Der Züricher Zoo will einen alten Gorillamann einschläfern, da er gesundheitliche und soziale Probleme habe und sich ausreichend fortgepflanzt habe. Das Great Ape Project (GAP) kritisiert dieses Vorhaben.
Am 11. März verlautbarte der Zoo Zürich, den seit 1984 dort lebenden Gorilla-Silberrücken N'Gola zeitnah einschläfern zu wollen. Der 47-jährige N'Gola leide, wohl altersbedingt, seit geraumer Zeit unter gesundheitlichen Problemen, die geplante Euthanasie diene insofern dem Wohle des Gorilla-Seniors, dem damit fürdere Schmerzen oder Leiden erspart würden. Hinzu komme, dass die gesundheitlichen Probleme des Silberrückens zum Verlust seiner Dominanz über seine dreiköpfige Haremsgruppe geführt hätten, was innerhalb dieser erhebliche Spannungen hervorgerufen habe. Diese Spannungen hätten sich immer deutlicher auch auf das Wohlergehen N'Golas ausgewirkt, so dass eine zoointerne Ethik-Kommission den Entschluss gefasst habe, ihn zu "erlösen". Wer genau dieser Kommission zugehörig war, die das Todesurteil gegen N'Gola fällte, wurde nicht mitgeteilt.
Laut Zooleitung habe man indes längst schon für Ersatz für gesorgt: Man habe sich einen 17-jährigen Gorillamann namens Bwana bestellt, der bisher im Zoo von Warschau lebte. Sobald dieser in Zürich eintreffe, werde N'Gola getötet. Auch zwei der drei weiblichen Gorillas des Züricher Zoos werden an unterschiedliche andere Zoos abgeschoben. Statt ihrer kommen drei ebenfalls schon bestellte jüngere Gorillafrauen aus drei unterschiedlichen Zoos in Frankreich, Spanien und Deutschland nach Zürich. Sie alle werden gewaltsam aus ihren bisherigen Familienverbünden herausgerissen und in Zürich zum Zwecke des "Nachzüchtens" zwangsvergesellschaftet.
Tatsächlich scheint es bei all der Hin- und Herschieberei um nichts anderes zu gehen, als publikumsattraktiven Nachwuchs zu produzieren. Mit Blick auf die geplante Euthanasie von N'Gola spricht der Zoo Zürich selbst vom "Aufbau einer neuen Gorilla-Gruppe", für den der alte Silberrücken offenbar unbrauchbar oder gar hinderlich ist: "N'Gola ist Vater von 34 Gorillas und auch seine Nachkommen haben sich erfolgreich vermehrt. Seine Gene sind dadurch im EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm, Anm. d. A.) stark repräsentiert. Aktuell besetzt er einen dringend benötigten Platz für ein jüngeres Männchen, welches für die Zucht und somit für den Erhalt dieser Menschenaffenart relevant ist, sich bisher aber nicht fortpflanzen konnte, da es keiner Zuchtgruppe angehört. Aus diesen Gründen – gesundheitliche Probleme, hohes Alter, Verlust der Dominanz, genetische Überrepräsentation – hat sich der Zoo Zürich in Absprache mit dem EEP für den Westlichen Flachlandgorilla dazu entschieden, N'Gola in naher Zukunft zu euthanasieren und im Gegenzug den 17-jährigen Silberrücken Bwana aus dem Zoo Warschau nach Zürich zu holen."
Die internationale Tierrechtsorganisation Great Ape Project kritisiert derlei sogenanntes "Populationsmanagement", das, wenngleich zootypisch, so doch als tierethisch völlig unvertretbar gilt: Sobald einzelne Tiere sich für zoointerne Nachzuchtpläne als unbrauchbar erweisen – aus welchem Grund auch immer –, werden sie willkürlich an einen anderen Zoo abgeschoben oder, wie im Fall des Gorilla-Seniors N'Gola im Zoo Zürich, einfach per Spritze getötet.
Nicht unerwähnt bleiben soll der Umstand, dass N'Gola bereits der sechste im Züricher Zoo einsitzende Große Menschenaffe ist, der innerhalb relativ kurzer Zeit per Euthanasie zu Tode kommt. Man erinnere sich: Ende 2023 wurde Gorilla N'Yokumi getötet, wenig davor die für Reproduktionszwecke gleichfalls unbrauchbaren Gorillas Mawimbi und Mamitu. Hinzu kam Anfang 2024 die Einschläferung von Orang Utan Darius, Ende 2023 hatte es Orang Utan Oceh getroffen. Äußere, sprich zoounabhängige Kontrolle solcher Tötungsentscheidungen und -praktiken gibt es nicht.

1 Kommentar
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Kommentare
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Was "Menschen" alles fertigbringen ist eine Schande für unsere Spezies, wildlebende Tiere
und Zoos und Zirkus einfach zu verbieten.