Er gilt als der erste Pazifist der Neuzeit

Erasmus von Rotterdam

* 28. Oktober 1466 (evtl. auch 1469) in Rotterdam, Δ 12. Juli 1536 in Basel; lateinisch Desiderius, eigentlich Geert Geerts, niederländischer Humanist, Theologe und Philologe.

 

Der große Humanist, Vorkämpfer der intellektuellen Freiheit, Pazifist, Verfechter von Bildung und Toleranz kämpfte einflussreich mit Wort und Schrift gegen mittelalterliche Strukturen, für den Frieden in Europa und gegen den engstirnigen Zeitgeist. Allerdings blieb er in seiner Einstellung zum Judentum lebenslang den Vorurteilen seiner Epoche verhaftet.

Er war seit 1487 Mönch und wurde 1492 zum Priester geweiht. Bereits ein Jahr später ließ der Bischof von Cambrai den jungen Mann wegen seiner ausgezeichneten Lateinkenntnisse in seinen Dienst treten und ermöglichte ihm einige Reisen. Er wurde der bedeutendste Theoretiker des Renaissance-Humanismus und war ein konsequenter Kritiker des Feudalismus und des Klerikalismus. Insbesondere kämpfte er gegen Unwissenheit und kritisierte die philosophische Lehre der Kirche, die Scholastik, deren Erkenntnishorizont begrenzt war, weil sie die christlichen Glaubensoffenbarungen als gegeben annahm. Er begründete auch die neuzeitliche Philologie. Auf ihn geht die heute übliche Aussprache, insbesondere die Betonung des Altgriechischen zurück.

Er forderte, die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen in den Vordergrund zu rücken und Gegensätze zuzulassen, damit wurde er zum Wegbereiter des Toleranzgedankens. 1526 erschien sein Werk „Vom freien Willen", in der er für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen eintrat, ohne die ein moralisches und verantwortungsvolles Leben nicht möglich sei. Damit begab er sich auch in Auseinandersetzung mit Luther, in deren Folge es zum Bruch mit Luthers Reformationsgedanken kam, dessen eigentlicher Vordenker er war.

In der 1517 erschienenen Schrift „Die Klage des Friedens" wandte er sich gegen Religionskriege. Entsprechendes hat er auch in seinen theologischen Werken gelehrt und als erster die damals allgemein anerkannte Lehre vom „gerechten Krieg" abgelehnt. Er gilt somit als der erste Pazifist der Neuzeit. In seiner satirischen Schrift „Encomion moriae seu laus stultitae“ (1511, deutsch „Lob der Torheit“ 1534), kritisierte er die Selbstgerechtigkeit und Schwächen der Zeitgenossen und insbesondere, in scharfer Form, die wissenschaftliche Zurückgebliebenheit und Sittenlosigkeit des Klerus. Erasmus bezeichnete die Schrift als Plauderei. Es wurde eine der genialsten Satiren der Weltliteratur. Er legte der Göttin Stultitia seine Wahrheiten in den Mund. Nicht die Vernunft regiere die Welt, sondern die Torheit. Denn die Natur, diese Mutter und Schöpferin des Menschengeschlechts, habe dafür gesorgt, dass nirgends die Würze der Torheit fehle.

Wegen seiner kritischen Haltung zur römisch-katholischen Kirche wurden seine Werke auf dem Konzil von Trient auf den Index gesetzt. Als kritischer Denker seiner Zeit zählte Erasmus zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung.

Zitat
„Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht."

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