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05. 11.

Nachdenken über feierliche Staatsakte

Tagung zur religiös-weltanschaulichen Pluralität öffentlicher Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland

Tagung zur Frage, ob sich staatliche Rituale in säkularer Richtung verändern können.

So sehr sich Säkulare darin sicher sind, dass sie in der öffentlichen Erinnerung benachteiligt werden, so wenig Humanismus in Ausstellungen und Reden vorkommt, so wenig wird bei denen darüber nachgedacht, die hier Entscheidungen treffen (könnten), ob hier ein Manko vorliegt, gar eine Beleidigung, wenn es um Totenehrung geht. Das ist auch gar nicht so einfach zu ändern, denn fiele der Ruf im „Großen Zapfenstreich“ weg – „Helm ab zum Gebet“ –, so würde diese Ritualänderung als ein eindeutiges politisches Signal weg vom Christentum verstanden werden in Richtung Staat-Kirche-Trennung. Wer von Deutschlands Politikern, gar Ministern, hätte dazu den Mut oder – was die Voraussetzung ist – überhaupt eine Veranlassung?

Die Konferenz ist begründet durch tiefgreifende Wandlungen hinsichtlich der „Glaubensbefunde“ in Deutschland, namentlich durch 35% Konfessionsfreie. Wie könnten diese demographischen und kulturellen Wandlungen hinsichtlich ihrer Folgen für staatsfeierliche Rituale interpretiert werden? Was können säkulare Verbände tun, dieses Nachdenken zu befördern?

Zur Debatte haben FES und HAD auch in diesem Jahr wieder namhafte Referentinnen und Referenten gewonnen. Besonders erfreulich ist, dass es gelang, Dr. Jürgen Hartmann, Rechtsanwalt und Staatssekretär a.D., aus Mainz einzuladen, um über „Das deutsche Staatszeremoniell und seine weltanschaulich-religiöse Pluralität“ zu sprechen. Aus seiner Feder stammt das Standardbuch zum Thema mit dem lapidaren Titel „Staatszeremoniell“, 2007 in der 4., völlig neu bearbeiteten Auflage erschienen. Es wird hier noch vorgestellt. Das Bild zu dieser Tagung stammt vom Cover des Buches.

Die Tagung endet mit einem humanistisch-christlichen Dialog, einer Podiumsdebatte über „Wie weltanschaulich-religiös plural ist die Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland?“. Hier gelang es, die Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Petra Bahr, und Axel Seegers, Weltanschauungsbeauftragter der Erzdiözese München, zu gewinnen.

Tagungsleitung: Dr. Johannes Kandel / Dr. Horst Groschopp

Programm in zeiticher Abfolge:

10.00 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
10.15 Uhr: Dr. Jürgen Hartmann, Rechtsanwalt, Staatssekretär a.D., Mainz, "Das deutsche Staatszeremoniell und seine weltanschaulich-religiöse Pluralität"

11.15: Kaffeepause

11.30 Uhr: Prof. Dr. Jörg Rüpke, Religionswissenschaftler, Erfurt, "Überlegungen zur öffentlichen Festkultur aus ritualtheoretischer Perspektive"

12.30 Uhr: Mittagspause

13.30: Dr. Insa Eschebach, Historikerin und Publizistin, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, "Totenehrung in Ravensbrück. Religiöse und nicht-religiöse Sprachen des Gedenkens"

14.30: Wolfgang Pittkowski, Pastor und Soziologe, Bischofskanzlei Schleswig, "Veränderte religiöse und weltanschauliche „Landschaften“ in Deutschland – Auskünfte über öffentliche Feierkultur"

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.00 Uhr: Dr. Dr. Joachim Kahl, Philosoph, Marburg, "Ein konfessionsfreier Blick auf die öffentliche Erinnerungskultur"

16.45 Uhr: Dr. Horst Groschopp, Berlin, Kulturwissenschaftler, "Humanismus und Geschichtskultur – Ansprüche an eine moderne Erinnerungskultur"

17.30 Uhr Podiumsdebatte: "Wie weltanschaulich-religiös plural ist die Gedenk- und Erinnerungskultur in Deutschland?" Moderation: Dr. Johannes Kandel, Politische Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)

Teilnehmende mit Statements:

Dr. Petra Bahr, Pfarrerin, Berlin, Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Axel Seegers, Dipl. Theologe, München, Weltanschauungsbeauftragter der Erzdiözese München

Teilnehmende ohne Statements:

Dr. Horst Groschopp, Kulturwissenschaftler, Berlin, Direktor der Humanistischen Akademie
Dr. Dr. Joachim Kahl, Philosoph, Marburg

19.00 Uhr: Abendessen

20.00 Uhr: Ende