Die EU als europäische Wirtschaftsgemeinschaft ordnet Handelsinteressen alle anderen Aspekte unter

Grüne Woche mit Marokko - Westsahara ohne Selbstbestimmung

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Les Domines Agricoles: Lebensmittel Anbau und Verarbeitung im ganzen Land - von Dakhla über die Regionen
Les Domines Agricoles: Lebensmittel Anbau und  Verarbeitung im ganzen Land - von Dakhla über die Regionen

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Handelswege
Handelswege

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Cooperative Lamlaga, Dakhla bietet Couscous
Cooperative Lamlaga, Dakhla bietet Couscous

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Cooperative Nadweyya, El Aaiún ou El-Ayoun bietet pasteurisierte Kamelmilch und Couscous an
Cooperative Nadweyya, El Aaiún ou El-Ayoun bietet pasteurisierte Kamelmilch und Couscous an

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Anbaugebiete
Anbaugebiete

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Cooperative Lamlaga, Dakhla (Westsahara) - Handelsware Couscous
Cooperative Lamlaga, Dakhla (Westsahara)  - Handelsware Couscous

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Cooperative Lamlaga, Dakhla (Westsahara) - Handelsware Couscous
Cooperative Lamlaga, Dakhla (Westsahara)  - Handelsware Couscous

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Lounge mit einem Foto des Königs von Marokko, Mohammed VI.
Lounge mit einem Foto des Königs von Marokko, Mohammed VI.

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Les Domaines Agricoles Siége, dem Königshauses von Marokko zugehörig, Firmensitz Casablanca
Les Domaines Agricoles Siége, dem  Königshauses von Marokko zugehörig, Firmensitz Casablanca

BERLIN. (hpd) Die Grüne Woche hat im 90. Jahr ihres Bestehens Marokko als Partnerland ausgewählt. Die auf der Messe vertretenen marokkanischen Unternehmen werden mit den Worten “Reichtum und Vielfalt” beworben. Wesentliche völkerrechtliche und ethische Aspekte werden dabei allerdings negiert.

Seit dem Jahr 1975, als Spanien sich aus seiner Kolonie Spanisch-Sahara zurückzog, beansprucht das Königreich Marokko (anfangs zusammen mit Mauretanien, das sich drei Jahre später zurückzog) dieses Gebiet als “Süd-Provinzen” seines Territoriums. Seither ist die Frage, welchen Status das Gebiet hat, ungeklärt.

Die Marokkaner betrachten es als ihr Staatsgebiet. Die Exilregierung der Bewohner dieses Gebiets, die Saharauis, haben das Land jedoch zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) erklärt. In dieser Frage ist es zu einem Krieg zwischen der Frente Polisario und Marokko gekommen, der 1995 auf Betreiben der UNO mit einem Waffenstillstand unterbrochen wurde.

Seitdem laufen zwei verschiedene Bestrebungen nebeneinander bzw. gegeneinander. Zum einen ist die Europäische Union seit Mitte der 90-er Jahre dabei, die Maghreb-Staaten wirtschaftlich (und damit auch politisch) stärker an sich zu binden. Dafür hat sie im Jahr 2000 ein Assoziierungs-Abkommen geschlossen, 2010 ein Handels- sowie ein Fischereiabkommen. 2013 wurde das Fischereiabkommen, mit dem die Europäische Union die Fischereirechte vor der Küste Marokkos gekauft hat, erneuert und Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen.

Parallel und im Gegensatz dazu gibt es mittlerweile zwei UN-Resolutionen, die ein Referendum über den Status der Westsahara fordern. Marokko weigert sich bisher, dem nachzukommen.

Im Oktober 2015 hat der Ausschuss für wirtschaftliche und soziale Rechte der UN festgestellt, Marokko habe es versäumt, die Rechte der Saharauis über ihre natürlichen Ressourcen zu achten. Im Dezember 2015 hat der Europäische Gerichtshof in Straßburg die Frente Polisario als die einzige legitime Vertretung des Saharauischen Volkes anerkannt, deren Selbstbestimmungsrecht ausdrücklich betont und das EU-Handelsabkommen für ungültig erklärt.

Besonderer Kritikpunkt war wiederum, dass Marokko die Autonomie-Rechte der Bewohner von Westsahara nicht anerkennt. Pointiert wurde es durch eine Forderung aus den Niederlanden, dass alle Produkte, die Marokko aus dem Gebiet der Westsahara exportiert, als solche gekennzeichnet werden müssen.

Marokko auf der "Grünen Woche"

Die Cooperative Lamlaga aus Dakhla (Westsahara) bietet Couscous an
Die Cooperative Lamlaga aus Dakhla (Westsahara) bietet Couscous an

Ein Rundgang über die Grüne Woche lässt jedoch erkennen, das weder die Messeleitung der “Grünen Woche” noch das Wirtschaftsministerium der Bundesrepublik Deutschland sich um das aktuelle EuGH-Urteil zu kümmern scheinen. In der Halle 8 stellt das Gastland weiterhin alle Aussteller als dem Königreich Marokko zugehörig dar, von Westsahara kein Wort.

Bei meinem Versuch, die Cooperativen ihrer Herkunftsregion zuzuordnen, blieben die befragten Aussteller auf der “Grünen Woche” stumm. Die Homepage sei informativ, dort würde ich Auskunft finden. Selbst die Pressestelle der “Grünen Woche” konnte dieses Ausweichen der Aussteller aus Marokko nicht verstehen.

Insgesamt 56 Aussteller präsentiert Marokko auf der Grünen Woche jeweils mit einer Einzelpräsentation auf einer gemeinsamen Homepage.

Beispielsweise bietet die Lamlaga Cooperative, Sitz Dakhla (Westsahara) Couscous an. Auch El Aaiún ou El-Ayoun, auch Laayoune geschrieben, ist eine Stadt in Westsahara. Unter der Cooperative Nadweyya wird von hier kommend über einen Katalog pasteurisierte Kamelmilch angeboten und Couscous. Westsahara ist mit keinem Wort erwähnt.

Die Umgebung von Dakhla, Westsahara, verfügt unter dem Wüstenboden über ein riesiges Süßwasser-Reservat. Hier stehen großflächig Gewächshäuser, in denen neben anderen Firmen auch von der Les Domaines Agricoles Siége, mit Firmensitz in Casablanca, spezielle Cocktail-Tomaten in Bio-Qualität gezogen werden. Das Unternehmen gehört dem Königshaus von Marokko. Diese Tomaten werden per LKWs nach Agadir, Marokko gebracht, dort verpackt und als marokkanisch etikettiert.

In einem Video, das man in der Halle 8 der “Grünen Woche” sehen kann, heißt es dazu: “Les Domaines Agricoles hat im ganzen Land Standorte, an denen Lebensmittel angebaut und verarbeitet werden. Von Dakhla über die Regionen Souss, El Haouz, Saids bis Berkane. A. D. Agricoles baut seine Geschäftsbereiche derzeit stark aus und entwickelt sich so hin zu einem vertikal integrierten Unternehmen…..”

Das ganze Land stellt Marokko so dar:

Marokko, Selbstdarstellung
Dakhla-Qued Ed Daham (orange) und Laäyoune-Sakla El Hamra (grün) sind das Gebiet Westsahara; das bleibt jedoch ungenannt.

Die Europäische Union unterstützt die Annektierungspolitik Marokkos und missachtet das Selbstbestimmungsrecht der Bewohner von Westsahara, das damit immer noch die letzte Kolonie Afrikas ist.