Die erfolgreiche Arbeit geht weiter

STUTTGART. Bericht über die 39. ordentliche Landesversammlung

des Verbandes „Die Humanisten Württemberg, K.d.ö.R., Freireligiöse Landesgemeinde".

Trotz hochsommerlicher Temperaturen, strahlendem Sonnenschein und einem für Reisen und Ausflüge bestens geeignetem langen Wochenende, fanden sich gestern, am Sonntag, den 29. April, annähernd 40 Mitglieder bei der 39. ordentlichen Landesversammlung der Württemberger Humanisten im Humanistischen Zentrum Stuttgart ein und zeigten damit ihr Interesse an der Fortentwicklung des von seiner Tradition her freigeistig-freidenkerischen geprägten Verbandes.

Für dieses nicht selbstverständliche Engagement bedankte sich Vorstandssprecher Walter Tannert gegenüber den Anwesenden in seiner einleitenden Begrüßung. In den folgenden Berichten aus dem Vorstand, des Geschäftsführers und der Kassiererin wurden die wesentlichen Probleme des Verbandes offen angesprochen: So ist die Unter- und Erhaltung des Verbandssitzes, eine gepflegte, repräsentative, denkmalgeschützten Villa im Zentrum Stuttgarts eine permanente Kraftanstrengung und erfordert viel Geld und sehr viel Zeit. Ein weiteres Problem ist, dass sich durch die neue Namensgebung (vor zwei Jahren nannte sich der Verband von Freireligiöser Landesgemeinde in „Die Humanisten Württemberg" um) die öffentliche Wahrnehmung zwar verbesserte habe, eine ausreichende mediale Präsenz aber trotz vielfältiger Aktivitäten und einem niveauvollen Veranstaltungsprogramm nach wie vor nicht erreicht wurde. Auch die starke Überalterung der Mitgliedschaft, die daraus resultierenden sinkenden Mitgliederzahlen und die damit einhergehende Minderung von Einnahmen durch Beiträge und Spenden wurden offen problematisiert.

Neben der Problembenennung konnte ich, als Geschäftsführer des Verbandes, aber auch über erfreuliche Entwicklungen berichten: So hat sich der neue moderne Namen bereits signifikant positiv auf die Neugewinnung von Mitgliedern ausgewirkt hat und auch die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, Vereinen und Gruppen in Stuttgart und Umgebung wurde dadurch erleichtert. Darüber hinaus gibt es die intensivierte Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Verband Deutschlands, die Gründungsmitgliedschaft unseres Verbandes in der Humanistischen Bundesakademie Deutschland, die neu begründeten Mitgliedschaft der Jugendorganisation unseres Verbandes bei den Jungen Humanistinnen und Humanisten Deutschland (Bundes-Juhu) sowie die erfolgreich begründete Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Pressedienst (hpd).

Diese durch die Umbenennung überhaupt erst ermöglichte Einbindung in die humanistische Verbändelandschaft hat sich insbesondere bei der Bewältigung der Auseinandersetzung mit dem Kultusministerium von Baden-Württemberg bewährt, die der Verband im vergangen Jahr in Folge seiner öffentlichen Kritik an Ministerpräsidenten Oettinger, durchzustehen hatte. Damals hatten Die Humanisten Württemberg Ministerpräsident Oettinger öffentlich aufgefordert sich wegen einer diskriminierenden Äußerung gegenüber Atheisten zu entschuldigen. (Ministerpräsident Oettinger: "Muslime sind mir lieber als Scientologen oder Atheisten"). Dem recht halbherzigen Entschuldigungsbrief, den der Verband gleichwohl annahm, folgten dann allerdings nur wenige Tage nach der Wahl. sozusagen als Strafaktion wegen Unbotmäßigkeit, ein Einschüchterungsversuch durch das Kultusministerium.

Nur durch den kompetenten Beistand des Humanistischen Verband Deutschlands konnten die Württemberger Humanisten den überzogenen Forderungen die das Kultusministeriums nun plötzlich bezüglich ihres öffentlichen Auftretens an sie richtete, Einhalt gebieten und auch gegenüber der politischen Führung des Landes dokumentieren, dass sie keineswegs alleine da stehen, wenn es um die Vertretung der Interessen konfessionsfreier Menschen geht. Dies ist überhaupt die wichtigste Aufgabe eines überregionalen Bündnisses der säkularen humanistischer Verbände, die es in Zukunft für die Humanisten Württemberg auch institutionell noch zu vertiefen gilt.

Dieser Analyse wurde in der anschließenden Diskussion über die Berichte seitens der Mitglieder beigepflichtet, wobei hier der Schwerpunkt der Redebeiträge auf die Frage zielte, wie der Verband eine verbesserte mediale Präsenz selbst in dem eher kirchlich und konservativ geprägten Baden-Württemberg für seine Anliegen und Veranstaltungen erreichen könnte. Ein strahlender Durchbruch an neuer Erkenntnis gelang auch den Diskutanten an diesem sonnigen Nachmittag nicht, aber immerhin wurde die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit und Presseberichterstattung gesehen und es fand sich sogar ein Mitglied spontan dazu bereit dies in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer federführend zu leisten.

Die Entlastung des Vorstandes durch die Landesversammlung verband der Versammlungsleiter Wolfram Gögelein im Namen der Mitglieder mit dem Dank an den Geschäftsführer und den Vorstand für die geleistete ehrenamtliche Arbeit und erwartungsgemäß wurde der Vorstand und die Revisorinnen durch die daran anschließenden Wahlen einstimmig im Amt bestätigt.

Der wiedergewählte Landesvorstand kam gleich im Anschluss zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen, wobei sofort wieder dringende Beschlüsse bezüglich der Stellung des Verbandes zu geplanten baulichen Veränderungen auf Nachbargrundstücken des Humanistischen Zentrums getroffen werden mussten. Auch die Darstellung des Verbandes in einer von der Stadt Stuttgart in Vorbereitung befindlichen Broschüre über die hiesigen Kirchen und Religionsgemeinschaften musste diskutiert werden. Beschlossen wurde außerdem, dass der Verband ein Brief an das Landes- wie Bundesinnenministerium bezüglich des Personenstandsreformgesetz sendet, indem darauf hingewiesen wird, das man als Weltanschauungsgemeinschaft mit Körperschaftsrechten gleiche Mitsprache wünsche, wie sie den großen Kirchen eingeräumt wird. Die Arbeit an der säkularen humanistischen Sache ging für die Württemberger also nahtlos weiter - und das ist auch gut so!

 

Andreas Henschel