Notizen aus Russland

Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in Frankreich 

Paris. Im Rahmen seines

ersten offiziellen Besuchs im laizistischen Frankreich wurde Alexi II., Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche von Moskau und ganz Russland, am 3. Oktober vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy empfangen.

Das Kirchenoberhaupt hatte bei diesem Treffen „die Wichtigkeit der Erhaltung der christlichen Werte in Europa betont und die Situation der orthodoxen Kirche in Frankreich charakterisiert". Sarkozy wiederum betonte die Einigkeit der Christen Europas für die Erschaffung einer humaneren und gerechteren Gesellschaft sowie für eine erfolgreiche Tätigkeit der orthodoxen Organisationen in Frankreich. Er unterstützte auch die Idee des Patriarchen, in Paris eine neue orthodoxe Kirche zu bauen.

Bezüglich eines Treffens zwischen Alexi II. und dem Papst konstatierte Metropolit Kirill, Oberhaupt des kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats: „Es gibt eine Reihe von Fragen der allgemeinen Agenda, die für ein Treffen der Kirchenoberhäupter gelöst werden müssen. Doch wir stehen nicht still, wir sind in Bewegung. In der letzten Zeit sind positive Resultate erreicht worden". (Deutsch)

„Formel-1" der Kirchen

Moskau, 5. Oktober. In Vorbereitung auf einen intensiveren Dialog mit dem Vatikan hat das Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Frage der Vorherrschaft innerhalb der Ökumene der christlichen Kirchen beschäftigen wird. Sie soll ein Dokument erarbeiten, dass die Auffassung der ROK hierzu definieren wird.

Im Unterschied zur römisch-katholischen Kirche haben die orthodoxen Kirchen keinen gemeinsam anerkannten Oberpriester. Dennoch unterhält der Vatikan in erster Linie Kontakte zum Patriarchen von Konstantinopel (Istanbul) als quasi „orthodoxem Papst". Doch die orthodoxen Kirchen unterscheiden sich in der Bewertung und Anerkennung des dort ansässigen Patriarchen. Einige betrachten ihn als höchste kirchlich-juristische Instanz mit koordinierender Funktion, andere sehen in ihm lediglich symbolisch das höchste orthodoxe Würdenamt.

Mit der Frage zum Primat des römischen Papstes und des Patriarchen von Konstantinopel wird sich auch die zweite Sitzung der gemeinsamen orthodox-katholischen Theologiekommission beschäftigen. Sie findet ab dem 9. Oktober eine Woche lang im italienischen Ravenna statt. Der Vertreter des Moskauer Patriarchats bei der Europäischen Union erklärte vorab, dass es in Bezug auf die Vorherrschaft keinerlei Kompromisse seitens der russisch-orthodoxen Kirche geben wird. (Russisch)

Moralapostel Alexi II. vor dem Europarat

Straßburg, 3./8. Oktober. Holger Haibach, Bundestagsabgeordneter der CDU und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, hat die Äußerungen des russisch-orthodoxen Patriarchen von Moskau Alexi II. am 3. Oktober vor dem Europarat in Straßburg scharf kritisiert. „Wer beklagt, dass auf Grundlage der Menschenrechte unmoralische Handlungen gerechtfertigt würden, die zu sozialen Problemen führten, der hat ein vormodernes Weltbild und steht jenseits der Rechte und Werte, die der Europarat verkörpert", so der Abgeordnete. Gleichzeitig griff Haibach den Patriarchen wegen seiner Verteidigung des Verbots von Schwulen-Paraden in Russland an: „Diese Äußerungen stellen eine eklatante Missachtung des in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschriebenen Rechts auf Achtung des Privatlebens und des Diskriminierungsverbots dar."

Der russische Patriarch hatte in Straßburg die „Zerstörung moralischer Normen" in Europa beklagt und Paraden von Schwulen und Lesben als „Propaganda und Werbung für eine Sünde" bezeichnet. Er bezeichnete Homosexualität als Krankheit, die mit Kleptomanie zu vergleichen sei.
„Warum wird Kleptomanie von niemandem zur Schau getragen? Dabei werben Gay-Paraden für Homosexualität und zwingen diese den Menschen auf, die weit davon entfernt sind", so Alexi II.

Das Oberhaupt der ROK kritisierte zugleich eine „neue Generation von Gesetzen", die im Namen der Menschenrechte „unmoralische Handlungen" rechtfertigten. Der Mangel an Moral führe zu ernsten sozialen Problemen und vergrößere den Graben zwischen Armen und Reichen in Russland, aber auch in anderen Ländern Ost- und Westeuropas, immer mehr.

Terry Davis, Generalsekretär des Europarats, bekundete nun ebenfalls in einem Interview für die russische Zeitung „Kommersant" sein Unverständnis über die Äußerungen von Alexi II. „Seine Worte haben nicht zur Verbesserung der Situation beigetragen, und auch nicht das Ansehen der russisch-orthodoxen Kirche erhöht." Weiter sagte Davis: „Mag sein, dass es in Europa Menschen gibt, die Homosexualität als Sünde ansehen. Doch wird kaum jemand meinen, dass sie so etwas wie Kleptomanie sei." Der Patriarch von Moskau habe sich aber sogar darauf versteift, Homosexualität nicht nur als Sünde, sondern als Verbrechen zu bezeichnen. „Wenn Homosexualität ein Verbrechen ist, soll man sie dann analog zu Diebstahl bestrafen?", fragte Davis.

Eine Gruppe von Abgeordneten des Europarats ruft in einer Petition das Oberhaupt der ROK auf, sich einer Sprache zu enthalten, die Intoleranz nähre, und die fundamentalen Rechte sexueller Minderheiten zu achten, anstatt deren Verbot anzustreben. (Deutsch), (Russisch), (Deutsch)

Neue Kreuzritter

St. Petersburg/Moskau. Eine 1992 in St. Petersburg gegründete „Vereinigung der orthodoxen Bannerträger" versteht sich als moderne Inquisition gegen alles Unchristliche auf der Welt. Laut Eigendarstellung im Internet kämpft diese faschistoid-nationalistische Gruppierung „für die Festigung und Verbreitung des orthodoxen Glaubens, die Wiedereinführung einer autokratischen Monarchie sowie die Wiedergeburt des russischen Nationalbewusstseins und eines imperialen russischen Patriotismus". Ihr Vorsitzender Leonid Simonowitsch-Nikschitsch verkündete entsprechend stolz: „Die Vereinigung der orthodoxen Bannerträger und die Vereinigung der orthodoxen Bruderschaften schaffen und erklären erneut die neue heilige Inquisition in Anlehnung an genau jene heilige Inquisition des Mittelalters, die mit ihren Autodafés [Urteilsverkündungen und -vollstreckungen gegen Ketzer - d. Übers.] Hexen, Hexenmeister, Häretiker und alle anderen Feinde unseres Herrn Jesus Christus verbrannte." (Quelle)

Dass die „Bannerträger" nicht nur Reden schwingen, beweisen sie in aller Regelmäßigkeit, auch wenn sie erklären, dass sie - zumindest vorerst - keine Menschen, sondern nur deren Symbole verbrennen. Im Mai dieses Jahres standen sie mit an vorderster Front, als „ehrenwerte, homophobe Saubermänner" in Moskau gegen ein Häuflein Schwuler, Lesben und deren Sympathisanten vorgingen, die für ihre Gleichberechtigung demonstrieren wollten (hpd berichtete).

Im Vorfeld eines Madonna-Konzerts am 12. September in Moskau organisierten die „Bannerträger" ein symbolisches Autodafé gegen „den erneuten antichristlichen und antirussischen Angriff der Weltregierung". Sie zerrissen ein Plakat mit der Sängerin, zertrampelten es und forderten, das Konzert der „amerikanischen Satanistin" zu verbieten. Auf dem Zusammentreffen erklärten die neuzeitlichen Kreuzritter gleichfalls den Heiligen Krieg gegen gottlose Künstler wie Dan Brown wegen seines Buches „Sakrileg" (The Da Vinci Code).

Bei ihrer jüngsten Aktion Anfang Oktober organisierten die „Bannerträger" eine Bücherverbrennung in der russischen Hauptstadt. Am Vorabend des Erscheinens der russischen Ausgabe des neuesten Harry-Potter-Romans wurde die nach Lesart der Fanatiker „als Kinderbuch getarnte Propaganda magisch-okkulter Ideen" vor der Moskauer Erlöser-Kirche zerrissen und verbrannt. Die Potter-Romane seien keine Bücher über einen jugendlichen Helden, sondern „echte schwarze Magie", die die Ideen des Bösen, des Satanismus und der Hexerei in Kinderseelen einpflanze. (Russisch)

Orthodoxer Religionsunterricht vor dem Aus?

Moskau, 5. Oktober. Das russische Bildungsministerium will den Lehrstoff landesweit vereinheitlichen und regionale Unterrichtsinhalte abschaffen. Damit steht auch das Religionsfach „Grundlagen der orthodoxen Kultur" vor dem Aus. Die russisch-orthodoxe Kirche kritisiert den Gesetzesentwurf, aber auch in einigen Regionen regt sich Widerstand gegen das Vorhaben.

Das Moskauer Patriarchat tritt daher für eine Überarbeitung des Gesetzentwurfs ein. Das Fach „Grundlagen der orthodoxen Kultur" müsse im neuen Lehrplan landesweit enthalten sein, fordert die Kirche.

Vertreter anderer Konfessionen in Russland hingegen kritisieren den Religionsunterricht als „Versuch der religiösen Expansion der russisch-orthodoxen Kirche". Dort, wo das Fach bislang schon unterrichtet werde, sei es zu Konflikten gekommen, behauptet der stellvertretende Vorsitzende des russischen Mufti-Rats, Nafibulla Aschirow. „Diese Probleme heute in die russischen Schulen zu tragen, ist kriminell", erklärte er. (Deutsch)

50 Jahre Sputnik: Ein Piepsen macht Geschichte

St. Petersburg, 3. Oktober. Völker, hört die Signale! Vor genau 50 Jahren umkreiste erstmals ein künstlicher Himmelskörper die Erde - und funkte sein Piepsen zur Erde. Mit dem ersten sowjetischen Sputnik begann die Raumfahrt.

Der „Sputnik" (Russ.: Begleiter) war eine simple Aluminiumkugel von 58 Zentimeter Durchmesser mit vier Spinnenbeinchen. In ihrem Innern befand sich lediglich ein niederfrequenter Funksender, der ein mickriges Piepsen ausstrahlte.

Der sowjetische Raumfahrtpionier Sergej Koroljow (dessen Identität erst nach seinem Tod 1966 gelüftet wurde) hatte Wert darauf gelegt, dass die Kugel vor dem Start auf Hochglanz poliert wurde: Nicht nur das Funksignal aus dem Weltall sollte von möglichst vielen Funkamateuren auffangbar sein, auch optisch sollte der strahlende neue Erdtrabant möglichst gut für alle sichtbar sein.

Der Propaganda-Effekt des 83 Kilogramm schweren Piepsers im All war gewaltig: Die ganze Welt erkannte an, dass die Sowjetunion technologisch an der Spitze stand und die USA bei der Verwirklichung des Traums von der Eroberung des Weltalls momentan hinterherhechelten.

Vier Jahre später untermauerten die Sowjets diesen Anspruch dann noch einmal mit dem ersten bemannten Raumflug von Juri Gagarin - bevor dann die USA mit ihren Mondflügen in dem Prestigeduell der Supermächte doch die Führung übernahmen. (Deutsch)

Wissenschaftler bestreitet klassische Theorie über die Entstehung des Lebens

St. Petersburg, 5. Oktober. Nach Ansicht eines russischen Wissenschaftlers konnte das Leben auf der Erde nicht im salzhaltigen Ozean entstehen. Diese Meinung vertritt der Vorsitzende des Wissenschaftsrates für physiologische Wissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften, Akademiemitglied Juri Natotschin.

Er präzisierte, dass der Schlüsselfaktor für die Entstehung von lebenden Organismen die Synthese von Eiweißen aus Nukleinsäuren sei. Das im Meerwasser enthaltene Natrium verhindere diesen Prozess, so der Wissenschaftler. „Wenn die Flüssigkeit Natrium enthält, wird dieses System nicht funktionieren, und der Ozean hat immer Natrium enthalten. Das Leben konnte nicht in einer natriumhaltigen Umwelt entstehen", sagte der Wissenschaftler.

Um eine Synthese von Eiweißen zu erreichen, sei Kalium nötig, von dem tonhaltige Böden genug enthielten, so Natotschin. Aufgrund dessen äußerte der Wissenschaftler die Annahme, dass das Leben in kleinen Vertiefungen im tonhaltigen Boden entstand, wo sich Wasser ansammelte. Somit konnte sich die erste Protozelle, die Vorgängerin der vollwertigen Zelle, nach Meinung des Wissenschaftlers in einer Pfütze mit Regenwasser gebildet haben.

Der Wissenschaftler zog eine Parallele zwischen seiner Hypothese und der Bibel, laut der Gott den ersten Menschen aus Ton schuf. Das Leben entstand vor circa 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde, als die Protozelle entstand. Eine vollwertige Zelle habe es erstmals vor circa 2,5 Milliarden Jahren gegeben, sagte Natotschin.

Außerdem erklärte er, dass es immer noch unklar sei, woher die Moleküle der organischen Stoffe stammten, mit denen die Biogenese begann. Diese Moleküle konnten aus dem Weltall eingebracht worden sein. „Möglicherweise wurden irgendwelche organischen Komponenten zur Erde getragen, die hier eine günstige Umwelt fanden und sich weiterentwickelten", sagte der Wissenschaftler. Ein indirektes Zeugnis davon könne die Tatsache sein, dass die modernen Bakterien, die im Weltraum waren, lebensfähig zur Erde zurückkehrten. (Deutsch)

Untersuchungen zum Politkowskaja-Mord

Moskau/St. Petersburg, 5./8. Oktober. In Moskau und St. Petersburg fanden am 1. Todestag von Anna Politkowskaja Trauerkundgebungen statt. Die kritische Journalistin war am 7. Oktober 2006 ermordet worden.

Erst vor wenigen Wochen verhaftete die Staatsanwaltschaft mehrere Tatverdächtige. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika nutzte die Gelegenheit, um ausländische Hintermänner der Tat zu beschuldigen. Diese Version stieß allerdings auf Skepsis, vor allem da die russischen Behörden den Fall durch zahlreiche Indiskretionen selbst torpedierten.

Politkowskaja hatte in ihren Artikeln immer wieder über Korruption und Menschenrechtsverletzungen berichtet. Sie schrieb über die enge Verflechtung von Kriminalität, Geschäftswelt und Politik in den russischen Regionen und insbesondere in Tschetschenien. Sie verteidigte dabei stets die Interessen der so genannten „kleinen Leute" und kritisierte die Machthaber unerschrocken.

Die Journalistin gewann mit ihrer Arbeit viele Sympathien und internationale Medienpreise, aber sie schuf sich auch einflussreiche Feinde. Trotz zahlreicher Morddrohungen lehnte Anna Politkowskaja einen Leibwächter ab. Einen Giftanschlag während des Beslan-Geiseldramas 2004, als sie in den Kaukasus reisen wollte, überlebte sie knapp. Dem akribisch geplanten Anschlag im Oktober 2006 konnte sie hingegen nicht entkommen.

Wie sich bei den Untersuchungen herausstellte, konnte der Täter beim Aufspüren und Überwachen des Opfers auf ein ganzes Netz von Helfern zurückgreifen. Selbst Generalstaatsanwalt Tschaika musste zugeben, dass „unter den Verhafteten leider auch aktive und ehemalige Mitarbeiter des russischen Innenministeriums und des Geheimdienstes" seien.

Am 8. Oktober hat die Staatsanwaltschaft den Mord an der kritischen Journalistin als aufgeklärt bezeichnet. Die Ausführenden einschließlich des Killers und die Organisatoren seien verhaftet. Was den Auftraggeber für den Mord angehe, gebe es bei der Staatsanwaltschaft eine „erstaunliche Vermutung", so Chefermittler Petros Garibjan vom Ermittlungskomitee der Staatsanwaltschaft. Mehr wolle er vorerst dazu nicht sagen. (Deutsch), (Deutsch)

„Russlands Zukunft steckt nicht in Gaspipelines, sondern in der Kultur"

Moskau, 5. Oktober. Museumsdirektoren, Kirchenobere und Vertreter gesellschaftlicher Organisationen haben sich für einen verantwortungsvolleren Umgang des Staates mit seinem kulturellen Erbe ausgesprochen. Unter anderem fordern sie eine bessere diesbezügliche Gesetzgebung, den Bau neuer Magazine und Ersatz für Museumsräume und -gebäude, die der Staat in den letzten Jahren religiösen Organisationen zurückgegeben hat.

Michail Piotrowski, der Direktor der Eremitage, betonte am Rande einer gemeinsamen Sitzung des Museumsverbandes Russlands und der Kommission der Gesellschaftlichen Kammer zum Erhalt des kulturellen und geistigen Erbes vergangene Woche in Moskau, dass viele Leute die Museen und Kirchen gegeneinander aufwiegeln wollten: „Aber genau genommen sind die Museen und die Kirche nur zwei Seiten einer Medaille. In der Sowjetzeit wurde das minimale Wissen über Religion dank der Museen aufrechterhalten, und die Museen haben einer geistliche Wiederbelebung und Wiedergeburt Russlands ermöglicht." In einem Interview mit der Zeitung „Nowye Iswestija" erklärte Piotrowski, dass der Staat gegenüber der Kirche begangenes sowjetisches Unrecht nun zulasten der Museen schnell und bequem wiedergutmachen wolle. Dies sei eine Provokation. Zudem können dem Staat gehörende Gebäude und Kulturgüter nicht einfach der Kirche übergeben, sondern bestenfalls ihr zur Nutzung überlassen werden.

Kliment, der Kalugaer Metropolit des Moskauer Patriarchats und Vorsitzende der oben genannten Kommission, erklärte, dass die russisch-orthodoxe Kirche zur Zusammenarbeit mit den Museen bereit sei und dass sie ein System eigener Aufbewahrungsstätten für kulturelle Altertümer wiederbeleben wolle: „Die Mitarbeiter der Museen haben eine reichhaltige Erfahrung im Erhalt und der Restaurierung von Kulturdenkmälern, es gibt moderne technische Hilfsmittel. Die Kirche hingegen kann helfen, den geistlichen Sinn der Ikonen und Kultobjekte zu erschließen."

Nach Auffassung des Metropoliten müssen alle Strukturen der Gesellschaft und des Staates genutzt werden, um die Jugend im richtigen Sinne zu erziehen, damit diese in Museen anstelle von Diskotheken gehe. Und weiter erklärte er: „Die Zukunft Russlands steckt nicht in den Erdöl- und Erdgaspipelines, sondern in unserer Kultur, in unserem Geiste. Das Erdgas kann einmal enden und voll ausgeschöpft sein, doch die Kultur hat unser Volk im Laufe vieler Jahrhunderte vereint." (Russisch), (Russisch)

Homophobe Richter an den Pranger

Moskau, 30. September. Nikolai Alexejew, Jurist und Organisator der bisher verbotenen Moskauer Gay-Paraden, sowie das Portal GayRussia.Ru haben ein Menschrechtsprojekt initiiert, das ab sofort Richter veröffentlicht, die in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Staatsmacht homophobe Urteile fällen. Die Schmähliste enthält derzeit 21 Namen, darunter an „führender Position" N. A. Makarowa, Richterin am Twersker Bezirksgericht in Moskau. Sie hat bereits zweimal Klagen schwul-lesbischer Organisationen gegen homophobe Äußerungen des Moskauer Bürgermeisters Ljuschkow bzw. gegen das Demonstrationsverbot am 27. Mai dieses Jahres abgewiesen und sich durch einen ausgeprägt groben Umgang mit den Klägern hervorgetan.

Nikolai Alexejew erklärte, man werde die Liste homophober Richter Russlands dem Europarat zukommen lassen. Dieser könne dann prüfen, inwieweit den betreffenden Personen die Einreise in die EU verwehrt werde, da sie den europäischen Wertekanon nicht teilen und permanent gegen die europäische Menschenrechtskonvention, die auch von Russland unterschrieben wurde, verletzen. (Russisch)

 

Tibor Vogelsang