Sie war politisch engagiert und unbequem

Alma Kettig

* 5. November 1915 in Wuppertal; Δ 5. August 1997 ebenda;
deutsche Politikerin der SPD, Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, Gewerkschafterin, Friedensaktivistin und Freidenkerin. Zeit ihres Lebens war sie politisch engagiert und unbequem.

 

Kettig stammte aus einer politisch aktiven Arbeiterfamilie. Ihre Mutter war es vor allem, die die Kinder in das politische und kulturelle Leben einführte und sie zu Partei­versammlungen mitnahm. Kettig absolvierte eine weltliche Schule, erhielt die Jugendweihe und trat mit vierzehn Jahren zunächst der sozial­demokratisch ausgerichteten Sozialistischen Arbeiterjugend bei. Zwei Jahre später ging sie zur links­oppositionellen SAPD, für die sie auch Widerstand leistete. 1945 schloss sie sich wieder der SPD an und wurde 1953 in den Bundestag gewählt.

Sie gehörte zum linken Flügel der Partei und bekämpfte die Wieder­bewaffnung, die Integration der Bundesrepublik in die Nato und die atomare Rüstung. Immer wieder verweigerte sie sich bei Abstimmungen zu diesen Fragen der Fraktions­disziplin. Alma Kettig war eine der neunzehn Abgeordneten der SPD-Fraktion, die bei der entscheidenden Abstimmung gegen die Wieder­einführung der Bundeswehr am 6. März 1956 mit einem offenen „Nein” stimmte.

Je mehr sich die SPD an die in und mit der Bundes­republik geschaffenen Tatsachen anpasste, desto isolierter wurde ihre Position in der SPD-Fraktion. Sie trat offen gegen die Wieder­bewaffnung und die NATO auf. 1965 galt sie als Außenseiterin, als sie mit einigen wenigen Genossen gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze stimmte. Sie hatte inzwischen weder in der Parteispitze noch in der Fraktion Unterstützung und war die einzige, die gegen den Verteidigungsetat stimmte. Sie wurde deswegen verleumdet, diskriminiert und unter Druck gesetzt, ihren Sitz im Bundestag aufzugeben. Als sie von verschiedenen Seiten beschuldigt wurde, Informationen an die DDR weitergegeben zu haben, was sie vehement bestritt, legte sie 1965 resigniert ihr Bundestags­mandat und ihre Parteiämter nieder, blieb aber Mitglied der SPD.

Da es damals noch keine Versorgungs­regeln für Abgeordnete gab, war sie zunächst drei Jahre arbeitslos, bis sie zunächst im Großhandel, später dann als freie Journalistin tätig werden konnte.

Sie blieb politisch aktiv, engagierte sich in der Westdeutschen Frauen­friedens­bewegung, in der Gewerkschaft und wurde 1983 zweite Vorsitzende der Wuppertaler Orts­gruppe des Deutschen Freidenker­verbandes.