Er hielt Kant für wichtiger als Marx

Kurt Eisner

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* 14. Mai 1867 in Berlin, Δ 21. Februar 1919 in München (ermordet);
Journalist und Schriftsteller, der als linker Intellektueller ungeachtet gewisser Vorbehalte zur SPD fand.

Als entschiedener Kriegsgegner und Mitbegründer der USPD wurde er der erste Ministerpräsident des von ihm ausgerufenen Freistaat Bayern.

Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns studierte nach dem Abitur in Berlin Philosophie und Germanistik. Aus finanziellen Gründen konnte er sein Studium nicht abschließen und begann für diverse bürgerliche Zeitungen und Zeitschriften zu arbeiten. Der liberale, monarchiekritische Journalist wurde 1897 in einem Majestätsbeleidigungsprozess zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Besonders durch diesen Prozess wurde man der SPD auf ihn aufmerksam.

Wilhelm Liebknecht gewann Kurt Eisner noch im Jahre 1898 als Redakteur des sozialdemokratischen Parteiorgans „Vorwärts". Der kompetente Journalist, der Sympathie für die Arbeiterbewegung hegte, dem Marxismus aber eher reserviert gegenüber stand, sollte das Parteiorgan professionalisieren und für ein breiteres Publikum öffnen.

Eisner leitete seine Ideale aus der Philosophie der Aufklärung ab, hielt Kant für wichtiger als Marx und entwickelte einen ethisch begründeten Sozialismus. Das kostete ihn 1905 dann letztlich seine Stelle beim „Vorwärts", weil er zunehmend in Gegensatz zur marxistisch orientierten Mehrheit der Redaktion geraten war. In der Folge arbeitete er für sozialdemokratische Regionalzeitungen und betätigte sich als Schriftsteller.

Seit 1910 lebte er in München, wo er das wöchentlich erscheinende „Arbeiter-Feuilleton" herausgab, das von vielen sozialdemokratischen Presseorganen verwendet wurde.

Durch seine konsquente Haltung gegen den Krieg, sah er sich in der Folgezeit zum Handeln gezwungen, beendete aus Protest seine Arbeit für die sozialdemokratischen Zeitungen und lieferte nur noch sein „Arbeiter-Feuilleton", das er für seine Antikriegsagitation nutzte. Daraufhin geriet es ins Abseits, weil die sozialdemokratischen Presseorgane sein Feuilleton abbestellten. Politisch in der SPD zunächst isoliert, trat er dem „Bund neues Vaterland" bei, in dem sich Kriegsgegner unterschiedlicher politischer Anschauung, darunter auch viele aus der freidenkerischen Bewegung, seit 1915 zusammen fanden.

Mit der Gründung der USPD im Jahr 1917 wurde Eisner auch auf der großen politischen Bühne aktiv. Im Januar 1918 stellte er sich an die Spitze des Streiks der Rüstungsarbeiter in München, was ihm 9 Monate U-Haft einbrachte.

Erst im Oktober 1918 aus der aus der Haft entlassen, war er im November führend am Sturz der Monarchie in Bayern beteiligt. Unter seinem Vorsitz wurde ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat gebildet und Bayern zum „Freistaat" erklärt. Die USPD und die SPD bildeten gemeinsam eine Regierung mit ihm als Ministerpräsidenten.

Eisner und seine Regierung hielten sich in Bezug auf gesellschaftliche Veränderungen weitgehend zurück und strebten eine parlamentarische Demokratie an. Dennoch führten längst überfällige Reformen wie die Einführung des Achtstundentags, des Frauenwahlrechts oder die Abschaffung der kirchlichen Schulaufsicht zu einer antisemitisch unterlegten Kampagne gegen ihn, an der sich die katholische Bayerische Volkspartei und kirchliche Würdenträger maßgeblich beteiligten.

Dass der Sozialist und Dissident jüdischer Abstammung auch von der deutschen Kriegsschuld überzeugt war, machte ihn für das konservative Lager vollends zum Hassobjekt.

Obwohl er zurückgetreten war, nachdem die USPD bei den bayerischen Landtagswahlen am 12. Januar 1919 nur 2,5 % der Stimmen erhalten hatte, wurde er wenige Wochen danach auf offener Straße von einem Rechtsradikalen erschossen.