Er erhielt auf eigenen Wunsch ein weltliches Begräbnis

Auguste Rodin

* 12. November 1840, Paris; Δ 17. November 1917, Paris;
französischer Bildhauer und Zeichner. Er gilt als ein bedeutender Wegbereiter der Moderne, der neue Maßstäbe auf dem Gebiet der Plastik und der Skulptur setzte und diese Kunst auf verschiedenste Weise beeinflusste.

Er widersetzte sich dem vorherrschenden idealisierenden Akademismus und versuchte sich in neuen Darstellungsformen. Dabei verstand er sich und seine Kunst als „Brücke zwischen Gestern und Morgen”. Rodins Stil wurde immer wieder neu einzuordnen versucht, unter anderem beispielsweise als impressionistisch, symbolistisch oder realistisch. Auch als Vorbereiter des Expressionismus und des Kubismus wurde er angesehen.

Rodin wurde als Sohn einer Pariser Beamtenfamilie geboren. Er entdeckte früh sein künstlerisches Talent und sein Interesse für die Bildhauerei. Seine Bewerbung an der renommierten „École des Beaux-Arts”, scheiterte jedoch dreimal.

Als 1862 seine Schwester starb und er in eine Lebenskrise geriet, trat er in eine Pariser Ordensbruderschaft ein. Nach zwei Jahren erkannte er, dass Religion nicht seine Berufung war und folgte der Empfehlung des dortigen Abtes, sich wieder der Kunst zu widmen. Ab 1864 arbeitete Rodin  für den Bildhauer Albert Ernest Carrier-Belleuse, löste dann aber wegen künstlerischer Kontroversen die Zusammenarbeit. Danach erhielt er öffentliche Aufträge, die ihm auch erste künstlerische Anerkennung einbrachten.

Der Höhepunkt seines Schaffens fiel in die Jahrzehnte zwischen 1870 und 1900. Mit dem Bronzewerk „Das eherne Zeitalter” gelang es ihm 1876 bekannt zu werden. 1885 erhielt er von der Stadt Calais den Auftrag für ein Denkmal, mit dem der sechs legendären Bürger, die sich während der englischen Belagerung 1347 für die Stadt opferten, gedacht werden sollte. Die Bürger von Calais ist ein Paradebeispiel für Rodins innovative, damals sogar revolutionäre Kunstauffassung. In der damaligen Denkmalkunst galt die Frage der Präsentation als zentrales Würde-Motiv des Werkes. Rodins Entwurf holte seine Figuren auf Augenhöhe der Betrachter zurück, statt sie auf den gängigen erhabenen Sockel zu stellen. Dieser Ansatz ist als „Demokratisierung” der Plastik in allgemeinen und der Denkmalkunst im speziellen zu verstehen und stieß zunächst einmal auf Unverständnis. So gelangten seine „Bürger" erst 1945 ebenerdig platziert vor das Rathaus in Calais.

1894 siedelte Rodin nach Meudon über und scharte dort einen Kreis junger Schriftsteller und Künstler um sich. In den Jahren 1905/06 war Rainer Maria Rilke als Privatsekretär Rodins tätig und verfasste eine Biografie über Rodin.

Rodin versuchte das Fragmentarische bewusst als ausdruckstragendes Stilmittel zu verwenden. Auch seine erst spät entstandenen eigenständigen Zeichnungen und Aquarelle, die mit sparsamsten Mitteln über große Ausdruckskraft verfügen, dürfen als recht kühn angesehen werden. Eine Handvoll erotischer Zeichnungen, die 1906 in Weimar ausgestellt wurden, führte sogar zum Rücktritt des damaligen Direktors des großherzoglichen Museums in Weimar.

Rodin war ein Rationalist, unabhängig von religiösen Doktrinen und erhielt auf eigenen Wunsch ein weltliches Begräbnis.

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