Sie forderte die Frauen auf, bewusst eigene Wege zu gehen

Virginia Woolf

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* 25. Januar 1882 in London, Δ 28. März 1941 bei Lewis, Sussex;
britische feministische Schriftstellerin.

Als eine der ersten Frauen etablierte in ihren Schriften eine eigene weibliche Wahrnehmung, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Woolf war auch Kritikerin der organisierten Religion.

Sie stammte aus einer gebildeten Familie, wuchs in einem intellektuell anregenden Milieu auf, erhielt Privatunterricht und lernte vieles autodidaktisch mit Hilfe der umfangreichen Bibliothek ihres Vaters. Ab 1902 begann sie Essays zu schreiben, die dann in der Folge in verschiedenen Zeitschriften erschienen.

Seit 1905 organisierte ihr Bruder eine regelmäßige Zusammenkunft von Gleichgesinnten. Diesem intellektuellen Zirkel gehörten Literaten, Maler, Wissenschaftler und Kritiker der Londoner Society an, damit war der Grundstein für die freidenkerische Bloomsbury-Group geschaffen. Virginia und ihre Schwester waren darin die einzigen Frauen. Die Diskussionen in diesem Zirkel halfen ihr, sich aus den moralischen Fesseln ihrer viktorianischen Erziehung befreien.

1915 erschien ihr erster Roman. Ende der 1920er Jahre war sie dann eine erfolgreiche und international bekannte Schriftstellerin. Zuvor hatte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller und Journalisten Leonard W. Woolf den Verlag „Hogarth Press” gegründet, der sich auf moderne Literatur aus Großbritannien, den USA und Russland spezialisierte. Auch die Schriften des internationalen Psychoanalytischen Instituts in Wien, darunter die Arbeiten Sigmund Freuds, verlegten sie. Ihre Funktion war es, neue Autoren zu gewinnen und deren Manuskripte zu lektorieren.Sie ist eine der bedeutendsten Autorinnen und feministischen Denkerinnen des letzten Jahrhunderts.

Im Jahre 1929 erschien ihr Essay „A Room of One's Own” (Ein eigenes Zimmer). Diese intelligente und witzige Abhandlung über die bedrückenden Bedingungen, unter denen Frauen in der Vergangenheit Literatur produzieren mussten, wurde bereits damals zu einem großen Erfolg und in den 1970er Jahren zu einem der meistzitierten Texte der neuen Frauenbewegung. Woolf forderte die Frauen auf, bewusst neue Wege zu beschreiten, anstatt die männlichen einfach nachzuahmen, weil sich die „Werte der Frauen maßgeblich von denen der Männer unterscheiden”.

Im Juni 1938 erschien ihr feministischer Essay „Drei Guineen”, in dem sie kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die patriarchalische Gesellschaftsform mit Militarismus, Faschismus und Krieg in Verbindung bringt. Den Ehrendoktortitel der Universität Liverpool lehnte sie 1939 aus Protest gegen die mangelnden Bildungschancen für Frauen ab und weil sie ohnehin zeitlebens kritisch gegenüber dem akademischen Betrieb eingestellt war.

Da sie zeitlebens unter manischen Depressionen litt, wechselten sich bei ihr sehr produktive, schriftstellerische Phasen, mit langen, zermürbenden und oft unzurechnungsfähigen Krankheitsphasen ab. In ihren letzten Lebensjahren geriet sie in eine abgrundtiefe Verzweiflung, gegen die sie lange ankämpfte. Neben den alltäglichen Schwierigkeiten kam das für sie als Pazifistin ungeheuerliche Ereignis des Krieges, das ihr nach und nach allen Lebensmut nahm. Hinzu kam, dass ihr Mann, der ihr stets Trost und Halt gegeben hatte, als Jude und Sozialist sehr gefährdet war. Das Paar hatte bereits beschlossen, bei einer Invasion Englands gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. 1941, im zweiten Kriegsjahr, ertrug sie die Spannungen nicht länger und ertränkte sich. Sie ließ sich einäschern und im Garten ihres Hauses begraben.