Am 10. Januar 2026 endete eine Ära. "Dies ist mein letztes Buch", hatte Erich von Däniken bereits 2024 anlässlich der Veröffentlichung seines autobiografischen Werkes "Notizen aus meinem Leben" verkündet. Nun ist der Superstar der Parawissenschaften und wahrscheinlich erfolgreichster Sachbuchautor aller Zeiten, im Alter von 90 Jahren in einem Krankenhaus in seinem langjährigen Wohnort Interlaken gestorben.
Erich Anton Paul von Däniken wurde am 14. April 1935 in Zofingen in der Schweiz geboren. Während er ein jesuitisches Gymnasium besuchte, kamen ihm nach eigener Aussage bereits Zweifel an den Erzählungen der Bibel – passte doch der biblische Gott, der rachsüchtig und oftmals allzu menschlich in Feuer und Rauch erschien, so überhaupt nicht zu seinem Verständnis eines transzendenten Geistes des Universums.
Nach einer Lehre als Koch arbeitete Däniken in verschiedenen Hotels, bis er 1965 die Leitung des Hotels Rosenhügel in Davos übernahm. 1968 erschien sein erstes Buch "Erinnerungen an die Zukunft" im Econ-Verlag, welches eine ungeahnte kulturelle Lawine lostrat. Seine These: "Die Götter waren Astronauten!" Bei den antiken Mythen über Götter, welche in feurigen Wagen dahinfuhren, biblischen Propheten erschienen, ja gar den Menschen geschaffen hatten, handle es sich um Erinnerungen an außerirdische Raumfahrer, welche die Erde vor langer Zeit besuchten. Fortschrittliche Technologien wie Raumschiffe seien von den primitiven Menschen des Altertums als göttliche Magie missverstanden und in "Cargo-Kulten" verehrt worden – erst der moderne Blick des Raumfahrtzeitalters ermögliche es, die alten Überlieferungen korrekt zu deuten. Alte Überlieferungen und Bräuche, aber auch geheimnisvolle Ruinen und archäologische Funde wurden damit zu Indizien für die einstige Anwesenheit von Außerirdischen.

Foto: © ven Teschke, Wikipedia (Lizenz: CC BY-SA 3.0 de)
Ganz neu war diese Idee, welche heute als "Prä-Astronautik" oder "Paläo-SETI" bezeichnet wird, bereits damals nicht. Schon im 19. Jahrhundert hatten einzelne Denker ähnliche Annahmen formuliert, auch bei Fantasy- und Science-Fiction-Autoren des frühen 20. Jahrhunderts wie H. P. Lovecraft findet sich wiederholt das Szenario außerirdischer Besucher in grauer Vorzeit. In Buchpublikationen der 1950er bis 60er Jahre begann sich aus einer Mischung von Theosophie, zeitgenössischer Phantastik und dem aufkommenden UFO-Phänomen ein Kanon von Motiven und wiederkehrenden "Beweismitteln" zu etablieren. So besteht auch "Erinnerungen an die Zukunft" in großen Teilen aus Versatzstücken früherer Autoren wie Louis Pauwels und Jacques Bergier ("Aufbruch ins dritte Jahrtausend", 1960) sowie Robert Charroux ("Phantastische Vergangenheit", 1965). Doch war Erich von Däniken der erste, dem es während der euphorischen Weltraumbegeisterung der 1960er gelang, aus der esoterischen Nische seiner Vorgänger herauszutreten und ein Millionenpublikum für solche Ideen zu begeistern. Sein Stil, in welchem er die Rätsel der fernen Vergangenheit mit den technischen Innovationen der Gegenwart verband, traf genau den Nerv der Zeit.
In der englischen Übersetzung als "Chariots of the Gods?" wurde Dänikens Buch ein Weltbestseller, nur ein Jahr später folgte die Fortsetzung "Zurück zu den Sternen" (1969) und fortan ein Buch nach dem anderen. Der Dokumentarfilm "Erinnerungen an die Zukunft", welcher den Inhalt der ersten Bücher 1970 auch in die Kinos brachte, wurde für einen Oscar nominiert. Die Thesen der Prä-Astronautik faszinierten in jener Hochzeit des "Däniken-Phänomens" nicht nur Menschen allen Alters weltweit, sondern inspirierten auch weitere Publizisten zu eigenen Werken: International traten Autoren wie Zecharia Sitchin, Robert K. G. Temple und der NASA-Ingenieur Josef F. Blumrich, im deutschen Sprachraum Peter und Johannes Fiebag, Ulrich Dopatka und zahlreiche andere in Dänikens Fußstapfen.
Mit der Ancient Astronaut Society, später Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A.A.S.) entstand ein loser Dachverband der Prä-Astronautik; bis zuletzt führte Däniken selbst Gruppenreisen zu den Schauplätzen seiner Bücher in alle Welt. Auch weiterhin veröffentlichte er Buch für Buch, in welchen er seine Theorien weiter ausbaute: Bis 2024 erschienen nicht weniger als 49 eigene Monografien sowie eine Vielzahl herausgegebener Sammelbände. Insgesamt wurden über die Jahrzehnte rund 70 Millionen Exemplare seiner eigenen Bücher in aller Welt verkauft. Vergangenes Jahr erschien unter dem Titel "Erich von Däniken. Sein Leben ‒ Sein Lebenswerk" auch die einzige offiziell autorisierte Biografie aus der Feder von Hans Peter Roth.
In der akademischen Altertumswissenschaft wurden Dänikens Thesen zeitlebens konsequent zurückgewiesen. Bereits ab den 1970ern erschienen Repliken, welche seine Behauptungen teils fundiert widerlegten, teils polemisch ablehnten. Obgleich viele Archäologen und Historiker, die heute an Lehrstühlen forschen, bereits als Teenager Dänikens Bücher lasen und nicht zuletzt durch diese ihre Begeisterung für die Rätsel der Vorzeit entdeckten, so überwiegen aus fachlicher Perspektive doch weiterhin die Zweifel: Die meisten Argumente und Indizien, welche Däniken für seine Hypothesen anführte, halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Bei antiken Mythen, deren Ursprung sich nicht mehr rekonstruieren lässt, bleibt die Wahrheit oft eine Glaubensfrage. Entgegen der weitverbreiteten Annahme, Däniken habe nur gewagte Interpretationen zu gesicherten, wenngleich wenig bekannten Fakten vorgebracht, stellten sich in vielen Fällen auch Tatsachenbehauptungen in seinen Werken als falsch oder die zugrundeliegenden Quellen als Fabrikationen heraus. Wohlverdient wurde Erich von Däniken daher im Jahr 2012 von der Wiener Regionalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) das erste "Goldene Brett vorm Kopf" für ein Lebenswerk verliehen.
So hinterlässt Erich von Däniken zweifellos ein reiches, wenngleich zwiespältiges Erbe. Seine Bücher begeisterten Millionen Menschen für, aber auch gegen die Altertumswissenschaft. Sie inspirierten andere grenzwissenschaftliche Sachbuchautoren ebenso wie die Populärkultur, welche mit Romanen, Comics und Kinofilmen regelmäßig auf seine Thesen zurückgriff.
Die immer wieder prophezeite Rückkehr seiner außerirdischen Götter hat Erich von Däniken nun nicht mehr erleben können. Aus seiner 65 Jahre andauernden Ehe mit Elisabeth von Däniken hinterlässt er seine Tochter Cornelia, zwei Enkel sowie eine Urenkeltochter.
Noch anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft" und der Veröffentlichung seines Buches "Neue Erkenntnisse" konnte ich Däniken selbst am 31. März 2019 live bei einem Vortrag im niedersächsischen Northeim erleben. Sein unverwechselbares Auftreten, seine eigenwilligen Thesen und natürlich sein legendäres blaues Jackett werden zweifellos vielen Menschen in Erinnerung bleiben.
Erstveröffentlichung auf dem GWUP-Blog. Übernahme unter geringfügigen Änderungen mit freundlicher Genehmigung.






