Sein Stück „Kikeriki!" wurde in Irland verboten

Sean O'Casey

* 30. März 1880 in Dublin, Irland; 24. September 1964 in Torquay, England;
irischer Dramatiker. 

Er war ein schwieriger, unbequemer Kopf, ein geborener Rebell, ein Individualist und Humanist. Auf seiner Suche nach einer besseren Welt eckte er überall an. Dennoch gilt er als Ausnahmedramatiker des 20. Jahrhunderts.

Als John Casey wurde er in einer kinderreichen, protestantischen Arbeiterfamilie geboren und wuchs in den Dubliner Slums auf. Er erlebte Armut und Krankheit tagtäglich. Wegen eines Augenleidens lernte er erst spät lesen und schreiben. Er wurde Bahnarbeiter und trug so zum Unterhalt der Familie bei. Später schloss er sich der kommunistischen Partei an.

Das Schreiben erlernte er autodidaktisch, während er verschiedene z. T. schwere Jobs ausübte. Er hatte das Milieu, über das er schreibt, hautnah erlebt und konnte seine Erfahrungen in seine Werke einfließen lassen.

Später hatte er die Chance als Lehrer, Journalist und Schauspieler zu arbeiten. Als er 26 Jahre alt war, entdeckte er seine irischen Wurzeln. Daraus resultierte seine Namensänderung in Sean O´Casey. Er war Anhänger der nationalen irischen Bewegung, wendete sich jedoch nach dem Streik der Transprtarbeiter 1912 dem Sozialismus zu.

In den Reihen der sozialistisch orientierten Irish Citizen Army (ICA), dessen Generalsekretär er 1914 wurde, nahm er 1916 am Osteraufstand teil, wofür er beinahe hingerichtet worden wäre.

Er stand diesem Aufstand sehr kritisch gegenüber und war von dem militärischen Einsatz, der viele Opfer auch in der Zivilbevölkerung forderte, nicht überzeugt. In der Folge brach O'Casey mit der ICA und wendete sich der Schriftstellerei zu. Es entstanden drei Dramen zum irischen Befreiungskampf und Bürgerkrieg, in denen er seine Erlebnisse, seine Enttäuschung und seine Trauer verarbeitet. In diesen Stücken prangert er falschen Heroismus und Patriotismus an und wendet sich gegen die Sinnlosigkeit und Brutalität der bewaffneten Auseinandersetzung.

1926 verließ O´Casey angesichts zunehmender Verständnislosigkeit gegenüber seinem Werk enttäuscht Irland und übersiedelte nach England. Dort experimentierte mit einer Vielzahl anderer dramatischer Formen, allerdings waren diese nicht so erfolgreich, wie seine Bürgerkriegs-Trilogie.

Weniger bekannt wurden seine autobiographischen Bücher. Diese spiegeln aber sehr exakt die lage Dublins im frühen 20. Jahrhundert wieder.

O´Casey war ein überzeugter Freidenker. In dem Stück „Kikeriki!" greift er den katholischen Klerus und die Scheinheiligkeit an. Er verabschiedet sich damit endgültig von seiner Heimat Irland und den religiösen Fanatikern, die kriegsähnliche Verwüstungen verursacht haben. Dieses 1949 geschriebene Stück wurde daraufhin in Irland verboten.

Zitat:
"Die Politik hat Tausende hingemetzelt, die Religion Zehntausende."