Humanist, Moralist und Nobelpreisträger

Elias Canetti

* 25. Juli 1905 in Russe/Bulgarien; Δ 14. August 1994 in Zürich;
deutschsprachiger Schriftsteller. Der brillante, hochintellektuelle Humanist und Moralist, wollte mit seinen Arbeiten dazu beitragen, dem menschlichen Sein auf die Spur kommen und die Welt zu verändern.

 

Er wurde als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Bulgarien und England. Sein Vater starb bereits 1912 und seine Mutter zog mit den Kindern in den deutschsprachigen Raum, wechselte aber häufig den Wohnsitz. 1921 zog er nach Frankfurt am Main, wo er dann auch sein Abitur ablegte.

1924 ging er zurück nach Wien, um dort Chemie zu studieren, widmete sich aber mehr und mehr der Literatur. Seine Freundin und spätere Frau Veza Tauber unterstützte seine literarische Leidenschaft. Ausschlaggebend für seinen literarischen Werdegang war die Begegnung mit dem Kritiker Karl Kraus, dessen Vorlesungen er regelmäßig besuchte. Bereits zu jener Zeit begann er, für sein Projekt einer Studie über das Phänomen der Masse, Material zu sammeln. Den Anstoß dazu hatten seine Erfahrungen bei den Demonstrationen in Frankfurt anlässlich der Ermordung Walther Rathenaus und dem Brand des Justizpalastes in Wien gegeben.

Er fand Kontakt zu Vertretern der politischen Linken, mit der er sympathisierte. 1928 arbeitete er in Berlin für den Malik-Verlag. Nachdem er 1929 sein Chemiestudium mit einer Dissertation abgeschlossen hatte, arbeitete er erneut für den Malik-Verlag als Übersetzer.

1930/31 schrieb er den Roman „Die Blendung". Dieser wie auch seine ersten Dramen blieben zunächst unveröffentlicht. Er brachte sie ausschließlich durch Lesungen dem Publikum nahe. 1935 erschien schließlich sein Roman, jedoch erwies sich eine literarische Karriere für ihn angesichts des auch in Österreich zunehmenden Antisemitismus als illusorisch. Canetti verließ Ende 1938 mit seiner Frau Österreich und reiste über Frankreich nach England. Endlich konnte er sich seinem lange geplanten Projekt über die Masse widmen. Auch nach dem Ende des Krieges blieb er in England und erwarb 1952 die britische Staatsbürgerschaft. Obwohl das Manuskript von „Masse und Macht" in den 1950er Jahren schon fast fertig war, veröffentlichte er es 1960. Wahrgenommen wurde er eher durch seine Essays. In den 1970er Jahren wurde er auch in der deutschen Öffentlichkeit durch Lesungen, Interviews, Veröffentlichungen und durch seine Stücke bekannter.

Seit den späten 1960er Jahren wurde Canetti mit vielen Preisen und Auszeichnungen bedacht und erhielt schließlich 1981 der Nobelpreis für Literatur. Der erste Band seiner lange geplanten Autobiographie, „Die gerettete Zunge" erschien 1977 und wurde ein großer Erfolg. Canetti reagierte auf diesen großen Erfolg indem er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog. Nach dem er den Literatur-Nobelpreis erhalten hatte, entschloss er sich keine Interviews mehr geben und keine Lesungen mehr zu halten.

Trotz der Verschiedenartigkeit der von ihm benutzten Genres, waren die Themen relativ ähnlich. Er versuchte die Auswirkungen, die das Bewusstsein des Todes für das Leben des Menschen hat, zu erforschen. Deshalb interessierte er sich für die verschiedenen Religionen und Glaubensformen. Die aktuellen politischen Ereignisse seiner Zeit weckten sein Interesse an Massenphänomenen und Erscheinungsformen der Macht.

Zitat:
„Das Glück, sich auf die Ferne zu beziehen, von dem alle überkommenen Religionen zehren, kann unser Glück nicht mehr sein."