USA. (hpd) Noch immer gibt es Länder, in denen körperliche Strafen für Schulkinder legal und an der Tagesordnung sind. Zu ihnen gehören Nordkorea, Kuba, Malaysia, Singapur, Saudi-Arabien, Syrien, Libanon, Botswana, Somalia, etwa ein Dutzend weiterer afrikanischer Länder südlich der Sahara und die USA.
In 20 der US-amerikanischen Staaten ist das Prügeln von Schülerinnen und Schülern nach wie vor erlaubt. Jährlich werden über 220.000 Kinder mit sog. „Paddles“ misshandelt.

Foto: www.thehittingstopshere.comDie etwa 40 cm langen „Instrumente“ werden kommerziell hergestellt und sogar z. T. von kleinen Handwerksbetrieben im Besitz bibeltreuer Christen verschenkt. Joey Salvati, ein Schreiner aus New Kensington, Pennsylvania, der Paddles im Internet vertreibt, behauptet, dass Gott ihn beauftragt habe, Paddles zu bauen.
Besonders betroffen von den Misshandlungen in öffentlichen Lehranstalten sind Afroamerikaner, Indianer, Latinos und Kinder mit Behinderungen, wie eine Studie von „Human Rights Watch“ und ACLU (American Civil Liberties Union), die im August 2008 erschienen ist, belegt. Farbige Mädchen werden doppelt so oft geprügelt wie weiße Mädchen, Jungen werden dreimal häufiger geschlagen als Mädchen.
Eltern haben oft Schwierigkeiten, etwas gegen diese Misshandlungen zu unternehmen, da Lehrer und Direktoren Immunität genießen und schriftliche Anträge der Eltern zur Verschonung ihrer Kinder oft einfach ignoriert werden.
Große Hoffnungen setzten Kinderrechtskämpfer in den neuen Präsidenten Obama. Doch diese wurden schwer gedämpft durch eine Rede, die der Präsident, selbst Vater zweier Kinder, am 16. Juli 2009 bei einer Konferenz der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) hielt und in der er sagte:
„Und nebenbei bemerkt: wir müssen für die Kinder unserer Nachbarn da sein. (Applaus) Erinnern wir uns an die Zeiten, in denen Eltern ein Kind sahen, das Blödsinn machte und – es war nicht ihr Kind, aber sie haben es trotzdem geschlagen. (Gelächter und Applaus). Oder zumindest haben sie es den Eltern erzählt, die das dann übernommen haben. Das ist der Sinn von Gemeinschaft. So können wir die Stärke und die Entschlossenheit und den Optimismus wieder erlangen, die uns geholfen haben, so weit zu kommen, die uns geholfen haben einen Ausweg aus der Ausweglosigkeit zu finden.“
In einem Offenen Brief an Präsident Obama äußerten Kritiker ihre Bedenken gegen eine solche Haltung.

Foto: www.thehittingstopshere.comKörperliche Strafen für Schulkinder wurden von den Vereinten Nationen als Menschenrechtsverletzungen anerkannt. Eine Umfrage von ABC News ergab, dass 72% der US-Amerikaner der Meinung sind, dass körperliche Strafen an Schulen nicht erlaubt sein sollten.
In den USA gibt es christliche „Besserungsanstalten“ für schwer erziehbare Jugendliche, deren Konzepte sehr an die christlichen Erziehungsheime erinnern, die bis in die 60er-70er-Jahre des letzten Jahrhunderts u. a. in der Bundesrepublik Deutschland existierten.
In einer soziologischen Studie von John Guthrow,
die sich auf Erhebungen der NAEP (National Association of Educational Progress) stützt, werden die „top ten“-Staaten im Bezug auf verschiedene soziale Phänome in Relation gesetzt zu deren schülerfeindlicher bzw. schülerfreundlicher Gesetzgebung.
- Die 10 Staaten mit der niedrigsten Rate an erwachsenen Gefängnisinsassen sind allesamt Staaten, in denen das Schlagen von Schülern verboten ist. Von den 10 Staaten mit der höchsten Rate erlauben 9 das Schlagen von Schülern.
- In den 10 Staaten mit der niedrigsten Mordrate ist das Schlagen von Schülern nur in einem Staat erlaubt (Idaho), hingegen in den 10 Staaten mit der höchsten Mordrate in 8.
- In allen 10 Staaten mit den schlechtesten Entwicklungsbedingungen für Kinder (condition of children index) ist das Schlagen von Schülern erlaubt, in den 10 Staaten mit den besten Entwicklungsbedingungen für Kinder durchweg verboten.
- In allen 10 Staaten mit den durchschnittlich schlechtesten Mathematiknoten ist das Schlagen von Schülern erlaubt, bei den 10 Staaten mit den besten Noten ist es in 9 Staaten verboten.
- Von den 10 Staaten mit den schlechtesten Highschool-Abschlüssen erlauben 7 das Schlagen von Schülern, von den 10 Staaten mit den besten Highschool-Abschlüssen nur einer.
- Von den 10 Staaten mit dem niedrigsten Prozentsatz an über 25-Jährigen mit Highschool-Abschluss erlauben 7 das Schlagen von Schülern, bei den 10 Staaten mit dem höchsten Prozentsatz lediglich einer.
- Von den 10 Staaten mit der höchsten Verarmung halten 7 am Schlagen von Schülern fest, in den 10 Staaten mit der niedrigsten Verarmung nur 2.
- In 8 der 10 Staaten mit der höchsten Rate in Armut lebender Kinder ist das Schlagen von Schülern erlaubt, in den 10 Staaten mit der niedrigsten Rate in zweien.
- Von den 10 Staaten mit der höchsten Rate an unehelichen Kindern erlauben 9 das Schlagen von Schülern, hingegen ist es in lediglich 2 der 10 Staaten mit der niedrigsten Rate erlaubt.
- Von den 10 Staaten mit der statistisch schlechtesten Gesundheit halten 8 am Schlagen von Schülern fest, von denen mit der statistisch besten Gesundheit nur einer.
- In 9 der 10 Staaten mit der höchsten Sterblichkeitsrate in Relation zum Lebensalter ist das Schlagen von Schülern erlaubt, bei der niedrigsten Rate in einem.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die körperliche Misshandlung von Schülern eine ganze Reihe von sozialen Problemen verursacht, die zusätzlich zur Menschenrechtsverletzung ins Gewicht fallen.
Katharina Micada
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