Der Autor befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene. Er schreibt zudem für watson.ch.
Glaubensgemeinschaften prägen unser Bewusstsein auch in Zeiten der Säkularisierung stärker, als wir ahnen. Bis vor ein paar Jahrzehnten war der überwiegende Teil der Menschheit in irgendeiner Weise gläubig. In vielen Weltgegenden ist dies auch heute noch so. Glauben und Religion sind seit Jahrhunderten zentraler Teil unserer geistigen DNA. Sie haben uns mehr geprägt als Politik und Kultur.
Die rechtsnationalen christlichen Fundamentalisten in den USA erleben zurzeit eine Götterdämmerung der seltenen Art. Seit Jahrzehnten kämpfen sie auf der Politbühne verbissen gegen das Recht auf Abtreibung, nun schafften sie den Durchbruch beim Supreme Court, dem obersten Gericht der USA.
Individualisierung, Säkularisierung und ein wissenschaftliches Bewusstsein verhindern das Entstehen neuer Weltreligionen. Die traditionelle Religionen lassen sich nicht modernisieren.
Glaubensgemeinschaften sehen sich als Hüter von Moral und Ethik. Pastoren von radikalen Freikirchen fühlen sich deshalb als Experten bei der Beurteilung von Gut und Böse und taxieren die Sünden. Weit oben in der Skala angesiedelt ist das angebliche Fehlverhalten in sexuellen Belangen. Einen Spitzenplatz nimmt dabei die Homosexualität ein, die als eine Art Ursünde angesehen wird. Doch damit manövrieren sich manche Freikirchen direkt in Teufels Küche.
Eine Dokumentation der Filmemacherin Eveline Falk porträtiert Aussteiger aus der Sekte "Organische Christus Generation" (OCG). Die Dokumentation entlarvt dabei auch den "Propheten Ivo Sasek".
Esoterik ist ein pseudospirituelles Phänomen, das viele Leute in der westlichen Hemisphäre in seinen Bann zieht. Ihnen wird ein Bewusstseinswandel, eine geistige Transformation, die Befreiung von Leiden aller Art und oft auch die Erleuchtung versprochen.
"Corona – war da mal was?", fragt sich heute mancher. Hat bis vor zwei Wochen die Pandemie die weltweiten Schlagzeilen beherrscht, wird sie aktuell von der Berichterstattung über Putins Krieg gegen die Ukraine abgelöst.
Die deutsche Heilerin und Theologin Annette Grübnau hat ein Buch über die angeblich bahnbrechenden Erfolge der "Aurachirurgie" geschrieben. Die riesige Gilde der Heilerinnen und Geistheiler – die schweizer Szene umfasst weit über 10.000 Exponenten – nutzt alle sprachlichen und methodischen Tricks, um potenzielle Kundinnen und Kunden anzulocken.
Demut, Achtsamkeit, Harmonie und Liebe sind die zentralen Attribute der esoterischen und spirituellen Heilsvorstellungen. Zuoberst auf dem übersinnlichen Olymp steht meist die Liebe. Die Besonderheit bei ihr: Sie muss möglichst bedingungslos sein, wie viele spirituelle Meister verkünden. Missbrauch ist so auch im esoterischen und spirituellen Milieu keine Seltenheit.
Was ist eine Sekte? Wie definierte man sektenhafte Glaubensgemeinschaften? Grundsätzlich kann man festhalten: Aus der Sicht von vereinnahmenden Gruppen sind – ausser natürlich sie selbst – alle anderen Sekten. Es zeigt sich: Der herkömmliche Begriff von Sekten ist längst überholt. Es braucht neue Definitionen.