Fabrikant, deutscher Buddhist, Freidenker, Sonderling

Arthur Pfungst

* 9. März 1864 in Frankfurt, Δ 3. Oktober 1912;
Freidenker, Förderer der Kartellbewegung freigeistiger Verbände, der weltlichen Schule, Freien Akademie, Verleger, Herausgeber der freigeistigen Zeitschrift das „Freie Wort".

Einem jüdischen Elternhaus entstammend war Pfungst Inhaber der Frankfurter Naxos-Union, dem führenden deutschen Importeur und Produzenten von Schmirgel. Er verfocht, seinem Vater Julius Pfungst folgend, das Konzept einer konsequenten Fabrikgemeinschaft, weshalb er demonstrativ dem Arbeitgeberverband fernblieb.

Als Kind hatte Pfungst den ersten Fröbelschen Kindergarten absolviert. Er war Erfinder und Betriebswirt, zudem ein vielseitiger Autodidakt, promovierter Naturwissenschaftler, Übersetzer, Publizist und Sponsor von Freibibliotheken, Lesehallen und Volkshäusern. Arthur Pfungst führte 1906 den Begriff des „Hooligans" nach Deutschland ein, übrigens als „russisches" Phänomen (russ. chuligan). Er setzte dieses Rowdytum (russ. chuliganstwo) mit der präfaschistischen und extrem antisemitischen Organisationsform gleich, die es damals in Russland mit den „Schwarzhundertern" annahm, so bezeichnet nach ihrer uniformen Kleidung. Der von Pfungst gezeigte Ausweg bestand in kultureller Bildung. Nur sie könne Gewaltangriffe verhindern, denn ein Hooligan sei ein nicht genügend gebildeter Mensch. Pfungst forderte freie Bildungsarbeit in einer demokratischen Gesellschaft.

Die besondere Vorliebe von Pfungst galt der indischen Kultur, insbesondere dem Buddhismus. Die Mahãbodhi-Gesellschaft sah in ihm ihren offiziellen Repräsentanten und würdigte ihn wiederholt in ihrer Zeitschrift Mahãbodhi-Blätter.

Folgt man seinen Biographen, so wollte Pfungst eine Weltanschauung in Deutschland einführen, die sich aus den Lehren des naturwissenschaftlich begründeten Monismus Ernst Haeckels und den Weisheiten und Regeln des Buddha zusammensetzen sollte. Dafür habe er in der von ihm mitbegründeten "Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur" und im Weimarer Kartell die Organisationen gesehen, „denen er seinen Geist einzuflößen und zu vererben wünschte." Ab 1911 war er Vorsitzender des „Weimarer Kartells" und seit 1909 im „Komitee Konfessionslos".

Im Jahre 1900 stiftete Pfungst der freigeistigen Bewegung den Neuen Frankfurter Verlag, der zu einer Zentrale freigeistiger Literatur in Deutschland wurde und die Bibliothek der Aufklärung herausgab. In dieser Reihe erschienen zwischen 1911 und 1914 zahlreiche philosophische und kirchenkritische Studien. Daneben veröffentlichte der Verlag in den Jahren 1901/02 acht Flugschriften. Vor allem finanzierte Pfungst seit 1907 die Zeitschrift "Das freie Wort" mit der Beilage "Der Dissident".

Pfungst war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern zugleich ein Sonderling, der selbst in Wirtschaftsverhandlungen eine Sanskrit-Grammatik aufschlug. Zudem teilte er die Wissenschaftsgläubigkeit seiner Zeit derart, dass er in seiner eigenen Personalpolitik graphologischen und physiognomischen Gutachten vertraute.

In den 1920er Jahren veröffentlichte seine Schwester und Erbin des Unternehmens, Marie Pfungst, in vier Büchern seine Gesammelten Werke.