Philosophie ist die höhere und reinere Wahrheit

Ibn Rushd

* 1126 in Cordóba; Δ 10. Dezember 1198 in Marrakesch; Ibn Rushd lateinisch: Averroës;
bedeutender arabische Philosoph und Arzt aus dem islamischen Teil Spaniens.

 

Rushd studierte Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin, Mathematik und Philosophie und wurde Richter, zuerst in Sevilla, dann in Córdoba. Er stand in der Gunst des damaligen Kalifen, der ihn 1183 zu seinem Leibarzt machte und mit der Bearbeitung der Schriften des Aristoteles beauftragte. Rushd kommentierte Aristoteles und betonte insbesondere dessen materialistische Züge.

Seine Kommentare trugen später in der christlichen Welt maßgeblich zur Rezeption der aristotelischen Rechtsphilosophie bei und wirken für die Aristotelesinterpretation in vieler Hinsicht prägend. Er verfasste Schriften über Heilkunde, Arithmetik und elementare Astronomie. Mit seiner Betonung der Vernunft steht er für den Brückenschlag zwischen Islam und Aufklärung. Aus diesem Grund trägt ein Preis, der seit 1999 für Verdienste um die Demokratie und Meinungsfreiheit in der islamischen Welt vergeben wird, seinen Namen.

In seinen philosophischen Grundgedanken formulierte er Bedeutendes für die Wissenschaft und versuchte Vernunft und Religion zu vereinbaren. Um dieses Dilemma zu lösen, vertrat er die Lehre von der sogenannten doppelten Wahrheit; danach bestehen philosophische und religiöse Wahrheit nebeneinander. Er verwarf den Gedanken an eine Unsterblichkeit der Seele und sprach von der Unendlichkeit der materiellen Welt. Mit solchen Gedanken geriet er in Widerspruch zu den herrschenden religiösen Vorstellungen. Als der Kalif starb, klagte man ihn 1195 als Häretiker an. Er wurde seiner Ämter enthoben und verbannt, seine philosophischen Schriften wurden verbrannt. Erst kurz vor seinem Tod durfte er nach einem erneuten Wechsel im Amt des Kalifen an den Hof in Marrakesch zurückkehren.

Als seine Schriften im 13. Jahrhundert aus dem Arabischen zunächst ins Hebräische, dann ins Lateinische übersetzt wurden, begann auch im Christentum eine kontroverse Debatte, die dazu führte, dass wichtige Bischöfen, etwa die von Paris, Oxford und Canterbury seine Schriften verurteilten.

Zitat:
„Die Philosophie ist gegenüber der Religion die höhere und reinere Wahrheit. In der Religion erscheinen diese Wahrheiten in bildlicher Einkleidung, die dem schwachen Verständnis der Menge angepasst sei.”