Sozialismus auf demokratisch - humanistischer Grundlage

Wolfgang Abendroth

* 2. Mai 1906 in Elberfeld, Δ 15. September 1985 in Frankfurt/Main;
Politologe und Professor für öffentliches Recht; er stand Zeit seines Lebens für einen Sozialismus auf demokratisch-humanistischer Grundlage ein.

Wolfgang Abendroth engagierte sich schon früh politisch. Bereits mit 14 Jahren trat er dem Kommunistischen Jugendverband bei, danach der KPD und der „Roten Hilfe Deutschland”. Er war zudem im Freidenkerverband aktiv und in leitender Position beim „Bund freier sozialistischer Jugend”. Er wurde aus der KPD wegen seines Eintretens für eine Einheitsfront von Sozialdemokraten und Kommunisten ausgeschlossen. Außerdem kritisierte er die Sozialfaschismustheorie, nach der die Sozialdemokratie der "linke Flügel des Faschismus" sei, den es zu bekämpfen gelte. 1928 schließt er sich der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) an.
Bis 1930 studierte Wolfgang Abendroth Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an verschiedenen deutschen Universitäten und beendete es mit der ersten juristischen Staatsprüfung. Zwischen 1930 bis 1933 bekam er eine Stelle als Gerichtsreferendar.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten darf Abendroth nicht weiter arbeiten und geht in die Schweiz. Dort promoviert er 1935 an der Universität Bern mit einer völkerrechtlichen Arbeit.
Er schließt sich ab 1933 mehreren illegalen Organisationen (u. a. Neu Beginnen) an. Vor allem für die „Einheitsfront” zwischen SPD und KPD machte er sich stark. Anfang 1937 wurde er verhaftet und noch im selben Jahres vom Oberlandesgericht Kassel wegen Hochverrats verurteilt. Die vier Jahre Zuchthaus verbüßte er in Luckau.
Ende 1943 wurde er zum „Strafbataillon 999” eingezogen und in Griechenland eingesetzt. Er lief aber zur griechischen Widerstandsbewegung ELAS über. 1944 wurde er von den Briten in ein Kriegsgefangenenlager in Ägypten interniert. Bereits dort begann er mit politischer Schulungsarbeit. Später führte er sie im britischen Umerziehungslager Wilton Park Training Centre weiter. Er wählt dort Kriegsgefangene aus, um sie auf die Mitarbeit in der Verwaltung in einem neuen Deutschland vorzubereiten. Noch als britischer Kriegsgefangener wurde er Mitglied der SPD.
Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 geht er zunächst nach Potsdam, um in der Sowjetischen Besatzungszone sein zweites Staatsexamen ablegen zu können. Ab Januar 1947 arbeitet konnte er dort als Richter am Landgericht arbeiten. Ende 1947 wurde er Dozent an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle und wurde im Jahr 1948 als Professor für Völker- bzw. Öffentliches Recht nach Leipzig und Jena berufen. Da er in der SBZ die zunehmende Stalinisierung beobachtete, zog er Ende 1948 zu seinen Schwiegereltern nach Bremen. 1950 wurde er als Politikwissenschaftler an die Philipps-Universität in Marburg berufen. Diesen Lehrstuhl hatte er bis zu seiner Emeritierung 1972 inne. Jedoch unterlag der bekennende Marxist auch in der Bundesrepublik starken politischen Anfeindungen. Abendroth sah sich nicht nur als Theoretiker, sondern war an den großen politischen Protestbewegungen der 1950er und 1960er Jahre, an den Auseinandersetzungen um Mitbestimmung, gegen Aufrüstung, Atomwaffen und Notstandsgesetze, maßgeblich beteiligt. Abendroth wurde zur Symbolfigur des linken Flügels der SPD und gestaltete maßgeblich die Neue Linke im SDS mit.