„Keine Religion hat mehr Blut und Tränen gekostet ...“

August Bebel

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* 22. Februar 1840 in Köln, Δ 13. August 1913 in Passugg/Schweiz;
sozialdemokratischer Politiker und langjähriger Vorsitzender der SPD. Er hat die frühe Geschichte der deutschen Sozialdemokratie geprägt wie kein anderer. Mit seinem leidenschaftlichen Engagement trug er wesentlich zu ihrem Aufstieg bei.

Bebel erlebte in seiner Jugend bitterste Armut und musste schon früh zum Unterhalt der Familie beitragen. Nur durch die Hilfe einer wohltätigen Stiftung konnte er die Schule besuchen und lernte anschließend das Drechslerhandwerk. Nach den obligatorischen Wanderjahren als Geselle ließ er sich 1860 in Leipzig nieder. Hier begann er politisch aktiv zu werden.

Er schloss sich einem Arbeiterbildungsverein an und setzte sich mit sozialistischem Gedankengut auseinander. In der Folge gehörte er 1869 zu den Gründern der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Als Abgeordneter im norddeutschen Reichstag bekämpfte er die Annexionspolitik gegenüber Frankreich und unterstützt die Pariser Kommune, was ihm 1872 eine Verurteilung wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung eintrug. Er war und blieb ein entschiedener Gegner des preußischen Militarismus.

Im Jahr 1875 setzte sich Bebel für den Zusammenschluss seiner Sozialdemokratischen Arbeiterpartei mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur Sozialistischen Arbeiterpartei ein. Während des Sozialistengesetzes war er maßgeblich am Erhalt und der Weiterarbeit der nunmehr illegalen Partei beteiligt. 1892 wurde er zum Parteivorsitzenden gewählt. Von 1871 bis zu seinem Tod war er nahezu ununterbrochen Mitglied des Deutschen Reichstags.

Er bekannte sich in seinen Schriften, die hohe Auflagen erreichten, zum Atheismus. Sein wichtigstes publizistisches Werk, „Die Frau und der Sozialismus“, erschien 1879 zunächst illegal. Er erkannte schon damals den emanzipatorischen Wert der Frauenerwerbstätigkeit und strebte eine umfassende soziale und politische Befreiung der Frauen an. Mehrfach ergänzt und umgearbeitet, wurde dieses Werk bis zur Jahrhundertwende zur meistgelesenen marxistischen Schrift.

Bebel befasste sich häufig mit religiösen und religionspolitischen Fragen. Sein Standpunkt war dabei ausgesprochen modern und hat an Aktualität nichts eingebüßt. Er trat für das religionsrechtliche Modell eines neutralen, toleranten Staates ein, der aber Staat und Kirche strikt getrennt halten sollte.

Zitat:
„Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen. Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.“