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03. 06.

Französischer Existentialismus - mehr als eine philosophische Mode der Vergangenheit

Vortrag von Dr. Dr. Joachim Kahl in „Uni im Café“ in Marburg

Ein dreiteiliger Vortragszyklus: 1. Teil: Der französische Existentialismus im Überblick - Personen, Themen, Zusammenhänge, Irrtümer

Der französische Existentialismus war eine vielschichtige und facettenreiche kulturell-politische Bewegung in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Indem er die aktuelle Existenz des konkreten Individuums ins Zentrum philosophischer Reflexion rückte, gab er der Philosophie ihren alten Rang als existentieller Haltung und Lebensweise, ja Lebensgefühl zurück. In einem hinführenden Überblick werden die wesentlichen Personen, ihre Themen, ihre Kämpfe, ihre Moden, ihre Liebschaften skizziert.

Die werten Besucher werden ermahnt, Café Vetter nicht in den Zustand eines verräucherten Existentialistenkellers zu versetzen. Eine Kleiderordnung  mit schwarzen Rollkragenpullovern und Lederjacken besteht nicht.
 

2. Teil: So, 2. September, 11 Uhr

3. Teil: So, 23. September, 11 Uhr

Albert Camus (1913 - 1960) - Von der "Revolte gegen das Absurde" zum "mittelmeerischen Denken". Ein philosophischer Klassiker des zwanzigsten Jahrhunderts.

Albert Camus, neben Jean Paul Sartre Hauptvertreter des französischen Existentialismus, verdient  eine Aufmerksamkeit, die unabängig ist von Gedenkanlässen. Thematisiert er doch Fragen, mit denen sich jeder nachdenkliche Mensch irgendwann konfrontiert sieht. Schon früh erkannte er die ideologische Blindheit jener, die (wie Sartre) nur "Vichy und Auschwitz" riefen und den  totalitären Charakter der Sowjetunion und ihrer Verbündeten geflissentlich übersahen.

Von seiner anfänglichen "Revolte gegen das Absurde", dargestellt im "Mythus von Sysiphos", gelangte er zum "mittelmeerischen Denken". Es hat sich losgesagt von allem Extremismus, von aller Maßlosigkeit verabschiedet, und sagt Ja zum Leben in seiner Endlichkeit und Schönheit. In seinem literarischen Hauptwerk "Die Pest" (1947), einer universalen Metapher für die Übel in der Welt, verherrlicht er im Arzt Dr. Rieux einen skeptisch aufgeklärten Humanismus, der die Pest zwar heroisch bekämpft, aber sich nicht verhehlt, dass ihr Keim unvertilgbar ist.