...eine rote Nelke in ihr offenes Grab

Angelica Balabanoff

* 7. Mai 1878 in Kiew; Δ 25. November 1965 in Rom;
international tätige sozialistische Politikerin, Publizistin und Freidenkerin.

Balabanoff wurde in einer angesehenen jüdische Bürgerfamilie in Kiew geboren. Sie musste mit 17 Jahren wegen revolutionärer Tätigkeiten Russland verlassen. In den kommenden Jahren studierte sie in verschiedenen europäischen Städten, u. a. in Berlin und Leipzig, Geisteswissenschaften. Um 1900 wählte sie Italien zu ihrer Heimat. Auch dort engagierte sie sich politisch und war bald im Vorstand der Sozialistischen Partei. Auf dem internationalen Kongress 1910 in Kopenhagen trat sie als eine der Vertreterinnen der italienischen Sozialisten auf. Besondere Aufmerksamkeit widmete sie der sozialistischen Frauenbewegung, dabei lernte sie Clara Zetkin kennen und organisierte mit ihr Frauen-Kongresse.

Während des 1. Weltkriegs emigrierte sie in die Schweiz, wo sie gemeinsam mit Lenin und Trotzki den sozialistischen Widerstand gegen den Krieg vorantrieb. Nach der Oktoberrevolution 1917 kehrte sie nach Russland zurück. Im März 1919 wurde sie Sekretärin der Kommunistischen Internationale und war damit zu einer der führenden Persönlichkeiten geworden. Ihre Auffassungen vom Sozialismus deckten sich nach wenigen Jahren weder mit denen Stalins noch mit denen Lenins. 1921 brach sie deshalb mit den Bolschewiki und verließ Russland erneut. Sie siedelte wieder nach Wien um, wo sie die emigrierten italienischen Sozialisten organisierte und den Kampf gegen den Faschismus führte. In den 1920er Jahren hielt sie Reden in vielen europäischen Großstädten, bei denen sie immer wieder vor der faschistischen Gefahr warnte.

Im Auftrag des Deutschen Freidenkerverband schrieb sie Beiträge für dessen Schulungshefte u. a. „Marx und Engels als Freidenker in ihren Schriften" (1930) und „Sozialismus als Weltanschauung" (1932). Aber auch aus Österreich musste sie vor den Nazis fliehen, ließ sich zunächst in Paris nieder und wanderte dann doch nach Amerika aus. Ende der 1940er Jahre kehrte Balabanoff nach Italien zurück, wo sie sich weiterhin für einen demokratischen Sozialismus engagierte.

Als Freidenkerin hatte sie kein Interesse an einem kirchliches Begräbnis. Sie wollte, dass ihr Freunde, und Wegbegleiter eine rote Nelke in Grab werfen.