Unschuldig hingerichtet – und heute?

 

Hier werden hochdotierte Menschen aus der Theaterszene von auswärts herangefahren, die dafür bezahlt werden, Texte zu deklamieren – musikalisch untermalt.

So nicht, Herr Dr. Goldenstein! Was haben Sie sich denn hierbei gedacht?

Hätten Sie diese Veranstaltung in gleicher Weise für die Opfer des Holocaust gestaltet? Und dabei Geständnisse von "Volksfeinden" zitiert –– musikalisch untermalt – ohne auf Folter und Gaskammern einzugehen? Und Sektenbeauftragte herangeholt?

Ist das nicht eine unglaubliche Gedankenlosigkeit und ein Affront gegen die Menschen, die unsäglichen Leiden durch die damaligen Verantwortlichen des Klosters Loccum ausgesetzt waren? Ist das nicht eine Verhöhnung der Opfer?

Und an welcher Stelle werden die Machtinteressen des Klosters und finanzielle Vorteile thematisiert?

Wird der literarisch-musikalische Abend offenbaren, was hinter diesen Schicksalen steht: Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die christliche Botschaft der Vergebung und Nächstenliebe?

Abt Hirschler erinnerte am 21.03.2013 in seiner Begrüßung zum 850-jährigen Klosterjubiläum daran, was das Kloster schon alles überlebt habe: Es sei eine „Wegstrecke voller Wunder“. Meint er damit auch die Hexenprozesse?

Fazit: Die Tagungsplanung der Evangelischen Akademie Loccum zeigt gravierende Mängel in Bezug auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen der Loccumer Hexenverfolgung und offenbart die rein apologetische Tendenz der Veranstaltung.

Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse

Ich bitte die Kirchenleitung und die Synode der evangelisch- lutherischen Landeskirche Hannovers und das Kloster Loccum, die Verurteilung der als "Hexen" hingerichteten Frauen und Männer zu widerrufen und die Opfer durch Aufklärung, Beschluss und öffentliches Gedenken zu rehabilitieren.

Im Stiftsgebiet Loccum gab es zwischen 1581 und 1661 insgesamt 54 belegte Hexenprozesse. Mindestens 33 Menschen wurden in den Hexenverfolgungen hingerichtet.

Die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit ist ein dunkles Kapitel der Geschichte des christlichen Abendlandes. In Deutschland wurden über 25.000 Frauen, Männer und Kinder als „Hexen“ angeklagt, gefoltert und verbrannt. Wer sich mit der Hexenverfolgung befasst, erschrickt über die Rolle, die die Kirchen gespielt haben. Abt und Konvent des Klosters Loccum übten die Strafgerichtsbarkeit über die Menschen des Klostergebietes aus. Die Hexenverfolgung wurde theologisch legitimiert. Die Kirchen forderten gemäß 2. Mose 22,17: "Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen!" Luther sagte: "Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an".

Die Glaubwürdigkeit kirchlichen Redens und Handelns steht auf dem Prüfstand. Die Kirchen riefen 2001 die ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt aus, um ihren "Anteil an der Gewalt zu akzeptieren und die Verantwortung dafür zu übernehmen." Im Hinblick auf die 500-Jahrfeier der Reformation 2017 ist eine theologische Rehabilitation dieser Opfer überfällig. Bisher hat nur die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern 1997 öffentlich zur Mitverantwortung der Kirche an der Hexenverfolgung Stellung genommen.

Es gab keine Hexen. Aus heutiger Sicht wurden die Angeklagten im Namen Gottes zu Unrecht beschuldigt, gefoltert und hingerichtet. In Zeiten der modernen Naturwissenschaften ist jedem einsichtig: Es gab und gibt keine „Hexen“ im Sinne der Anklage.

Die Opfer

  • waren keine Hexen - sondern ihre Verbrechen entstammten der Fantasie von Theologen, Juristen und Regenten
  • waren keine Verbündeten des Teufels. Ihre Geständnisse wurden durch Folter erzwungen
  • waren keine Zauberer - niemand kann das Wetter verzaubern oder Krankheiten anhexen
  • nahmen nicht am Hexensabbat teil - keiner kann auf einem Besen durch die Luft reiten.

Die unschuldig Verurteilten erhalten ihre Christenehre zurück, wenn wir sie rehabilitieren und an ihr Schicksal erinnern.

Hartmut Hegeler
 

In einem langen Interview mit Financial Times Deutschland berichtet Hartmut Hegeler, wie er zu seinem Thema kam und welche Erfahrungen er bisher gemacht hat.