Treffpunkt Weltuhr

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Alexanderplatz / Fotos © Evelin Frerk

BERLIN. (hpd) „11. September 1989. Ungarn öffnet offiziell seine Westgrenze für DDR-Bürger und riskiert einen völligen Bruch mit der Führung in Ost-Berlin.“ Dieses ist ein Punkt einer Zeitleiste, beginnend am 2. Mai 1989 (Ungarn beginnt mit dem Abbau der Sperranlagen an der Grenze zu Österreich), die nach 34 Positionen mit dem 2. Dezember 1990 endet, der ersten Bundestagswahl und der ersten Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im wiedervereinigten Deutschland.

 

 

 

2009

jahre friedliche revolution

mauerfall

...dokumentiert als Open-Air-Ausstellung (24 Stunden täglich) auf dem Berliner Alexanderplatz in Texten und Bildern die Ereignisse um die friedliche Revolution. Ihre Akteure stehen im Mittelpunkt und das erfährt man hautnah. Nimmt man an einer der öffentlichen Führungen teil (Treffpunkt Alexanderplatz, jeden Samstag 13 Uhr), so bleibt die kleine Zuhörerschaft vor den Dokumenten stehen.

Als eher außenstehende Besucherin erinnere ich mich an die Dramatik dieser Zeit. Aber bis im November 1989, als Trabbi-Kolonnen über die Autobahn nach Hamburg kamen, um vor der Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte Hamburg zu erreichen, blieb ich trotz aller Medienberichte nur fernab. Nun hier auf dem Alexanderplatz Berlin Mitte nimmt mich jemand mit in seine Gedanken, lässt mich an seinen Erlebnissen und Erfahrungen teil haben und bei einer Fotografie heißt es dann schlicht: „Der mit dem Bart da, das bin ich“ Dann geht weiter zum nächsten Bild und es erreichen mich Werte, die im Jahr 1989 Ungewöhnliches erreicht haben und über die noch nachgedacht werden wird.

Wir sind das Volk

Zu den Bildern:
Die Bürgerbewegung formiert sich: Der Gründungsaufruf des Neuen Forums wird zum Signal für den Aufbruch, Bürgerbewegungen entstehen, die „Umwelt-Bibliothek“ im Gemeindehaus der Ostberliner Zionskirche gründet sich als Ort für Information und Kommunikation ebenso wie die Sophien-Kirche. Das Büro der Gethsemanegemeinde übernimmt mit einem Kontakttelefon die Aufgaben einer Nachrichtenagentur. In Dresden stimmt Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer gegenüber dem Superintendenten Christoph Ziemer dem Dialog mit dem Volk zu, die internationale Presse ist nicht mehr heraus- und die Bewegung nicht mehr aufzuhalten …

    

 Zur Ausstellung

...hörten wir von Tom Sello, Projektleitung: Zu sehen sind 300 laufende Meter Ausstellungwände, 700 Fotografien und Dokumente, 9 Medienstationen, 8 Vitrinen und das 24 Stunden, also Tag und Nacht, jederzeit, wann immer Sie den Alexanderplatz streifen. Umfragen und Untersuchungen zählen bisher rund 600.000 Menschen, die vor Ihnen bereits dort waren. Besucherbefragungen bestätigen schon jetzt: das Anliegen der Ausstellungs-Initiatoren und -Organisatoren geht auf. Rund 40 % der Besucher kommen zufällig auf den Platz und zählen nicht zu den Menschen, die normalerweise eine Ausstellung besuchen. Es war ein formuliertes Ziel, speziell Menschen anzusprechen, die nicht in Ausstellungen gehen oder aus dem Ausland kommen. Ein besonderes Anliegen ist es, die jetzt um 30-Jährigen anzusprechen, die diese Zeit nicht miterlebt haben und ebenfalls die Jugendlichen am Treffpunkt Weltuhr, die überhaupt nichts über diese Zeit wissen.

Positiv: Die Berliner selbst nehmen die Ausstellung an. Die Besucher teilen sich von ihrer Herkunft gleichmäßig zu je einem Drittel auf und kommen aus den Bezirken im Osten der Stadt, aus dem Westen Berlins und dem sich mischenden Bezirk Mitte.

 

Wie geht es weiter?

Die Ausstellung - als Dokument der Zeit -, hat auf dem Alexanderplatz ihren festen Standort bis zum 14. November 2009. Danach wird sie abgebaut und kommt auf den Müll. So sind die Pläne.

2 Millionen € insgesamt incl. Betriebskosten wie Betreuungspersonal, Wachschutz etc. sind für dieses halbe Jahr der Ausstellung von unterschiedlichen Geldgebern zusammengebracht worden.

Anregungen von Besuchern, eine sich anschließende Wanderausstellung zu konzipieren, werden geprüft. So schön es wäre, diese Ausstellung auch in anderen Großstädten zu wissen. Dafür gebraucht wird aber nicht nur Geld, sondern von der Infrastruktur und auch in der Größe her ein Standort, wie ihn der Alexanderplatz bietet.

So formulierten die Initiatoren ihren Wunsch, die Dokumente der friedlichen Revolution aus den Jahren 1989 bis 1990 hier in Berlin auf dem Alexanderplatz über den 14. November 2009 hinaus bis ins Jahr 2010 hinein weiter zu bewahren.

Ich danke Gerold Hildebrand für die Führung durch die Ausstellung.
Führungen jeden Samstag, 13 Uhr, Alexanderplatz, Berlin Mitte. Ausstellungsrundgänge für Schulklassen nach Vereinbarung.

Evelin Frerk

„Wir sind das Volk“ - Ein Projekt der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. und der Kulturprojekte Berlin GmbH, gefördert durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.