Notizen aus Benelux und Frankreich

Belgien:

Die freisinnige „Freie Universität Brüssel“ (ULB) will zurück zu ihren Grundwerten.

Die Philosophin Emmanuelle Danblon

hat vom neuen Rektor der ULB den Auftrag erhalten, die Grundwerte der Universität neu zu durchdenken. Bereits längerer Zeit machte man sich Gedanken über die Handhabe der laizistischen Grundwerte der Uni, die manche als in einer Krise bezeichneten. Gestartet wurde diese Aktion mit einem Karikaturwettbewerb unter den Mitgliedern der Universität, ähnlich dem in Jüdischen Kreisen durchgeführten selbstkritischen Karikaturwettstreit zum Antisemitismus. Frau Danblon sagte, dass – wenn die katholische Universität Löwen (UCL) überlegt das C für christlich aus ihrem Logo zu streichen –, die ULB das L für frei (libre) betonen will. Mit der Vertiefung dieser Grundwerte soll das Prinzip der undogmatischen freien Forschung gegen den religiösen Fanatismus verteidigt werden. <Französisch…>

Eheschließung durch schwarzen Schöffen verweigert

Weil der Schöffe Wouter Van Bellingen eine schwarze Hautfarbe hat, hat ein Paar in der Stadt Sint Niklaas die Eheschließung durch ihn abgelehnt. Van Bellingen ist der erste schwarze Schöffe Flandern. Der Bürgermeister verurteilte diese Entscheidung als extrem rassistisch und der Schöffe sah als einzige Lösung nur den Umzug des Paares. <Französisch...>

Das Parlament stimmt Ehescheidungsreform zu

Das Haus der Abgeordneten hat mit 78 zu 37 dem Gesetzentwurf zur Reform der Ehescheidungsprozedur zugestimmt und auch die Zustimmung des Senats ist sicher. Im neuen Gesetz entfällt der Tatbestand der Schuld. Ab jetzt gibt es nur noch Scheidung wegen „nicht widerherstellbarer Einigung“ oder „mit beiderseitigem Einverständnis“. Die christliche Opposition hielt die Durchführungsbestimmungen für zu weitgehend. <Französisch...>

In Antwerpen sprechen 2 von 3 Schülern zu Hause eine fremde Sprache

In der Innenstadt Antwerpens sprechen 65 % der Schüler zu Hause kein Niederländisch. Der Anteil ist in ganz Antwerpen mit 44 % zwar niedriger, aber auch dort ist eine steigende Tendenz wahrzunehmen. Diese Entwicklung wird auch durch den Wegzug der „weißen“ Schüler der Gymnasien in die Vororte verursacht. Die Situation wird durch flämisch-nationalistische Kreise politisch ausgenutzt. So kam es in dem renommierten christlichen Sint-Jan Berchmansgymnasium zu Krawallen, als Mitglieder des „Nationalistischen Jungstudentenverband“ (NJSV) unter der Losung „Stoppt die linke Sprache in unseren Klassen“ mit Parolen wie „Linkse Ratten, rol uw matten“ (linke Ratten, nehmt eure Teppiche) allochthone Schüler angriffen. Im Internet und mit Flyern werden Schüler aufgefordert, Lehrer mit multikulturellen Sympathien zu melden. Die als Lösung vorgeschlagene Wiedereinrichtung einer französischen Eliteabteilung wird durch die Schulleitung abgelehnt. Die Schule muss sich den neuen Verhältnissen öffnen. <Niederländisch...>

Niederlande

Atheismus kein Hindernis für Regierungsbeteiligung

Die christlichen Regierungsparteien CDA und CU haben nichts gegen die Berufung des Biologen und militanten Atheisten Plasterk (PvdA) zum Bildungsminister einzuwenden. Sie sollten sogar begeistert darüber sein, sagte PvdA Chef Wouter Bos, weil sie die Anschauungen des Ministers sehr interessant finden. Plasterk ist ein gefragter TV-Kommentator und tritt offen gegen die vorliegende EU-Verfassung sowie die „Intelligent Design“-Ideen auf. <Niederländisch...>

Aktion gegen die homosexuelle Politik der neuen Regierung

Verschiedene Stadtverwaltungen haben beschlossen, sich gegen die im Regierungsvertrag aufgenommene Klausel, dass Ehen zwischen Homosexuellen zwar möglich sind, aber die zuständigen Beamten dies verweigern können, zu wehren. Auch Amsterdam will, nach Rotterdam und Utrecht, seine Beamten zu solchen Eheschließungen verpflichten und Groningen sowie Eindhoven wollen folgen. Die niederländische Vereinigung zur Integration der Homosexualität (COC) will Beamte, welche die Eheschließung verweigern, in einer Liste erfassen und diese veröffentlichen. Der Vorsitzende meint, dass das Gesetz erneut zur Diskriminierung dieser Menschen führt. Wenn Beamten das Recht auf Verweigerung bekommen, sollten Heteros auch die Beamten verweigern dürfen. Christen-Unie-Chef André Rouvoet hat bereits angekündigt, dass er die COC Kampagne nicht hinnehmen wird. <Niederländisch...>

Christen wollen Kanon der historischen Grundwerte des Landes ändern

Christliche Historiker haben zu dem bestehenden Grundwertekanon (hpd berichtete) eine Alternative veröffentlicht. Sie soll für die christlichen Schulen gelten. Verschiedene Teile des Kanons, in welchen wichtige Ereignisse oder Personen der niederländischen Geschichte behandelt werden, sollen geändert werden. So soll das Fenster „Bildersturm“ durch „Heckenpredigt“ ersetzt und das „Zweite vatikanische Konzil“ hinzugefügt werden. <Niederländisch...>

Niederländische Predigerin in Berlin

Die in Nachfolge der alten niederländischen Gemeinde Berlins 2004 gegründete neue protestantische niederländische Kirche bekommt eine niederländisch sprechende Predigerin. Dr. Jantine Nierop lebt bereits seit 7 Jahren in Deutschland und steht den etwa 25 Gemeindemitglieder in Teilzeit zur Verfügung. Sie will auch in den Städten südlich von Berlin missionieren. <Niederländisch...>

Belgisches Bier auf einer holländischen Kirche

Unerwartet von allen Einwohnern wurde der Kirchturm der Bethlehem-Kirche in Zwolle hell erleuchtet und zwar durch eine am Turm angebrachte riesige Leuchtreklame für das belgische Bier „Jupiler“. Das Gebäude hatte bereits seit langem als Kirche ausgedient und der heutige Eigentümer fand das ganze wohl als eine gute kommerzielle Idee. Sie erweckte aber einen Sturm des Protestes, weil es sich um ein Jahrhunderte altes holländisches Klostergebäude und um Belgisches Bier handelt. Der Lichtkasten wurde schnell wieder abgebaut. <Niederländisch...>

Ablehnung einer deutsch-muslimischen Machtergreifung

Im bereits 12 Jahre andauernden Konflikt zwischen dem Amsterdamer Stadtviertel Baarsjes und dem Moscheeverein Aya Sofya ist es nun zum endgültigen Bruch gekommen. Der Verein wollte dort eine Moschee – die so genannte Westermoschee – bauen. Obwohl der Verein eine Abteilung der dubiosen Milli Görüs Organisation war, konnte doch eine erste Übereinkunft mit der Kommunalverwaltung unterzeichnet werden. Nun aber machte der katholische TV-Kanal KRO bekannt, dass die extrem dogmatische deutsche Hauptverwaltung von Milli Görüs in Köln den Bau übernimmt und das stößt auf scharfen Protest der Einwohner. Die Baugenehmigung kann aber nicht mehr verhindert werden, so dass weitere Konflikte zu erwarten sind. <Niederländisch...>

Kein christlicher Duden auf dem Markt

Der Herausgeberverlag des Wörterbuches „Van Dale“ der in seiner Bedeutung mit dem deutschen Duden vergleichbar ist, nimmt Abstand vom Vorhaben, ein christlich gesäubertes Wörterbuch auf den Markt zu bringen. Der Plan war aufgrund der Initiative einer Gruppe reformatorischer Schulen entstanden, welche die Entfernung von etwa zweihundert „vulgären“ bzw. blasphemischen und die Erweiterung der Kommentare zu bestimmten „christlichen“ Wörtern verlangten. Nun hat der Vorstand des Verlages das Vorhaben abgeblasen, weil die Gefahr des Verlustes seiner Neutralität bestand. <Niederländisch...>

Frankreich

Für gleiche Rechte von Mann und Frau im Judaismus

Mit Unterstützung der feministischen Vereinigung „Paroles des femmes“ hat die jüdische Journalistin, Olivia Cattan (39) eine Petition organisiert, um die Gleichberechtigung der Frauen in den jüdischen Gemeinden zu stärken. Noch immer sind die Frauen in den orthodoxen Synagogen von den Männern getrennt und werden bei den partnerschaftlichen Beziehungen benachteiligt. So darf z.B. eine bürgerlich geschiedene jüdische Frau nicht ohne kirchliche Scheidung mit ihrem neuen Mann zusammenleben. Macht sie das trotzdem, wird sie zur Ehebrecherin und ihre Kinder werden nicht mehr als Juden anerkannt. Der frühere Mann muss der kirchlichen Scheidung aber zustimmen und das kann zu Erpressung in Höhe von mehreren Tausend Euro führen. Es wird geschätzt, dass in der Welt zehntausende Frauen unter dieser Situation leiden. Der Kampagne wird in der internationalen jüdischen Presse viel Raum gegeben. Frau Cattan wurde auch durch den konsistorialen Vorsitzenden der Pariser Gemeinde eingeladen, um gemeinsam Lösungen für das Problem zu suchen. Ob die „große Rabbiner“ Frankreichs konsensuelle Lösungen akzeptieren werden ist noch unklar. Die orthodoxen Gemeinden Frankreichs gehören zu den am meisten dogmatischen der Welt. <Französisch...>

Offensive des islamischen Kreationismus

Die Mehrzahl der Universitäten, Lyzeen und Gymnasien haben tausendfach eine luxuriöse Ausgabe des Buches „Atlas der Schöpfung“ empfangen. Es verbreitet die kreationistischen Thesen des Islams. Nach dem türkischen Autor, Harun Yahya, ist die Erde zwar Milliarden Jahre alt, aber die Arten haben sich nie geändert. Auch soll Darwin der Urvater des Terrorismus sein. Der Bildungsminister hat angewiesen, dieses Buch nicht in die Bibliotheken der Schulen aufzunehmen. Die Frage ist noch ungeklärt, wer diese Aktion finanziert hat. Um so mehr, da noch sechs andere Bücher folgen sollen. <Französisch...>

Die frühzeitige kriminelle Zuordnung von Kindern ist abgelehnt

Auf Initiative des nationalen Syndikats der Kinderärzte haben 200.000 Menschen eine Petition unterschrieben, die gegen das Vorhaben protestieren, Daten zur Früherkennung von mentalen Störungen bei Kindern zu erfassen, die später zu strafrechtliche Handlungen führen könnten. Dieses Vorhaben wurde unter anderem auch durch den konservativen Präsidentschaftskandidaten Sarkosy unterstützt. Die Aktion der Ärzte hat Erfolg: Die entsprechenden Bestimmungen wurden aus dem Gesetzentwurf entfernt und das Nationale Gesundheitsinstitut will die bisherige Untersuchungspraxis zu Gunsten von mehr Offenheit und mehr Forschung ändern. <Französisch...>

Rudy Mondelaers