Weihnachtsstimmung in Gefahr?

ASCHAFFENBURG. Was gehört eigentlich dazu, dass auf einem Weihnachtsmarkt die richtige weihnachtliche Stimmung aufkommt? Und was muss unbedingt unterbunden werden?

Unglücklicherweise scheint es zur Klärung dieser Frage keine Verordnung der bayerischen Staatsregierung zu geben, ja nicht einmal eine EU-Richtlinie. Und so stehen die kommunalen Behörden ganz allein da mit der schweren Verantwortung zu entscheiden, was der weihnachtlichen Stimmung zuträglich ist und was nicht.

Natürlich konnte Robert Fietzek dies nicht wissen, als er mit dem Ansinnen an seine Heimatstadt herantrat, ein nikolausbübisches Postkarten-Sortiment auf dem Weihnachtsmarkt anzubieten. Vielleicht, so dachte der Zeichner, finden die Besucher außer an Glühwein und Bratapfel auch Gefallen an den lustigen Weihnachtsmännern. Im Ordnungsamt der Stadt Aschaffenburg hingegen läuteten offenbar die Weihnachtsglocken und zwar Alarm: wollte da doch glatt ein Künstler mit seinen Postkarten die gute Ordnung durcheinander bringen – Lustiges in der Weihnachtszeit, wo kämen wir denn da hin. Lustig sind die Leut’ im Fasching; zur Weihnachtszeit hat Fröhlichkeit zu herrschen. Und deshalb müssen die Besucher des Aschaffenburger Weihnachtsmarktes nun auf den tätowierten Weihnachtsmann ebenso verzichten wie auf seinen Kollegen, der über seinem Zipfelchen eine zweite Zipfelmütze trägt. So sieht jedenfalls der Künstler die ganze Angelegenheit.

Das Ordnungsamt der Stadt Aschaffenburg sieht die Sache aus dem Blickwinkel der ordentlich arbeitenden Behörde. Auf Anfrage erhielt der hpd die Auskunft, dass eine „offizielle Bewerbung“ für einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt bis zum Anmeldeschluss nicht vorgelegen habe. „Eine inhaltliche Auswahlentscheidung im Sinne von § 68 und § 69 GewO war durch die Verwaltung also nicht zu treffen.“ Gespräche, in denen Robert Fietzek, nach eigener Aussage, vorgeschlagen wurde, doch auf ein paar der Postkarten zu verzichten, scheinen im vorweihnachtlichen Trubel in Vergessenheit geraten zu sein.

Bleibt die Frage, ob es denn auf ein gutes Ende hinausgelaufen ist, ganz gleich, wer es nun gefügt hat, dass auf dem Weihnachtsmarkt kein „Ho, ho, ho“ brüllender bärtiger Mann im roten Mantel seine Faust gen Himmel reckt – hat’s die weihnachtliche Stimmung in Aschaffenburg gerettet? Pustekuchen. Gerade hat ein lokales Anzeigenblättchen die Weihnachtsmärkte der Region benotet und Aschaffenburg landet abgeschlagen auf dem letzten Rang. Schulnote 4, „nicht sehr attraktiv“, lautet das Urteil, und Besinnlichkeit finde sich „leider nur bedingt“. Wenn’s dann wenigstens was zu lachen gäbe...

 

Wer sich selbst ein Urteil über die Postkarten bilden möchte: www.freak-agentur.de.

 

Gunnar Schedel