Er schrieb die Trilogie der „Ästhetik des Widerstands”

Peter Weiss

* 8. November 1916 in Nowawes bei Berlin; Δ 10. Mai 1982 in Stockholm;
bekannter deutscher Schriftsteller, Maler und Graphiker. Weiss, der bereits 1946 schwedischer Staatsbürger wurde, zählt zu den wichtigsten deutschen Nachkriegskünstlern. 

Er wurde als Sohn eines zum Christentum übergetretenen jüdischen Textilfabrikanten ungarischer Herkunft und einer Schweizer Schauspielerin geboren. Mit Anbruch des Faschismus emigrierte er 1935 über England nach Prag, wo er auf Empfehlung seines väterlichen Freundes Hermann Hesse die Kunstakademie besuchte.

1939 ging er nach Schweden. Dort fand er Aufnahme in der Kunstszene und beteiligte sich an der Ausstellung „Künstler im Exil”. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich unter anderem als Textilmusterzeichner und an privaten Malschulen. Er studierte ab 1942 an der Stockholmer Kunstakademie. Als Korrespondent einer Stockholmer Zeitung schrieb er Reportagen, verfasste Prosatexte und malte. 1947 veröffentlichte Weiss „Der Vogelfreie” - sein erstes in deutscher Sprache geschriebenes, aber nicht in Deutschland veröffentlichtes Buch.

Peter Weiss hatte die 40 schon überschritten, als 1960 zum ersten Mal ein Buch von ihm in Deutschland erschien. Mit den autobiografischen Romanen „Abschied von den Eltern” (1961) und „Fluchtpunkt” (1962) und den großen politischen Dramen wie „Marat/Sade” gelang ihm der Durchbruch auch international.

Weiss war ein Multitalent. Neben der Malerei, mit der er seine künstlerische Laufbahn begann, drehte er in den 50er Jahren Dokumentar- und Experimentalfilme, arbeitete als Lehrbeauftragter an der Stockholmer (Volks-)Hochschule zu Filmtheorie- und -praxis sowie der Theorie des Bauhauses und verfasste filmtheoretischen Überlegungen.

Im Oktober 1965 wurde das Oratorium „Die Ermittlung” gleichzeitig an 15 Bühnen der Bundesrepublik und der DDR, später in Europa und New York uraufgeführt. Das Werk stellt eine szenische Dokumentation des Frankfurter Auschwitz-Prozesses dar. Die Tantiemen aus westeuropäischen Aufführungen spendete Weiss ehemaligen Auschwitz-Häftlingen und Opfern des südafrikanischen Apartheid-Regimes.

Weiss ist Mitglied der schwedischen Kommunistischen Partei. In den „Zehn Arbeitspunkten eines Autors in der geteilten Welt” bekennt er sich unmissverständlich zum Sozialismus, benennt aber auch schonungslos dessen Fehler. Als Marxist wurde er im Westen skeptisch betrachtet, und im Osten als Kritiker sozialistischer Verhältnisse ebenfalls.
Dennoch erhielt er auf beiden Seiten Auszeichnungen. Den Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg bekam er 1965 und ein Jahr später den Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin.

1967 nahm er am Bertrand-Russell-Tribunal gegen den Vietnam-Krieg in Stockholm teil.

Nach einer Publikationspause veröffentlichte Weiss 1975 den ersten Band der Trilogie „Die Ästhetik des Widerstands”. Die nachfolgenden Bände erschienen 1978 und 1981. Das Werk stellt einen Versuch dar, die historische und gesellschaftliche Erfahrung der Zeit zwischen 1917 und 1945 sowie ihre ästhetischen und politischen Erkenntnisse darzustellen. Darin entwirft er ein Gesamtbild der europäischen Linken in diesem Zeitraum. Ein Kernanliegen des Werkes ist die Reflexion über das Verhältnis zwischen Kunst und Politik. Für Linke in West- und Ostdeutschland wird „Die Ästhetik des Widerstands” zum Kultroman.

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