Meister des Vermischens von Phantasie und Realität

Sir Salman Rushdie

* 19. Juni 1947 in Bombay (heute Mumbai), Indien;
indisch-britischer Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Literatur gehört.

Seine Erzählungen reichert er mit phantastischen Elementen aus der Märchenwelt an. Dieses Vermischen von Mythos und Phantasie mit dem realen Leben wird als magischer Realismus bezeichnet. Rushdie schreibt in englischer Sprache. Aufgrund der gegen ihn von Ajatollah Khomeini verhängten Fatwa gilt er weltweit als Symbol gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

Rushdie wuchs in Bombay auf. Sein Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Dieser Tatsache verdankte er es, dass er 1961 nach England aufs Internat kam und britisch erzogen wurde. Seit 1964 ist er britischer Staatsbürger. Er studierte Geschichte am King's College in Cambridge und erprobte dann seine Talente beim Theater, als Journalist und 1969 bis 1973 als Werbetexter. Er engagierte sich weltweit für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen.

Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 1981 mit dem Buch „Mitternachtskinder", wofür er mit dem Booker-Preis ausgezeichnet wurde. Einen weiteren Erfolg verzeichnete er 1988 mit seinem Werk „Die satanischen Verse". Mit der Begründung, dass dieses Buch eine Verunglimpfung des Islam, des Propheten und des Koran sei, verurteilte ihn der iranische Staatschef Chomeini 1989 mittels einer Fatwa zum Tode und rief weltweit alle Moslems zur Vollstreckung dieses Urteils auf. Trotz internationaler Proteste wurde ein Kopfgeld von drei Millionen US-Dollar dafür ausgesetzt und selbst nach der Entschuldigung Rushdies für die kritisierten Passagen, erhöhte die Regierung in Teheran das Kopfgeld für seine Tötung im März 1991. Der iranische Staatspräsident Khatami erklärte erst 1998, dass man die von Khomeini verhängte Fatwa auf sich beruhen lassen wolle. Einige fundamentalistische Moslems wollen dies jedoch nicht akzeptieren und bedrohten Salman Rushdie danach erneut mit der Vollstreckung des Todesurteils.

Der Dichter lebte wegen der erhaltenen Morddrohungen in erzwungener Isolation, getrennt von seiner Familie an ständig wechselnden Wohnorten und unter Polizeischutz. Die zahlreichen Drohungen und Anschläge gegen die Verlage und die Ermordung mehrerer Übersetzer verhinderten den Erfolg des Buches nicht.

Auch das folgende Werk „Des Mauren letzter Seufzer" erregte bei seinem Erscheinen 1995 besonders in Indien großes Aufsehen. Das Buch wurde in Bombay auf den Index gesetzt, weil es sehr deutliche Anspielungen auf die Führer der Hindu-nationalistischen Bewegung von Bombay enthält.

Für sein Lebenswerk wurde Salman Rushdie 1999 von der Freien Universität Berlin sowie der Universität Lüttich mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Er erhielt unzählige renommierte Preise, der herausragendste ist der Aristeion-Literaturpreis der EU für sein Gesamtwerk.

Rushdie gehört zu den Unterzeichnern des Manifestes der 12 gegen den Islamismus als neue totalitäre Bedrohung.

Seit dem Frühjahr 2007 ist Salman Rushdie als sogenannter "Writer in Residence" an der amerikanischen Emory University tätig. Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde er zum Ritter geschlagen ("Sir"). 

Zitate
„Ich brauche, um ein moralisches Wesen zu sein, keinen obersten heiligen Schiedsrichter."
„Als ich ein junger Mann war, war Religion im Wesentlichen am Ende. Leute, die von Religion sprachen, waren sozusagen Idioten. Es schien undenkbar, dass es ein Revival der Religion als zentrale Kraft in der Weltpolitik geben könne. Religion war uncool. Dummerweise haben, während wir damit beschäftigt waren, cool zu sein, die uncoolen Leute die Welt übernommen."

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