Pazifist, Weltbürger - „Über dem Getümmel”

Romain Rolland

* 29. Januar 1866 in Clamecy, Δ 30. Dezember 1944 in Vézelay;
französischer Schriftsteller und Musikhistoriker, Professor für Musikgeschichte in Paris;

 

Rolland wurde als Sohn eines Notars geboren und erhielt eine gutbürgerliche Erziehung und Bildung. Nachdem er erst eine katholische Schule besuchte, wechselte er später an das Elitegymnasium Louis-le-Grand nach Paris. Dort erwarb er sich die Zulassung zur École Normale Supérieure. Dort studierte er bis 1889 Literatur und Geschichte. Nach erfolgreichem Abschluss und der Einstellung als Gymnasialprofessor ging er für 2 Jahre nach Rom, um Material für seine Doktorarbeit zu sammeln.

Ab 1904 hatte er eine Dozentur für Musikgeschichte an der Sorbonne inne. In den folgenden Jahren unternahm Rolland viele Reisen durch West- und Mitteleuropa und verbrachte längere Arbeitsurlaube in der Schweiz. Er schrieb erzählende Texte, Essays, musik- und kunsthistorische Schriften sowie Biografien, zum Beispiel Beethovens (1903), Michelangelos (1907), Händels (1910) und Tolstois (1911). Zu dieser Zeit entstand auch das Fragment einer Biografie von Georges Bizet. Ab 1912 entschloss er sich, auch wegen einer längeren Krankheit, nur noch als freier Schriftsteller zu arbeiten.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges traf in während eines Aufenthaltes in der Schweiz überraschend, die er dann lange Zeit nicht verlässt. Von hier aus engagierte er sich gegen Militarismus, Nationalismus und Krieg, unter anderem mit seiner 1915 erschienenen und umstrittenen Essaysammlung „Au-dessus de la mêlée” („Über dem Getümmel”). Er war leidenschaftlicher Kriegsgegner und Vorkämpfer idealistischer und humanitärer Bestrebungen.

In den Jahren von 1917 bis 1919 entstand die beißende Kriegssatire „Liluli”, in der Rolland die Menschheitsidole Vaterland und Kirche anprangert. 1923 war er Mitgründer der Zeitschrift „Europe”, die sich insbesondere für eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland einsetzte. In den 1920er Jahren sympathisierte er mit der Kommunistischen Partei Frankreichs und war bis 1936 Verehrer der Sowjetunion. Danach ging er auf Distanz, weil er Stalins Terror verurteilte. Später wandte er sich indischem Gedankengut zu (Mahatma Gandhi, Hermann Hesse), blieb aber seinen linken Idealen treu. 1944 reiste er trotz Krankheit aus seinem Domizil in Burgund zu einem Empfang der Sowjetischen Botschaft nach Paris.

1915 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, „als Anerkennung für den hohen Idealismus seines dichterischen Werkes und für die Wärme und Wahrhaftigkeit, mit der er die Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit dargestellt hat”.

Zitate:

„... je mehr die Menschheit altert, um so weitreichender und mörderischer wird die Macht des Götzen.” (Aus „Über dem Getümmel”) 

„Seit über vier Jahrtausenden ist die Menschheit unaufhörlich geknechtet worden ... von den Wahngebilden ihres Geistes ... Aus jedem Befreier macht sie sich einen Herrn, und aus jedem Ideal, das sie befreien sollte, verfertigt sie sofort einen plumpen Götzen”. (Aus: „Über dem Getümmel”).