Unermüdlicher Streiter für eine gerechte Welt

Fritz Lamm

* 30. Juni 1911 in Stettin, Δ 15. März 1977 in Stuttgart;
Sozialist, Widerstandskämpfer, Gewerkschaftler, Freidenker. Unermüdlicher Streiter für eine sozial und politisch gerechte Welt.

Er wurde als Sohn jüdischer Kaufleute geboren. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er bis zur Auflösung des väterlichen Geschäftes 1930 bei seinem Vater. In der folgenden Zeit war er Volontär beim sozialdemokratischen „Volks-Boten“ in Stettin. Zwischen 1927 und 1929 war er aktives Mitglied im deutsch-jüdischen Wanderbund „Kameraden“, trat jedoch 1930 aus der jüdischen Gemeinde aus, nachdem er dort eine politische Radikalisierung erfahren hatte. Auch den Zionismus lehnte er als weltanschauliche und politische Alternative, ab. Er trat der SPD, der SAJ, der Gewerkschaft, der Naturfreunde und der Freidenkerjugend bei.

Im August 1931 wurde er aus der SPD „wegen Parteischädigendem Verhalten“, „Radikalisierung der Jugend anhand von Schriften von Marx und Engels“ und wegen Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD mit der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) ausgeschlossen. Damit verbunden war auch der Verlust des Volontariats. Vorangegangen waren heftige Auseinandersetzungen zwischen rechter SPD-Führung und linken Sozialisten und Pazifisten um die Unterstützung der Regierung Brüning und den Bau eines Panzerkreuzers. Die Parteiführung beantwortete die Kritik mit einer Ausschlusswelle gegenüber den Kritikern. Im Oktober war er Gründungsmitglied in der linken SPD-Abspaltung Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) und Mitglied in deren Ortsvorstand Stettin, Vorsitzender der Stettiner Jugendorganisation Sozialistischer Jugendverband (SJV) und Bezirksleiter in Pommern. Gewerkschaftlich organisierte er sich im links orientierten Zentralverband der Angestellten (ZdA). Er versuchte sich als Buchhändler und Leihbibliothekar,  legte ein Dolmetscherexamen ab uns war für die Büchergilde Gutenberg tätig.

Ab 1933 war er ständigen Verfolungen ausgesetzt und wurde mehrmals u. a. wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ (Herstellung und Verbreitung illegaler Schriften) verurteilt und inhaftiert. Er flieht in die Schweiz, wurde nach Österreich abgeschoben und ging von da aus in die Tschechoslowakei (1936-1938). Dort beteiligte er sich an der Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und arbeitete für die Schweizer Büchergilde. Im Sommer 1938 reiste er weiter nach Paris, dem zentralen Ort der deutschen politischen Emigration. Dort wurde er 1939 als „feindlicher Ausländer“ verhaftet. Er unternahm mehrere Fluchtversuche aus dem Internierungslager Vernet d'Aridge in den Pyrenäen. Im Dezember 1941 gelang es ihm mit Hilfe von Genossen der SAP nach Marseille zu entkommen. Von amerikanischen Genossen bekam er ein Visum für Kuba und konnte so 1942 nach Havanna entkommen. Dort war er bis 1948 als Teildiamantenschleifer tätig.

1948 kehrt er nach Deutschland zurück und lässt sich in Stuttgart nieder. Er wurde Leiter des Redaktionssekretariats der „Stuttgarter Zeitung“ und trat wieder in die SPD, die Gewerkschaft und die Naturfreunde ein. Ab 1949 veröffentlichte er die „Thomas Münzer-Briefe“, als Vorläufer der Zeitschrift „Funken“. Mit kurzer Unterbrechung war er im Betriebsrat der "Stuttgarter Zeitung" und von 1953 bis 1974 deren Vorsitzender. 1950-1960 war er zusätzlich bei der Gewerkschaft Druck und Papier und im Ortsvorstand der SPD tätig, seit 1954 im Deutschen Freidenker-Verband. Unermüdliche politische Vortragstätigkeit für viele Organisationen, Jugendgruppen, Volkshochschulen bestimmten sein Leben. Er war Mitglied der Landesleitung der württembergischen Naturfreunde und Bildungsreferent beim Bundesverband. 1961, nach dem Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD gegen den SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund), zusammen mit Abendroth, Flechtheim und Heydorn Mitbegründer der Fördergesellschaft des SDS. 1963 erneuter Ausschluss Lamms aus der SPD, wegen seiner Zugehörigkeit zur Fördergesellschaft und einer Rede zum 1. Mai 1961 in Berlin.

Zitat: 

„Religion liegt mir nicht – Die Kenntnis des experimentell Erwiesenen und wissenschaftlichen Nachweisbaren, des real Vorhandenen halte ich für gut und nützlich, auch um weltanschauliche Vorstellungen zu entwickeln und daraus politische Schlüsse zu folgern. Ins Gebiet der Irrationalen folge ich nicht.“

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