Erfolglos als Schauspieler

Ludwig Anzengruber

* 29. November 1839 in Wien; ∆ 10. Dezember 1889 in Wien;
österreichischer Schriftsteller. Er
erweiterte die Stilform des Wiener Volksstücks um zeitgenössische Themen.

Anzengruber, der früh seinen Vater verlor, wuchs bei der Mutter auf, die ihm trotz der ärmlichen Verhältnisse eine Schulbildung ermöglichte. Die geringe Witwenrente reichte nicht aus, um die Ausbildung auch zu beenden. Anzengruber schlug sich in verschiedenen Anstellungen durch.

Nach längerer Krankheit beschloss er Schauspieler zu werden. Jahrelang blieb auch da der Erfolg aus. Animiert durch die kleine geerbte Bibliothek seines Vaters, las er sehr viel und fing erste schriftstellerische Versuche an. Er beschäftigte sich mit Baruch Spinoza und Ludwig Feuerbach und kam so atheistischen Anschauungen näher. Wegen des weiter bestehenden Geldmangels arbeitete er zeitweise für die Wiener Zeitschriften „Wanderer” und „Kikeriki” an. Sogar als kleiner Beamter bei einer Polizeidirektion hat er Schreibarbeiten verrichtet.

Mit dem Schauspiel „Der Pfarrer von Kirchfeld” hatte er endlich 1870 seinen ersten großen Erfolg. Anzengrubers humanistische Ideale verwendete er in den Charakteren seiner Hauptfiguren. Dabei stellte er jegliche Unterdrückung durch Kirche und Großgrundbesitzer an den Pranger. In dieser Zeit wurde Anzengruber von Theodor Fontane, Otto Brahm oder auch Friedrich Engels hoch geschätzt.

Anzengruber, der antiklerikal eingestellt war, verstand sich als Aufklärer und Reformer. Er stellte in seinen Stücken soziale Beziehungen in einer kleinen, abgeschlossenen Welt dar und machte soziale und politische Probleme deutlich. Er wollte die Welt entgöttern und vermenschlichen. Ende der 1870er Jahre ließ sein Erfolg nach und er begann wieder für Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben. Ende der 80er Jahre konnte er eine feste Stelle als Dramaturg am Wiener Volkstheater bekommen. Als Ödön von Horváth neue kritische Volksstücke schrieb, geriet das Werk von Anzengruber in den Hintergrund. Heute wird Anzengrubers Werk als Alternative zur habsburgischen Heimatliteratur seiner Zeit gewürdigt.

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