Italien: Die weltliche Herrschaft des Papstes wird beendet

Das Ende des Kirchenstaates

Mit der Besetzung Roms durch italienische Truppen endet die weltliche Herrschaft des Papstes am 20. September 1870 endgültig.

Alle europäischen Nationalstaaten hatten im Verlauf der Neuzeit die weltliche Macht der Kirche auf ihrem Territorium beseitigt. Die Ausnahme bildeten mit Deutschland und Italien, jene Länder, die noch nicht zu einer staatlichen Einheit gefunden hatten. Erst im Verlauf des napoleonischen Zeitalters wurden dann sowohl die deutschen geistlichen Kurfürstentümer als auch der Kirchenstaat beseitigt. Jedoch gelang es der Katholischen Kirche auf dem Wiener Kongress 1815 zu erreichen, dass der Kirchenstaat in Mittelitalien wiederhergestellt wurde.

In der Revolution von 1848/49 beseitigten die Bürger Roms den Kirchenstaat erneut, jedoch sorgten spanische und französische Truppen schnell wieder für die Bewahrung der politischen Macht des Papstes. Bei der Gründung des italienischen Staates im Jahr 1861, gelang es Papst Pius IX. mit Hilfe Frankreichs erneut, den Kirchenstaat, wenn auch in verkleinerter Form, zu erhalten. Daher war zunächst nicht Rom sondern Florenz die Hauptstadt Italiens.

Französische Truppen sicherten den Bestand des Kirchenstaates. Als Frankreich seine Schutztruppen aufgrund des Krieges gegen Deutschland am 11. September 1870 aus dem Kirchenstaat abzog, rückten italienische Truppen ein. Am 20. September 1870 wurde Rom eingenommen, damit war das Ende des Kirchenstaates besiegelt. Eine Volksabstimmung ergab eine große Mehrheit für die Vereinigung des Kirchenstaats mit Italien, die am 6. Oktober 1870 durch ein königliches Dekret proklamiert wurde.

Pius IX. und seine Nachfolger erkannten sowohl die gesetzlichen Regelungen für den Vatikan als auch das neue Italien nicht an und lehnten jede offizielle diplomatische Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern ab. Die beteiligten Militärs und Politiker wurden mit dem Kirchenbann belegt. Der Streit um den Status der katholischen Kirche und die zunächst nicht formell geregelte eigenstaatliche Unabhängigkeit des Vatikans blieb noch ein lange schwelender Konflikt.

Erst am 11. Februar 1929 kam es in den Lateranverträgen zu einem Kompromiss mit dem nunmehr faschistischen italienischen Staat. Der Vatikan mit dem Peterdom wurde vom italienischen Diktator Mussolini als selbständiger Staat unter der Souveränität des Papstes anerkannt. Mussolini sicherte dem Vatikanstaat volle Souveränität und einen internationaler Status zu, der dem einer eigenständigen Nation gleichkommt.

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