Prof. Christoph von der Malsburg

Interview

„Gegenwärtige KI ist nur ein gefährliches Spielzeug in der Hand des Menschen“

Im Vorfeld seines Vortrags auf dem „Symposium Kortizes“ am Samstag in Nürnberg spricht der Neuroinformatiker Prof. Christoph von der Malsburg im Interview über die zentralen Schwächen moderner Deep-Learning-Architekturen. Er erläutert, warum Maschinen ohne Verankerung in einer realen und sozialen Umwelt keine echte Autonomie entwickeln können, welche Parallelen und Unterschiede zum menschlichen Gehirn bestehen und wie die Zukunft einer biologisch inspirierten KI aussehen könnte.

Eine Versicherung nur dem Namen nach? Die Entkernung der Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenversicherung war ursprünglich der Zweig der Sozialversicherung, der dem klassischen Versicherungsprinzip am nächsten stand. Sie sollte ein temporäres Erwerbsrisiko absichern, Übergänge ermöglichen und den sozialen Abstieg verhindern. Heute erfüllt sie diese Funktion nur noch in Fragmenten. Der abrupte Übergang von beitragsfinanzierter Versicherungsleistung zu bedürftigkeitsgeprüfter Fürsorge untergräbt ihre Legitimation – und hat die kulturelle Wahrnehmung des Systems grundlegend verändert.

Feiern zu Ostern mit Bass und weltanschaulicher Begründung

Man trifft sich nicht einfach zum Feiern, sondern gewissermaßen zur weltanschaulichen Bewegungsübung – so kann man die Protestpartys zum karfreitäglichen Tanzverbot beschreiben, die auch in Stuttgart stattfanden. Denn neben Digitalisierung, Fachkräftemangel und Gegenwartschaos wacht der Staat noch immer tapfer darüber, dass an Stillen Tagen auch wirklich korrekt still gelitten wird.

Hessischer Landtag im Wiesbadener Stadtschloss

Tanzverbot in Hessen: Die FAZ befürwortet es

Im hessischen Landtag ist ein Gesetzentwurf zum Feiertagsgesetz eingebracht worden, der die bisherigen Regelungen zum Tanzverbot etwas abmildert. Da erwartungsgemäß religiösen Personen schon die kleinste Einschränkung ihrer Deutungsmacht zu weit geht, fühlte sich die FAZ-Autorin Eva-Maria Magel genötigt, gegen den Entwurf zu argumentieren. In Ihrem Artikel "Tanzverbot-Debatte: Hessens Feiertagsgesetz muss diskutiert werden" ruft sie zu einer Debatte auf, an der sich der Autor hiermit beteiligen möchte.

Charlie Hebdo, Satire kann man nicht töten

Satire und Religion: ein schwieriges Verhältnis

Jüngst wurde der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly von russischen Behörden unter anderem deshalb verurteilt, weil seine satirischen Darstellungen angeblich "religiöse Gefühle" verletzten. Der Fall macht deutlich, wie religiöse Empfindlichkeiten – oder der Verweis darauf – instrumentalisiert werden können, um satirische Kritik einzuschränken.

Der Politische Islam: Wie er Einfluss nimmt und was dagegen zu tun wäre

Sascha Adamek zeichnet in seinem Buch ein kritisches Bild des Politischen Islam, den er als strategisch agierende Bewegung beschreibt, die gezielt gesellschaftliche und politische Strukturen in westlichen Ländern zu beeinflussen versucht. Dabei sieht er begünstigende Faktoren unter anderem in gesellschaftlichen Diskursen wie der "Wokeness", die seiner Ansicht nach von islamistischen Akteuren instrumentalisiert werden. Neben einer umfangreichen Analyse liefert Adamek auch konkrete Vorschläge, wie Politik und Gesellschaft dem wachsenden Einfluss entgegenwirken könnten.

Erwachsenentaufen: Selbstbetrug statt Wachstum

Seit einigen Jahren hat das starke Wachstum der "Erwachsenentaufen" in der katholischen Kirche Frankreichs Erwartungen an ein Wiedererstarken des Christentums ausgerechnet im laizistischen, säkularen Frankreich geweckt. Bald begannen auch die katholischen Kirchen anderer Länder, etwa Deutschland und Österreich, diese Kennzahl zu kommunizieren und daraus ähnliche Erwartungen abzuleiten. Doch die Realität ist, dass weniger Taufen später stattfinden.

Parlamentsgebäude von Alberta

Alberta und die Sterbehilfe

Mit Bill 18 plant die kanadische Provinz Alberta eine deutliche Einschränkung des Zugangs zur medizinisch assistierten Sterbehilfe. Der Gesetzentwurf verzichtet auf ein formales Verbot, setzt aber auf zusätzliche Hürden, Informationsbeschränkungen und Verzögerungen. Kritiker warnen vor einer Aushöhlung individueller Autonomie – ein Argument, das auch in der deutschen Diskussion um das Recht auf selbstbestimmtes Sterben eine zentrale Rolle spielt.

Kyrill I., Patriarch von Moskau

Heiliger Krieg im Namen der Kirche

Ein Prediger legitimiert einen "heiligen Krieg" gegen den Westen, den er als vom Satanismus befallen bezeichnet. Wer in diesem Krieg stirbt, dem würden nach seinen Worten alle Sünden vergeben. Auf den ersten Blick klingt das nach der Rhetorik einer islamistischen Vereinigung – tatsächlich stammen diese Aussagen von Patriarch Kyrill I., dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Eine Kirche, deren Zweige in Deutschland weiterhin den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts genießen.

Armut

Was die aktuelle Politik über ihr Sozialstaatsverständnis verrät

Mit dem "Ersten Reformpapier" der "FinanzKommission Gesundheit" liegt nun ein Katalog von 66 Maßnahmen vor, der das Gesundheitswesen kurzfristig stabilisieren soll. Vieles darin ist sinnvoll, manches überfällig, einiges durchaus pragmatisch umsetzbar – anderes fragwürdig. Und doch wäre es ein Fehler, sich in einer kleinteiligen Bewertung einzelner Vorschläge zu verlieren. Denn das eigentlich Entscheidende an diesem Papier ist nicht die Liste der Maßnahmen, sondern das Verständnis von Sozialstaat, das sich darin ausdrückt.

Cover

Rezension

Fremde Feinde

Verhaftet, angeklagt, hingerichtet. Der Prozess gegen Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti gilt als einer der unfairsten der amerikanischen Justizgeschichte. Die Beweislage, die den beiden italienischen Einwanderern die Schuld an einem Raubmord gab, war brüchig. Sie mussten am 23. August 1927 sterben – trotz weltweiter Proteste. Waren sie unschuldig?

Weitere Rezensionen

Termine

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Omid Nouripour und Michel Friedman

Empört euch anständig!

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour hat ein kleines Buch geschrieben. Er möchte es als Ergänzung zu Stéphane Hessels fulminantem Aufruf „Empört Euch!“ verstanden wissen, der vor über 15 Jahren erschienen ist und eine ganze Generation prägte. Gemeinsam mit Michel Friedman diskutierte er in der Urania Berlin über Wut und Empörungskultur, Anstand, Zuhören und Respekt.

Hape Kerkeling

Wie Hape Kerkeling für ein AfD-Verbotsverfahren wirbt

Nie zuvor stand der Justizausschuss des Thüringer Landtags so im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit wie bei seiner jüngsten Sitzung. Eine Ausschussanhörung in einem Landtag interessiert normalerweise nur wenige Menschen. Den Thüringer Linken gelang jedoch ein besonderer Coup, indem sie den Komiker und Entertainer Hape Kerkeling auf die Expertenliste setzten und damit bundesweite Beachtung für ein Thema erzielten, das bislang in Talkshows und Medien diskutiert und bei Demonstrationen eingefordert wird: die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens.

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Sterbehilfe, Gesetze und ein noch nicht beendeter Kampf

In diesem Jahr feiert der Humanistische Pressedienst (hpd) sein 20-jähriges Jubiläum. Die Redaktion möchte diese Zeit Revue passieren lassen und jeden Monat auf einen Artikel oder ein Thema hinweisen, der beziehungsweise das die Gesellschaft mitverändert hat. So begleitet unter anderem auch das Thema „Sterbehilfe“ den hpd seit seiner Gründung.

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„Praktisch jeder Kandidat birgt ein Schadenspotenzial“

Mit dem Satirepreis „Goldenes Brett vorm Kopf“ zeichnen die Wiener Skeptiker den „größten unwissenschaftlichen Blödsinn des Jahres“ aus. Gemeint sind laut Ausschreibung Personen, „die mit wissenschaftlich längst widerlegten Behauptungen oder absurden Verschwörungstheorien Geld, Ruhm oder Einfluss anstreben, obwohl sie es eigentlich besser wissen müssten“. Der hpd hat mit dem Mitorganisator Stefan Uttenthaler gesprochen, über skurrilen Aberglauben, gefährliche Verschwörungserzählungen und warum es wichtig bleibt, über kritisches Denken aufzuklären.

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„Frank S. ist kein Einzelfall“

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Schrott

In Europas Elektrogeräten verbirgt sich ein Rohstoffschatz

Rohstoffe im Wert von 65 Milliarden Euro schlummern europaweit ungenutzt in Waschmaschinen, Smartphones und anderen Elektrogeräten. Eine neue Studie der Boston Consulting Group und der Cradle to Cradle NGO zeigt: Konsequente Kreislaufwirtschaft könnte einen Großteil dieses Materialwerts zurückgewinnen – und würde Europas Herstellern angesichts neuer EU-Gesetze und wachsenden Wettbewerbsdrucks entscheidende Vorteile verschaffen.