„Der Gesang hat einen Sinn, ...” Wir werden siegen!

Victor Jara

* 28. September 1938 in Chillán, Δ 16. September 1973 in Santiago de Chile (ermordet);
chilenischer Komponist, Sänger und Regisseur. Unter Rückgriff auf die chilenische Liedtradition thematisierte er die sozialpolitischen Probleme Chiles und ganz Lateinamerikas;

 

Durch seine Lieder gewann er künstlerisch und politisch großen Einfluss. Aus diesem Grunde wurde er während des Militärputsches gegen Salvador Allende ermordet.

Jara wurde in ärmlichen Familienverhältnissen geboren. Die Ehe der Eltern bröckelte, vor allem wegen der Alkoholprobleme des Vaters und der damit verbundenen Gewalttätigkeit gegen seine Mutter. Amanda Jara verließ ihren Mann und zog mit den Kindern in die Hauptstadt Santiago de Chile. Sie war ein sehr wichtiger Teil in Jaras Leben, weil sie ihm das Gitarrespiel beibrachte und ihm die traditionelle chilenische Folklore vermittelte.

Nach dem Tod seiner Mutter brach er seine Ausbildung zum Buchhalter ab und studierte zwei Jahre Theologie. Jedoch fand er darin keinen Trost, im Gegenteil, er verlor den Glauben an die Religion und entdeckte die Liebe zum Theater. Dank seines Talents und seines Willens studierte er trotz der sozialen Schranken in Chile an der Universität und wurde ein bekannter Schauspieler und Regisseur, der an vielen Theaterproduktionen teilnahm. 1965 wurde er als bester Regisseur des Landes geehrt.

Das Zusammentreffen mit Violeta Parra, einer Sängerin, Café-Besitzerin und Bewunderin der traditionellen chilenischen Folklore führte ihn wieder zum Gesang. In ihrem Lokal trat Jara ab 1966 verstärkt als Sänger auf. Dort traf sich der „Pena de los Parra”, ein politischer und musikalischer Freundeskreis, von dem das „ Nueva Canción” seinen Ausgang nahm, eine revolutionäre musikalische Bewegung in Südamerika, dessen großer Vertreter Jara ist. Hier gründete Victor Jara auch die Gruppe Quilapayun, deren Leiter er bis 1969 blieb.

Während dieser Zeit begann er sich in der chilenischen Politik zu engagieren. 1966 erschien seine erste Platte, „Victor Jara”. Im selben Jahr erschien die Single „La beata”, ein chilenisches Volkslied, in dem eher humoristisch die Liebe einer Frau zu ihrem Beichtvater besungen wird. In Jaras Interpretation wurde das Lied zum Skandal und durfte nachfolgend nicht mehr im Rundfunk gespielt werden.

Jara wurde zur Stimme der Hoffnung des chilenischen Volkes auf Freiheit und Gerechtigkeit und unterstützte die Unidad Popular und Salvador Allende im Wahlkampf. Seine Lieder beschreiben die einfachen Leute, ihr Leben und ihre Probleme in einer unbarmherzigen Gesellschaft. Er arbeitete zwar bis 1970 weiter als Theaterdirektor, widmete sich aber zunehmend immer mehr seiner Karriere als Sänger und Liedermacher.

Seine politischen Ideen bildeten einen wichtigen Bestandteil seines Schaffens. Er war wie viele progressive Künstler Südamerikas Mitglied der Kommunistischen Partei, war aber kein Dogmatiker und stand für intellektuelle Freiheit.

Am 11. September 1973, während des Militärputsches gegen die Regierung Allende, wurde Victor Jara festgenommen und fünf Tage lang, wie auch viele seiner Leidensgenossen, im Stadion von Santiago gefoltert. Seine Peiniger zerquetschten ihm die Hände, damit er nicht mehr Gitarre spielen konnte. Ungebrochen, so wie er es in seinem Lied Manifest (siehe Zitat) beschworen hatte, hob Victor Jara dennoch seine Stimme, um das Lied der Unidad Popular (Venceremos - „Wir werden siegen”) zu singen. Daraufhin wurde er zusammengeschlagen und getötet.

Im September 2003, zum 30. Jahrestag seiner Ermordung, wurde das Estadio Chile offiziell in Estadio Victor Jara umbenannt.

Zitat:

Der Gesang hat einen Sinn,
tönt er in den Adern des Sängers,
der auch noch beim Sterben
die Wahrheit offen heraussingt.