Rezension

Der Politische Islam: Wie er Einfluss nimmt und was dagegen zu tun wäre

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Islamistische Extremisten auf einer Demonstration mit Plakataufschriften wie "Köpft alle, die den Propheten beleidigen" und "Unsere Toten sind im Paradies, eure Toten sind in der Hölle!"
Islamistische Extremisten auf einer Demonstration

Sascha Adamek zeichnet in seinem Buch ein kritisches Bild des Politischen Islam, den er als strategisch agierende Bewegung beschreibt, die gezielt gesellschaftliche und politische Strukturen in westlichen Ländern zu beeinflussen versucht. Dabei sieht er begünstigende Faktoren unter anderem in gesellschaftlichen Diskursen wie der "Wokeness", die seiner Ansicht nach von islamistischen Akteuren instrumentalisiert werden. Neben einer umfangreichen Analyse liefert Adamek auch konkrete Vorschläge, wie Politik und Gesellschaft dem wachsenden Einfluss entgegenwirken könnten.

Mit dem Bild einer "gezielten Umgarnung" beginnt der Journalist Sascha Adamek seine Einleitung zu "Unterwanderung – Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch", das nach seinem Empfinden auch "Unterwerfung" heißen könnte. Dieses Bild entstand in der Berliner Dar Assalam Moschee zwischen deren Imam und der grünen Spitzenpolitikerin Bettina Jarasch – einer Moschee, die über Jahre als Teil des Geflechts von Anhängern der islamistischen Muslimbruderschaft (MB) vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, was die Politikerin jedoch nicht zu stören scheint. Dabei sei das innenpolitische Ziel des Politischen Islam klar: "systematische Missionsarbeit in alle Bereiche der Gesellschaft, die Durchdringung der Institutionen, die Infiltration des Bildungswesens, der Massenmedien und nicht zuletzt der Politik mit dem schrittweisen Ziel, die Gesellschaften auch des Westens in Gemeinwesen umzuwandeln, die nach den Wertvorstellungen des Islam leben."

Die Unterwanderung der Gesellschaft sieht Adamek durch das Aufkommen der "Wokeness" auch in Westeuropa befördert, da diese zu einem neuen Paradigma geführt hätte, welches islamistische Kreise auszunutzen wüssten, indem sie eine Opfererzählung für sich reklamieren, die mit Begriffen wie "Islamophobie" und "antimuslimischem Rassismus" operiert. Dabei ist laut Adamek genau das Wegsehen bei Islamismus ein rassistischer Akt, da dessen Opfer vorwiegend Muslime und insbesondere muslimische Frauen seien.

Auf 276 Seiten geht Adamek kenntnisreich und mit vielen Belegen die verschiedensten Bereiche von Zwangsverheiratung und religiösem Mobbing über geheime Geldströme bis zur strategischen Platzierung von Begriffen durch. Er nennt Namen und Verbindungen und zeichnet ein Bild der deutschen Politik, die sich allzu leichtfertig hat vereinnahmen lassen. Der "Dschihad um die Köpfe" wird bereits in Kitas und Schulen geführt und strategisch von politischen Akteuren mit ausreichend Finanzmitteln gesteuert, die wissen, wie die Politik zu beeinflussen ist. Speziell die SPD spielt dabei in Adameks Buch immer wieder eine tragische Rolle.

Tragisch ist am Ende auch, dass der Politische Islam eine desintegrative Kraft ist, die einen politischen Herrschaftsanspruch des Religiösen vor den Gesetzen des Staates propagiert und das friedliche Zusammenleben verschiedenster Glaubensgruppen, aber auch innerhalb der Gruppe der Muslime eher erschwert als erleichtert.

Adamek belässt es nicht bei der Problemdiagnose, sondern skizziert einen 10-Punkte-Plan, mit dem der Einfluss des Politischen Islam auf Politik und Gesellschaft zurückgedrängt werden könnte. Der erste und wichtigste davon trifft direkt die staatliche Finanzierung von "NGOs und Moscheevereinen, die mit dem Politischen Islam in Verbindung stehen". Auch müsse es eine nationale Forschungs- und Dokumentationsstelle zum Politischen Islam ebenso geben wie eine Ausweitung der nachrichtendienstlichen Aktivitäten gegen den legalistisch operierenden Islamismus. Die Forderung nach einem Transparenzregister bei Immobilienkäufen könnte der Verschleierung von Geldströmen entgegenwirken und so den Einfluss ausländischer Akteure zumindest transparenter machen. Die Forderung der Beendigung der Finanzierung aller Forschungen und Projekte gegen den "antimuslimischen Rassismus" hingegen geht in Augen des Autors deutlich zu weit und stellt einen zu weitreichenden Eingriff in die grundgesetzlich garantierte Wissenschafts- und Forschungsfreiheit dar.

Mit seinem Buch liefert Adamek einen wichtigen Einblick in eine sonst eher zu wenig beleuchtete Szene.

Sascha Adamek, Unterwanderung – Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch. München 2026, Langenmüller, 304 Seiten, 24 Euro

Der Autor stellt am 20. April in München sein Buch vor. Weitere Informationen hier.

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