Vehementer Verteidiger der persönlichen Freiheitsrechte

John Stuart Mill

* 20. Mai 1806 in Pentonville, London; Δ 7. Mai 1873 in Avignon;
englischer Philosoph und Ökonom und einer der einflussreichsten liberal-demokratischen Denker des 19. Jahrhunderts. Noch heute gilt Mill als ein Klassiker des sozial ausgerichteten Liberalismus.

Mills politische Hauptwerke sind „On Liberty“ (Über die Freiheit, 1859) und „Representative Government“ (Regierung durch Volksvertretung, 1861). Vehement verteidigt er die persönlichen Freiheitsrechte. Die freie Meinungsbildung und -äußerung ist „eine Notwendigkeit für das geistige Wohlbefinden der Menschheit, von dem ihr gesamtes sonstiges Wohlbefinden abhängt“.
Mill begeistert sich zwar für die Demokratie, weiß aber auch um die Fehler demokratischer Mehrheiten. Einzelpersönlichkeiten werden durch die „kollektive Mittelmäßigkeit“ meist unterdrückt. Um aber weit blickende, intellektuelle Persönlichkeiten, die notwendig sind, als Minderheit nicht untergehen zu lassen, müssen diese auch in einer Demokratie einen besonderen Schutz erfahren. Das Verhältniswahlrecht erscheint dafür das geeignetste Mittel zu sein. Die Freiheit muss auch gegen die Demokratie verteidigt werden und kann nicht durch freiwilligen Verzicht eines einzelnen noch durch Mehrheitsbeschluss aufgehoben werden. In frei gewählte Volksvertretungen sieht Mill die beste Staatsform, in der persönliche Freiheit, freie Meinungsäußerung, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit selbstverständlich sind. Bei dem von ihm vertretenen Wahlrecht, ist auch das Frauenwahlrecht inbegriffen. Er macht jedoch einen Unterschied zwischen den reichen Gebildeten und den armen Ungebildeten. Freie Meinungsäußerung und Meinungsvielfalt ist für ihn enorm wichtig. Da „die Menschheit nicht unfehlbar ist, ihre Wahrheiten größtenteils nur Halbwahrheiten sind“, ergibt sich, dass im Staate „eine Einheitsmeinung, außer sie resultiert aus vollstem und freiestem Vergleich entgegengesetzter Meinungen, nicht erwünscht und Vielfältigkeit kein Übel, sondern gut ist.“
Da er in der Praxis feststellte, dass in der gegebenen Gesellschaftsform das Arbeitsprodukt „fast in umgekehrtem Verhältnis zur geleisteten Arbeit“ angeeignet wurde, trat er für eine soziale Gesetzgebung ein. Sein entwickeltes System beruhte auf einer Kombination von Bodenreform, kapitalistischer Erzeugung und sozialistischer Verteilung. Über die Fabier erlangte Mill erheblichen Einfluss auf den englischen Sozialismus.
Religiös nahm Mill, aus ethischen Gründen, ein höchstes, göttliches Wesen an. Aufgrund der kosmologischen Tatsachen bezweifelte er jedoch die Allmacht Gottes sowie andere Grundlagen des Christentums.
Zitate:
„Wäre die ganze Menschheit eine Meinung und nur ein einziger Mensch der gegenteiligen Ansicht, so hätte die Menschheit nicht mehr Recht, ihn zum Schweigen zu verurteilen, als er das Recht hätte, die Menschheit zum Schwelgen zu bringen.“
„Das Prinzip der Freiheit kann nicht das Recht in sich schließen, nicht frei zu sein.“