Die Religion hat der Liebe einen großen Dienst erwiesen

Anatole France

* 16. April 1844 in Paris, Δ 12. Oktober 1924 in La Béchellerie bei Tours; eigentlich Jacques Anatole Francois Thibault;
französischer Schriftsteller. Er war skeptisch, aufklärerisch und antiklerikal. Vor allem in seinen späten Romanen plädierte der Agnostiker und Linkssozialist Anatole France für Freiheit, Toleranz und Humanismus.

 

Der Buchhändlersohn erhielt eine gute Schulbildung und arbeitete zunächst als Lektor, dann als Bibliotheksangestellter. Gleichzeitig trat er als Literaturkritiker und Lyriker hervor. Mit 29 Jahren veröffentlichte er seine erste Gedichtsammlung. Sein erster Roman „Professor Bonnards Schuld” brachte ihm 1881 den internationalen Durchbruch als Schriftsteller.

Anfangs vertrat er eher eine konservative Einstellung. Gegen 1890 rückte er jedoch langsam nach links. Er öffnete sich antiklerikalen und humanitär-sozialistischen Ideen, wobei ihn weniger eine Revolutionierung der Gesellschaft interessierte, als die Emanzipation des Individuums von inhumanen materiellen und moralischen Zwängen.

Vermutlich hatte das 1888 begonnene außereheliche Verhältnis wesentlichen Einfluss auf sein Umdenken. 4 Jahre später trennte er sich von Frau und Tochter. In dieser Zeit schrieb er den Roman, „Thaïs”, dessen Hauptfigur zu dem Schluss kommt, dass der Verzicht auf jegliche Sinnenfreude nicht gottgewollt sein kann.

Das antiklerikale und fortschrittliche Denken von France zeigt sich auch in dem sehr erfolgreichen Kurzroman „Die Bratküche zur Königin Pedauque” von 1892/93. Hierin berichtet ein Ich-Erzähler von seinen vielfältigen Erlebnisse mit dem sehr unorthodoxen ehemaligen Kirchenmann und Gymnasialprofessor Jérôme Coignard. Diese Figur eines undogmatischen Skeptikers und Freidenkers nutzt France im selben Jahr 1893 auch in im Rahmen einer satirischen Artikelserie.

1896 wurde er als vielseitiger Literat und glänzender Stilist in die Académie française aufgenommen. Sein politisches Engagement manifestierte sich auch 1898 in seinen publizistischen Stellungnahmen zur Dreyfus-Affäre und in seiner Einmischung in den politisch motivierten Prozess gegen Émile Zola.

Im Ersten Weltkrieg bezog France, nachdem er anfangs noch als Friedensmahner aufzutreten versucht hatte, eine gemäßigt patriotische Position.

Ende 1920 schlug er sich auf die Seite der neugegründeten Kommunistischen Partei, trat ihr jedoch nicht bei. Bereits 1922 ging er wegen der absoluten Moskau-Hörigkeit der KP wieder auf Distanz.

1921 erhielt er als vierter französischer Autor den Literatur-Nobelpreis. Vom Vatikan dagegen wurde sein Gesamtwerk 1922 auf den Index gesetzt.

Zu seinem 80. Geburtstag 1924 wurde France mit Ehrungen überhäuft und bei seinem Tod noch im selben Jahr mit einem Staatsbegräbnis ausgezeichnet.

Zitat:
„Die Religion hat der Liebe einen großen Dienst erwiesen, indem sie sie zur Sünde erklärte.”

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