Wichtigste Werte im Leben der Kinder

Im Auftrag von GEOlino und in Zusammenarbeit mit UNICEF und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung sind im Juni und Juli 2006 insgesamt 908 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren aus ganz Deutschland in persönlichen Interviews zu ihren Wertvorstellungen befragt worden.

Die Kinder waren repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Schulbildung, Bundesländern und Gemeindegrößen ausgewählt worden und stehen stellvertretend für rund 7,3 Millionen Kinder in dieser Altersgruppe. Die Kinder wurden zuerst spontan nach für sie bedeutsamen Werten gefragt, bevor 20 vorgegebene Werte auf ihre Wichtigkeit hin beurteilt werden sollten.

Familie und Freundschaft sind wichtiger als Geld

Für die Kinder in Deutschland sind zwischenmenschliche Werte wie Freundschaft, Vertrauen und Zuverlässigkeit wichtiger als Geld - und als gute Manieren.

Danach verfügt die Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und eine große Hilfsbereitschaft. Leistungsbereitschaft hat für die heutigen Kinder aber eine genauso hohe Bedeutung. Für alle haben die Kinderrechte einen hohen Stellenwert. Am wichtigsten ist ihnen das Recht, ohne Gewalt aufwachsen zu dürfen. Zum einen wollen sie selbst vor Gewalt geschützt sein, zum anderen ist es ihnen besonders wichtig, dass Kinder in Kriegs- und Krisengebieten Schutz und Hilfe finden. Die meisten Kinder haben heute eine gute Beziehung zu ihren Eltern. Sie sehen ihre Eltern und Großeltern als Vorbilder für ihre Werte. Im Teenageralter werden Freunde bei der Wahl nach Vorbildern immer wichtiger. Berühmte Personen, die Medien und die Kirchen spielen bei den 6- bis 14-Jährigen bei der Wertevermittlung eine untergeordnete Rolle. Am wenigsten bringen die deutschen Kinder Politiker mit der Vermittlung von Werten in Verbindung.

Glaube und Ordnung als „Schlusslichter“

Die Kinder und Jugendlichen waren gefragt worden: „Wir haben diese Frage auch schon einmal anderen Kindern und Jugendlichen in deinem Alter gestellt und von ihnen erfahren, was im Leben wichtig sein kann. Ich lese dir einfach einmal einige dieser Meinungen vor und du sagst mir bitte mit Hilfe dieser Skala, wie wichtig diese Dinge jeweils für dich sind.“ (Als Skala waren die vier Kategorien „Total wichtig“, „Wichtig“, „Nicht so wichtig“ und „Überhaupt nicht wichtig“ vorgesehen.)

Unter den wichtigsten zehn Werten (vgl. Abbildung UNICEF1 im Anhang) werden Freundschaft, Vertrauen, Zuverlässigkeit/Treue, Geborgenheit und Ehrlichkeit von der Hälfte und mehr als „total wichtig“ eingestuft.

In der Gruppe der weniger wichtigen Werte (Rangplatz 11-20) befindet sich als Schusslichter Glaube und die Ordnung. (vgl. Abbildung UNICEF2 im Anhang) Der Wert „Glaube“ ist nur für 18 % der Befragten „total wichtig“ und rangiert damit auf dem vorletzten 19. Platz, vor dem Wert Ordnung auf dem letzten, 20. Platz. Fasst man beide „Wichtig“-Einstufungen zusammen, so rangiert „Glaube“ mit 44 % dann auf dem letzten Platz.

Diese Ergebnisse - die für die Altersgruppen erhoben wurden, die noch jünger als die Befragten der 12 - 25-jährigen der Shell-Jugendstudien sind -, bestätigen wiederum, dass die Wichtigkeit von Religion in der Jugend persönlich in ihrer Bedeutung nur noch marginal wahrgenommen wird.

Stimmen zur Studie

„Kinder entwickeln schon früh ein Bewusstsein für Gerechtigkeit und die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Wir wollen ihnen die Erfahrung vermitteln, dass es sich lohnt, danach zu handeln – in der Familie, in der Schule, im Verein und auch in der Politik“, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

„Wer Kinder stärken will, muss ihre Familien stärken und ihnen gute Lern- und Bildungsmöglichkeiten verschaffen. Deshalb ist es so schlimm, dass in Deutschland die soziale Herkunft mehr als in den meisten anderen Industrieländern über den Schulerfolg von Kindern entscheidet“, sagte Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF.

„Die heutigen Kinder haben Zugang zu mehr Informationen und wissen mehr über ihre Rechte als frühere Generationen. Sie wollen ernst genommen und nicht nur als Konsumenten betrachtet werden“, sagte Gerd Brüne, Verlagsleiter der GEO-Gruppe, in deren Auftrag die Umfrage im Sommer 2006 durchgeführt wurde.


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Zur Darstellung der Studie: http://www.unicef.de/3990.html