Konfessionsfreie legen bei Weltanschauungen zu

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Glaubensabbau. Foto: Fiona Lorenz

HARTFORD, Conneticut/TRIER. (usatoday/hpd) Amerikaner, die sich mit keiner Religion identifizieren, machen in den USA nun 15% aus. In einer neuen ARIS-Studie zeigen die Trends allerdings, dass sie eines Tages die größten Bekenntnisgruppen überholen könnten – einschließlich der Katholiken, deren Anteil gegenwärtig bei 24% der Bevölkerung liegt. Die Ergebnisse sind zum Teil mit deutschen vergleichbar.

hpd-Redakteurin Fiona Lorenz hat einen aktuellen Artikel von Cathy Lynn Grossman, usatoday, sowie die Highlights der ARIS-Studie zusammengefasst und mit der Situation in Deutschland, wie sie sich statistisch bei der Forschungsstelle Weltanschauung in Deutschland (fowid) eruieren lässt, und ihren eigenen Ergebnissen einer kleinen Studie verglichen.

Kosmin und Ariela Keysar vom Trinity College leiteten in 18 Jahren drei Ausgaben der US-Studie zur religiösen Identität (ARIS). Die ARIS-Studie von 2008 basiert auf einer Stichprobe von 54.000 US-Erwachsenen und erlaubte eine eingehende Untersuchung von 1.106 Konfessionsfreien, die zusätzliche Fragen nach ihren Überzeugungen sowie nach ihrem Verhalten und ihrer Sicht auf Gott beantworteten.

Amerikanische Konfessionsfreie: Das Profil der nicht religiösen amerikanischen Population, die dieser Tage vom Trinity College veröffentlicht wurde, zeigt, dass diese glaubensfreie Gruppe bereits 19% der US-amerikanischen Männer und 12% der Frauen beinhaltet. Von diesen gaben 35% an, dass sie im Alter von 12 Jahren katholisch gewesen seien.

Vor einigen Tagen erst erreichte uns Deutsche die Schreckensmeldung der katholischen Kirche, die einen extremen Mitgliederschwund beklagt.

Die Ergebnisse

Nicht alle amerikanischen „Konfessionsfreien“ sind gleich. Die Hälfte (51%) glauben noch immer an einen Gott oder eine höhere Macht.

Bei den Deutschen sieht das wie folgt aus: 4% der Konfessionsfreien glauben an einen persönlichen Gott, 18% an ein „höheres Wesen“, 17% wissen es nicht. Damit glauben 61% der deutschen Konfessionsfreien nicht an einen Gott (wie auch 9% der deutschen Katholiken und 21% der deutschen Protestanten).

Der Geschlechterfaktor

Konfessionsfreie stellen auch die einzige Haupt-Glaubensguppe in den USA, die überwiegend männlich ist. Selbst wenn Mädchen mit ungläubigen Eltern aufwachsen, werden sie als Erwachsene mit größerer Wahrscheinlichkeit gläubig werden als ihre Brüder. „Frauen sind weniger skeptisch als Männer und werden von unreligiösen und antireligiösen Anschauungen weniger angezogen. Es ist wahrscheinlicher, dass sie eine säkulare Erziehung zurückweisen“, sagte Kosmin.

Der Geschlechterfaktor greift auch in Deutschland, allerdings extremer: Hierzulande sind ca. vier bis fünf Mal so viele Frauen wie Männer religiös.

Konfessionslose sind ein Eintopf

Der Prozentsatz atheistischer Konfessionsfreier in den USA – die sagen, es gibt keinen Gott – hat sich seit Jahren nicht verändert.

„Es bestehen so viele Missverständnisse darüber, wer die Konfessionsfreien sind. Sie sind weder New Age-Suchende, noch spirituell, noch harte Atheisten“, sagte Kosmin. „Sie sind ein Eintopf aus Agnostikern, Theisten und Rationalisten. Sie hören sich eher an wie Thomas Jefferson und Tom Paine. Ihr sehr interessanter Aufklärungsansatz klingt wie derjenige der Gründungsväter: Skeptisch, ohne organisierte Religion und Kleriker, während sie noch immer an einer Gottes-Idee festhalten.“

Diese Einschätzung entspricht auch den Ergebnissen, die ich in einer Befragung einer kleinen Gruppe von 70 „Abtrünnigen und Ungläubigen“ gewinnen konnte: Sie lassen sich partout nicht über einen Kamm scheren, allerdings überwiegend ohne Gottes-Idee. Letzteres könnte dem Umfeld, in dem ich die Interviewten gewann, geschuldet sein, entstammten sie doch fast sämtlich dem säkularen Umfeld und können daher keine Repräsentativität beanspruchen.

Altersgruppe und politische Orientierung

Eher Jüngere werden abtrünnig: In den USA ist vor allem die Altersgruppe der 18-29jährigen konfessionsfrei.

In Deutschland ist es vor allem die Altersgruppe der 30-44jährigen, gefolgt von den 18-29- und 45-59jährigen.

Bezüglich der politischen Präferenzen gilt für Amerikaner: Je konservativer, desto religiöser. 21% der politisch Unabhängigen, 16% der Demokraten und 9% der Republikaner sind Konfessionsfreie.

Ähnlich sieht es auch in Deutschland aus: Je linker (politisch gesehen), desto eher konfessionsfrei, je weiter rechts orientiert, desto eher sind die Menschen hier in Deutschland religiös. Eine wesentliche Rolle für die Religionsfreiheit spielt die Teilung Deutschlands: Im östlichen Teil des Landes tummeln sich weitaus mehr Konfessionsfreie und Ungläubige als im Westen.

Ansonsten viele Ähnlichkeiten

Irgendwie, befanden die US-Forscher, sind die 34 Millionen „Konfessionsfreien“ der allgemeinen, überwiegend religiösen US-Bevölkerung ähnlich. Es gibt keine statistischen Unterschiede bezüglich Bildung, Einkommen oder Familienstand.

Auch dies entspricht im Großen und Ganzen meinen Ergebnissen in „Wozu brauche ich einen Gott?“: Wünsche, Lebensziele und Lebensumstände sind ähnlich. Vor allem das einmalige, diesseitige Leben und eine humanistische Ethik, die im Austausch mit anderen Menschen definiert wird, unterscheidet sie von Gläubigen.

„Die ‚Konfessionsfreien’ zählen nicht mehr zu einer Randgruppe und sind nun ein Teil Mittelamerikas. Sie sind in jeder soziodemografischen Gruppe zu Hause“, schließt Keysar im ARIS-Bericht.