschungsprojekts liegen vor

Hirnforschung und NS-Verbrechen

Das von der Max-Planck-Gesellschaft geförderte unabhängige Verbundprojekt zur Identifizierung von Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und anderen Formen der NS-Verfolgung, von denen Hirnpräparate in zwei Max-Planck-Instituten (vormals Kaiser-Wilhelm-Instituten) zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt wurden, ist nach neun Jahren abgeschlossen. Anlass waren Funde von Hirnschnitten im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin sowie im Historischen Archiv des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

Robert F. Kennedy, Jr.

Gefangen in der inneren Logik

Warum Robert F. Kennedy Jr. Masernausbrüche nicht bekämpft, sondern braucht

Kürzlich wurden bereits die institutionellen Verwerfungen analysiert, die zu den schon sichtbar verheerenden Auswirkungen auf das Impfwesen in den USA führen. Eine offene Frage bleibt, was die handelnden Personen, insbesondere Gesundheitsminister Kennedy, dazu treibt, einen solchen offensichtlich unsinnigen Kurs unbeirrt zu verfolgen und seine Institutionen aktiv von angemessenen Reaktionen abzuhalten.

Stipendiat*innen-Treffen des Bertha von Suttner-Studienwerks

Das Bertha von Suttner-Studienwerk bekommt zum Oktober zehn neue Stipendiat*innen

Wissenschaftliche Exzellenz trifft auf humanistisches Engagement

Das Bertha von Suttner-Studienwerk (BvS) begrüßt seine neuen Stipendiat*innen. Die Auswahlkommission hatte auch in diesem Jahr keine leichte Aufgabe: Aus mehr als 170 Bewerbungen galt es, die zehn überzeugendsten Kandidat*innen auszuwählen. Ab Oktober werden sie vom Studienwerk gefördert und in das stetig wachsende BvS-Netzwerk aufgenommen.

Festivalleiterin Sabrina Kürzinger

Filmfest „FrauenWelten“ stellt Programm vor

Vom Jemen bis in die Arktis

Unmittelbar vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen lädt das Filmfest „FrauenWelten“ vom 18. bis 24. November 2026 ins Kino in der KulturBrauerei in Berlin ein. 32 Filme aus 29 Ländern, drei Themenschwerpunkte und 27 Premieren zeigen, wie Frauen sich patriarchaler Macht widersetzen.

EMMA-Logo

Schluss nach 50 Jahren

Die EMMA geht in den Ruhestand

Heute teilte die prominente Feministin Alice Schwarzer mit, dass „nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten“ die feministische Zeitschrift EMMA „die Bühne verlässt“. Ein Rückblick.

Familie beim Herbstspaziergang

Angesichts geplanter Einkommensteuer- und Wohngeldreform

Deutsches Kinderhilfswerk warnt vor weiteren finanziellen Belastungen und Ungleichbehandlungen von Familien

Da sich durch die geplanten Reformen die Schere zwischen der maximalen Entlastungswirkung des Kinderfreibetrages und dem Kindergeld immer weiter öffne, entstehe eine finanzielle Schieflage zulasten von Familien aus dem unteren und mittleren Einkommenssegment. Das Deutsche Kinderhilfswerk findet daher, dass die geplanten Anpassungen in die völlig falsche Richtung gehen.

Säkularer Stand beim Tag der Deutschen Einheit

„Bremen hat uns mit offenen Armen empfangen”

Drei Tage, zwei Zelte auf der Einheitsmeile und ein Publikum, das zugewandt stehen blieb: Der Zentralrat der Konfessionsfreien blickt auf ein Bürgerfest zurück, das einen riesigen Zuspruch brachte. Mit Lesungen, Präsentationen und Diskussionen am Informationsstand stellte er in direkter Nachbarschaft mit dem AK Polis säkulare Politik und die Aufklärung über die Gefahren des Politischen Islam zur öffentlichen Debatte. Auch der hpd präsentierte sich am Stand.

Justitia, im Hintergrund die Münchner Frauenkirche

Prozess um kirchlichen Missbrauch

„Ein Stück Rechtsgeschichte“

Das Landgericht Traunstein hat in einem Gutachten bestätigt: Die sexualisierte Gewalt, die ein Kläger gegen das Erzbistum München und Freising im Kindesalter erfahren hat, hat seine psychische und soziale Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt. Die Kirche muss nun Schmerzensgeld zahlen.